Deutlich weniger neue Abonnenten bei Sky Deutschland

25.08.2018 • Dem Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland fällt es inzwischen deutlich schwerer, neue Abonnenten zu gewinnen. Der Zuwachs an Kunden hat sich entsprechend verlangsamt. Im Geschäftsjahr Juli 2017 bis Juni 2018 konnte der Sender seine Abonnentenzahl nur noch um 200.000 gegenüber dem Zeitraum Juli 2016 bis Juni 2017 steigern. Das entsprach einem Anstieg von 4 Prozent. Zum Abschluss des Geschäftsjahres am 30. Juni 2018 hatte Sky Deutschland nun insgesamt 5,191 Mio Abonnenten, wie aus den vom britischen Pay-TV-Konzern Sky plc am 26. Juli veröffentlichten Wirtschaftszahlen hervorgeht.

In den vorangegangenen Geschäftsjahren konnte Sky Deutschland deutlich höhere Kundenzuwächse verzeichnen (in den Abonnentenzahlen von Sky Deutschland sind auch die Kunden enthalten, die der Sender in Österreich hat). Sky Deutschland ist seit dem Jahr 2014 Teil von Sky plc. Das Hauptgeschäftsfeld des in London ansässigen Konzerns sind die Pay-TV-Aktivitäten in Großbritannien und Irland. Dort hat Sky insgesamt 13 Mio Abonnenten (Stand: 30. Juni 2018). Hinzu kommen die Pay-TV-Geschäfte in Italien; Sky Italia hat zur Zeit 4,8 Mio Abonnenten.

Comcast gegen Disney

An der Übernahme des Unternehmens Sky plc sind unterdessen zwei US-amerikanische Medienriesen interessiert: der Kabel- und Medienkonzern Comcast und die Walt Disney Company. Im Juli hatte sich Comcast aus dem Bietergefecht um die zum Verkauf stehenden Teile von 21st Century Fox zurückgezogen und hier Disney das Feld überlassen. 21st Century Fox (Sitz: New York) wird von Rupert Murdoch beherrscht und ist die Muttergesellschaft unter anderem von Sky plc, dem Hollywood-Studio 20th Century Fox und diverser Fox-Fernsehkanäle in den USA (letztere stehen aber nicht zum Verkauf). Nachdem sich Comcast gegen Disney nicht durchsetzen konnte, setzt der Kabel- und Medienkonzern nun alles daran, zumindest die europäische Pay-TV-Kette Sky plc aus dem Reich von 21st Century-Fox zu kaufen und dabei dann Disney auszustechen. Ob dies Comcast gelingt, bleibt abzuwarten.

Die Verantwortlichen von Sky plc sind mit der Entwicklung von Sky Deutschland zufrieden, auch wenn nun das Abo-Wachstum schleppender verläuft. Seit dem Geschäftsjahr 2013 konnte Sky Deutschland seine Abonnentenzahl von Jahr zu Jahr um mindestens 346.000 Kunden steigern (maximal um 467.000). Der prozentuale Zuwachs belief sich dabei auf wenigstens 7,9 und maximal 12,2 Prozent. Die aktuellen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/17 liegen somit deutlich unter den früheren Ergebnissen. Nachdem Sky Deutschland im Zeitraum von Januar bis März 2018, dem 3. Quartal im Geschäftsjahr 2017/18, erstmals seit 2009 in einem Quartal einen Rückgang bei den Abonnentenzahlen hatte vermelden müssen – der sich auf 30.000 Kunden belief (vgl. MK-Meldung) –, wies der Sender für den folgenden Drei-Monats-Zeitraum wieder einen Zuwachs aus, der sich im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2017/18 auf 30.000 Neuabonnenten belief.

