Joachim Knuth zum neuen NDR‑Intendanten gewählt

15.07.2019 •

Joachim Knuth, Hörfunkdirektor des NDR, übernimmt bei dem Sender Mitte Januar 2020 das Intendantenamt. Der NDR-Rundfunkrat wählte in seiner Sitzung am 5. Juli in Hamburg den 60-Jährigen zum Nachfolger von Lutz Marmor, der im Januar nächsten Jahres den Leitungsposten abgibt. Marmor tritt dann nach zwei sechsjährigen Amtszeiten als NDR-Intendant im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand. Joachim Knuth erhielt im Rundfunkrat bei der geheimen Abstimmung 40 Stimmen, wie der NDR mitteilte. Zudem gab es eine Nein-Stimme und sechs Enthaltungen. Damit erreichte Knuth die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Rundfunkratsmitglieder. Dem Gremium gehören insgesamt 58 Personen an (elf Mitglieder fehlten bei der Sitzung).

Für die Intendantenwahl war Knuth der einzige Kandidat. Er war Mitte Juni vom zwölfköpfigen NDR-Verwaltungsrat einstimmig dem Rundfunkrat zur Wahl vorgeschlagen worden (vgl. MK-Meldung). Laut NDR-Staatsvertrag wird der Intendant „vom Rundfunkrat auf Vorschlag des Verwaltungsrats“ gewählt. Joachim Knuth wurde bei der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt für die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern für die Dauer von sechs Jahren zum Intendanten gewählt. Seine Amtszeit beginnt am 13. Januar 2020 und endet am 12. Januar 2026. Knuth ist beim NDR seit Januar 2008 Hörfunkdirektor.

Anfang Juli 2019 wurde Joachim Knuth bei der drittgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt zusätzlich stellvertretender Intendant. Zum Vizechef des Senders war er Ende März vom NDR-Rundfunkrat, ebenfalls auf Vorschlag des NDR-Verwaltungsrats, gewählt worden. Die Position des stellvertretenden Intendanten musste neu besetzt werden, weil Amtsinhaber Arno Beyer Ende Juni in den Ruhestand trat. Beyer, 64, war ab 2007 stellvertretender Intendant und zugleich Direktor des NDR-Landesfunkhauses Niedersachsen (dessen Leitung er bereits 1997 übernommen hatte). Neue Chefin des Landesfunkhauses Niedersachsen ist seit Anfang Juli Andrea Lütke. Die 53-jährige Journalistin hat dort bereits seit 1994 in verschiedenen Positionen gearbeitet.

Die NDR-Rundfunkratsvorsitzende Cornelia Netz zeigte sich überzeugt, dass Joachim Knuth als Intendant „den Norddeutschen Rundfunk auch im medialen Wandel hervorragend führen wird“. Mit Knuth gewinne „der NDR einen profilierten Journalisten mit exzellenter Führungsqualifikation für die verantwortungsvolle Aufgabe des Intendanten“, so Netz: „Er hat seine herausragenden Managementfähigkeiten in den verschiedensten Funktionen unter Beweis gestellt und genießt über den NDR hinaus große Wertschätzung. Joachim Knuth übernimmt von Lutz Marmor ein bestens aufgestelltes Haus.“

Seit über 30 Jahren beim Sender

Knuth verwies in einem Statement nach seiner Wahl darauf, dass der NDR auf den Medienwandel reagieren müsse, und zwar „mit mehr crossmedial produzierten Inhalten, die die Norddeutschen immer und überall nutzen können“. Er hob hervor, dass der NDR mit seinen Radio-, Fernseh- und Online-Angeboten tief in den Regionen verwurzelt und „das führende Medienhaus Norddeutschlands“ wie auch „ein Leistungsträger in der ARD“ sei. Er freue sich über das Vertrauen des Rundfunkrats und sei sich sicher, dank der Kreativität, der Fantasie und der Innovationsenergie der NDR-Mitarbeiter die Herausforderungen des neuen Jahrzehnts zu meistern.

Innerhalb des NDR gab es Kritik am Auswahlverfahren für die Neubesetzung des Intendantenamts. Der Redaktionsausschuss, dem Mitarbeiter aus verschiedenen NDR-Programmbereichen angehören, bemängelte im Juni „die Intransparenz des Verfahrens“, dass also nicht klar sei, nach welchen Kriterien der Verwaltungsrat seine Entscheidung getroffen habe, ausschließlich Knuth vorzuschlagen. Es stelle sich die Frage, ob ein solches Verfahren „noch zeitgemäß“ sei. Der Redaktionsausschuss kritisierte ferner, dass es keine Kandidatin gegeben habe. Es sei zu fragen, „wie ernst es dem NDR und seinen Gremien mit der Förderung von Frauen ist“. Der obersten NDR-Führungsebene, die neben dem Intendanten noch aus zehn Direktoren besteht, gehören derzeit vier Frauen an.

Der künftige NDR-Intendant Joachim Knuth, geboren am 14. April 1959 in Kiel, arbeitet seit über 30 Jahren für die Rundfunkanstalt. Er studierte Politische Wissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München und in den USA und absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Im Jahr 1985 kam er als Redakteur zum NDR-Hörfunk nach Hamburg. Dort arbeitete dann in verschiedenen Positionen, bevor er 1991 Referent des damaligen NDR-Intendanten Jobst Plog wurde. Vier Jahre später wurde Knuth Leiter der Programmgruppe ‘Politik und Aktuelles’ beim Hörfunkprogramm NDR 4, das seit 2002 nach dem Umbau zu einem Informationsprogramm NDR Info heißt. 1998 wurde Knuth Hörfunkchefredakteur und Programmchef von NDR Info. 2008 übernahm er die Leitung der Hörfunkdirektion.

15.07.2019 – vn/MK