Hörfunkdirektor Joachim Knuth soll beim NDR neuer Intendant werden

24.06.2019 •

Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) soll dessen Hörfunkdirektor Joachim Knuth neuer Intendant werden. Auf diesen Wahlvorschlag verständigte sich der zwölfköpfige NDR-Verwaltungsrat in seiner Sitzung am 14. Juni in Hamburg einstimmig. Diesen Vorschlag unterbreitete das Gremium damit dem NDR-Rundfunkrat. „Mit Joachim Knuth präsentieren wir dem Rundfunkrat einen hervorragenden Nachfolger für das Amt des Intendanten. Der profilierte Journalist und Medienmanager ist mit dem NDR und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt bestens vertraut“, erklärte der NDR-Verwaltungsratsvorsitzende Ulf Birch.

Aufgabe des aus 58 Mitgliedern bestehenden Rundfunkrats ist es, den Intendanten des Senders für die Dauer von sechs Jahren zu wählen. Wann der Rundfunkrat wählen wird, ist offen. Die nächste Sitzung, zugleich die letzte vor der Sommerpause, ist für den 5. Juli angesetzt. Nach der Sommerpause tagt der Rundfunkrat dann wieder am 27. September. Der NDR-Staatsvertrag schreibt vor, dass der Intendant „vom Rundfunkrat auf Vorschlag des Verwaltungsrats“ gewählt wird. Dafür ist im Rundfunkrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder erforderlich.

Der amtierende NDR-Intendant Lutz Marmor wird die Leitungsposition mit Ablauf seiner zweiten sechsjährigen Amtsperiode am 12. Januar 2020 abgeben und dann beim NDR ausscheiden. Der NDR ist die ARD-Landesrundfunkanstalt für die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Marmor, der am 2. April 65 Jahre alt wurde, hätte nach dem Ende seiner zweiten Amtsperiode noch zwei oder drei Jahre als Intendant weitergearbeitet. Doch für eine volle sechsjährige Amtsperiode, für die der Intendant des Senders gewählt wird, hätte er nicht zur Verfügung gestanden. Somit musste der NDR-Verwaltungsrat für die Neubesetzung des Intendantenamts ab Mitte Januar 2020 einen Personalvorschlag machen.

Als Nachfolger von Lutz Marmor

Dass der 60-jährige Joachim Knuth nun das Intendantenamt beim drittgrößten ARD-Sender übernehmen soll, hatte sich bereits abgezeichnet. So brachte Marmor dem Vernehmen nach seinen Hörfunkdirektor in den vergangenen Monaten gegenüber den Gremienmitgliedern für die Position in Stellung. Ende März wurde Knuth vom Rundfunkrat, ebenfalls auf Vorschlag des Verwaltungsrats, zum stellvertretenden Intendanten des NDR gewählt. Dieses Amt wird Knuth am 1. Juli 2019 übernehmen, zusätzlich zu seiner derzeitigen Position als Hörfunkdirektor. Das stellvertretende Intendantenamt musste neu besetzt werden, weil Ende Juni Amtsinhaber Arno Beyer im Alter von 64 Jahren in den Ruhestand tritt. Beyer, zugleich Direktor des Landesfunkhauses Niedersachsen, ist seit 2007 stellvertretender NDR-Intendant.

Joachim Knuth ist beim Norddeutschen Rundfunk seit Januar 2008 Hörfunkdirektor. Für den öffentlich-rechtlichen Sender arbeitet er seit über 30 Jahren. Knuth, geboren am 14. April 1959 in Kiel, studierte Politische Wissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München und in den USA und absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Im Jahr 1985 kam er als Redakteur zum Hörfunk des NDR nach Hamburg. Dort war er zunächst Nachrichtenredakteur, ab 1987 Fachredakteur für Sozialpolitik. 1989 wechselte er zum Programm NDR 2 in die aktuelle Redaktion. 1991 wurde Knuth Referent von NDR-Intendant Jobst Plog.

Vier Jahre später übernahm Knuth die Leitung der Programmgruppe ‘Politik und Aktuelles’ beim Hörfunkprogramm NDR 4, das seit 2002 nach dem Umbau zu einem Informationsprogramm NDR Info heißt. 1998 wurde Knuth Hörfunkchefredakteur und Programmchef von NDR Info. Zum 1. Januar 2008 war Joachim Knuth dann zum Hörfunkdirektor aufgerückt. Seit Januar 2012 ist Knuth auch einer von zwei Geschäftsführern der NDR Media GmbH, der Werbetochter des Norddeutschen Rundfunks (weiterer Geschäftsführer der NDR Media GmbH ist seit Ende 2016 Carsten Neitzel).

Der scheidende Intendant Lutz Marmor hat seine berufliche Karriere zum größten Teil beim NDR verbracht. Marmor, geboren am 2. April 1954 in Köln, kam nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln und einer Tätigkeit in der Wissenschaft im Jahr 1983 in die Hauptabteilung Finanzen des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln. 1987 übernahm er die Leitung der Abteilung Rechnungswesen. Vier Jahre später wechselte Marmor nach Potsdam zum dort seinerzeit unter Gründungsintendant Friedrich-Wilhelm von Sell neu geschaffenen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB), wo er Verwaltungs- und Betriebsdirektor wurde (der ORB wurde 2003 mit dem Sender Freies Berlin zum Rundfunk Berlin-Brandenburg zusammengelegt).

Im Jahr 1995 wechselte Marmor vom ORB zum NDR und übernahm dort die Leitung der Verwaltungsdirektion. Zum 1. August 2006 wurde er Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant des WDR. Bei der größten ARD-Landesrundfunkanstalt blieb Marmor nur rund 17 Monate, um dann Mitte Januar 2008 beim NDR das Intendantenamt zu übernehmen. Als von 2013 bis 2016 der NDR die geschäftsführende Anstalt innerhalb der ARD war, stand Marmor als Vorsitzender an der Spitze des Senderverbunds.

24.06.2019 – vn/MK