Steigende Kosten

Laut den aktuellen Wirtschaftszahlen konnte Sky Deutschland seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2017/18 um 6 Prozent auf umgerechnet 2,3 Mrd Euro im Vergleich zum Geschäftsjahr 2016/17 steigern. Zugleich erhöhten sich aber auch die Kosten, vor allem für die Fernsehübertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga, wofür Sky Deutschland im Geschäftsjahr 2017/18 insgesamt 172 Mio Euro mehr ausgeben musste als im vorherigen Geschäftsjahr. Die gestiegenen Kosten führten dazu, dass der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nun um 32 Mio auf 134 Mio Euro gesunken ist (minus 19 Prozent im Vergleich zu 2016/17). Insgesamt erzielte der britische Konzern im Geschäftsjahr 2017/18 bei einem Umsatz von umgerechnet 15,26 Mrd Euro einen Nettogewinn in Höhe von 916 Mio Euro. Der Reingewinn von Sky Deutschland wurde nicht ausgewiesen, sondern nur der des Gesamtkonzerns.

Aus den nun von Sky plc veröffentlichten Bilanzzahlen geht ferner hervor, dass die Kündigungsquote bei Sky Deutschland im Geschäftsjahr 2017/18 deutlich angestiegen ist, und zwar von 12,6 Prozent im Geschäftsjahr 2016/17 auf aktuell 15,0 Prozent. Einen solch hohen Wert innerhalb eines Zwölf-Monats-Zeitraums gab es bei Sky Deutschland noch nicht, seitdem das Unternehmen Teil von Sky plc ist. Die Kündigungsquote bei Sky Deutschland liegt nun um etwa 50 Prozent höher als die bei Sky in Großbritannien und Sky Italia (dort jeweils rund 10 Prozent). Die niedrigste Kündigungsquote seit der Integration in den britischen Sky-Konzern hatte der deutsche Ableger im Geschäftsjahr 2014/15 mit 8,6 Prozent ausgewiesen.

Hohe Kündigungsquote

Den Anstieg der Kündigungsquote bei Sky Deutschland haben die Konzernverantwortlichen in London jedenfalls erwartet: Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf eine geänderte Strategie, der zufolge Kunden nicht mehr mit hohen Abo-Rabatten gewonnen bzw. gehalten werden sollen. So hätten Kunden, die weniger Umsatz gebracht hätten („lower value customers“), ihre Abonnements nicht verlängert. In der Folge sei auch der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Kunde im Geschäftsjahr 2017/18 um zwei auf 32 Euro gesunken. Im Vergleich zu den beiden Schwestersendern in Großbritannien und Italien liegt dieser Wert bei Sky Deutschland seit Jahren deutlich niedriger. Sky kommt für Großbritannien und Irland aktuell auf einen Umsatz pro Kunde von im Schnitt umgerechnet knapp 51 Euro pro Monat, bei Sky Italia sind es 45 Euro.

Die Konzernmanager von Sky plc gehen davon aus, dass sich die Kündigungsquote von Sky Deutschland demnächst aufgrund bestimmter Maßnahmen wieder auf ein normales Maß reduzieren, also in Richtung der 10-Prozent-Marke fallen wird. Zu diesen Maßnahmen gehört, die Anfang Mai 2018 eingeführte Plattform „Sky Q“ immer mehr Abonnenten anzubieten. Über diese Plattform, die derzeit bereits eine Million Sky-Abonnenten nutzen, ist unter anderem Live-Fernsehen und zeitversetztes Fernsehen auf mehreren Geräten möglich (zeitgleich auf bis zu drei Fernsehern und zwei mobilen Geräten). Sky Q soll genauso wie der für kommenden Herbst vorgesehene Start eines neuen Kundenloyalitätsprogramms dazu beitragen, die Zufriedenheit der Abonnenten zu steigern und damit die Kündigungsquote zu senken. Offen ist, welchen Einfluss die ebenfalls Anfang Mai eingeführte neue Preisstruktur hat, wodurch einzelne Abo-Pakete zwar günstiger, andere aber, wie etwa das Bundesliga-Paket, teurer wurden.

25.08.2018 – vn/MK