Die RTL-Gruppe startet am 4. Juni 2016 zwei neue Free‑TV‑Programme

01.06.2016 •

Die RTL-Gruppe startet zwei neue frei empfangbare Spartenfernsehkanäle. Dabei handelt es sich um die Programme RTL plus und Toggo plus, die beide am 4. Juni (Samstag) auf Sendung gehen. RTL plus wird ein Programm bieten, das vor allem auf Wiederholungen von eigenproduzierten Serien des Mutterprogramms RTL setzt. Außerdem soll es „exklusive Eigenproduktionen“ geben. Zielgruppe sind insbesondere Frauen ab 45 Jahren. Toggo plus ist ein Ableger des Kindersenders Super RTL. Die von Super RTL ausgestrahlten Kindersendungen wird Toggo plus übernehmen und stets eine Stunde später als Super RTL ausstrahlen. Erstmals wird damit hierzulande im Free-TV ein sogenannter Timeshift-Sender seinen Betrieb aufnehmen.

Rund vier Jahre nachdem die RTL-Gruppe mit RTL Nitro zuletzt einen Free-TV-Sender gestartet hat – das Programm, das sich vor allem an Männer richtet, ging am 1. April 2012 auf Sendung (vgl. FK-Heft Nr. 9/12) – gibt es nun wieder zwei Neugründungen. Bei RTL plus wird es im Tagesprogramm unter anderem Doku-Soaps wie „Mein Baby“ und „Unsere erste gemeinsame Wohnung“ und Gerichtsshows wie „Das Jugendgericht“, „Das Strafgericht“ und „Das Familiengericht“ geben. In der Primetime werden dann RTL-Serien wie „Dr. Stefan Frank“, „Hinter Gittern“, „Doppelter Einsatz“ und „Nikola“ zu sehen sein. Als Wiederholungen werden auch Episoden der US-Serie „Monk“ sowie Ausgaben der eigenproduzierten Doku-Soaps „Einsatz in 4 Wänden“ und „Bauer sucht Frau“ gesendet.

Zu den exklusiven Eigenproduktionen gehören Neuauflagen der Gameshows „Familienduell“ (Moderation: Inka Bause), „Jeopardy“ (Joachim Llambi) und „Glücksrad“ (Jan Hahn) und die Rateshow „Ruck Zuck“ (Oliver Geissen). Die Sendungen werden ab September 2016 bei RTL plus zu sehen sein. Verbreitet wird RTL plus digital über Satellit (Astra) und als Livestream über TV Now, die Mediathek der RTL-Gruppe. Außerdem wird das Programm über die IPTV-Plattform Entertain der Deutschen Telekom zu empfangen sein. Ab dem 1. Juli wird der neue Sender auch ins Kabelnetz von Unitymedia eingespeist. Die Verbreitung von RTL plus soll sukzessive ausgebaut werden.

RTL plus und Toggo plus

Unter dem Namen RTL plus war RTL, der heutige kommerzielle Marktführer im deutschen Fernsehen, im Jahr 1984 gestartet; Ende 1992 trennte der Sender sich vom Namensanhängsel „plus“. RTL erreicht heute einen Marktanteil von rund 10 Prozent und rangiert damit hinter den beiden öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen ZDF und Das Erste (ARD). Obwohl RTL plus vor allem Frauen ansprechend will, wurde zum Senderchef ein Mann berufen: Jan Peter Lacher, 40, übernimmt diese Aufgabe neben seiner Tätigkeit als Bereichsleiter Programmplanung RTL. Lacher, der seit Ende 2000 für RTL arbeitet, berichtet auch als Senderchef von RTL plus weiter direkt an RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann.

Die rundfunkrechtliche Zulassung für RTL plus wurde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) in Hannover beantragt. Bereits im März hatte die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) der Lizenzierung des neuen Programms zugestimmt. Auch die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) machte diesbezüglich in ihrer Sitzung am 10. Mai keine Einwände geltend, so dass die NLM die Zulassung erteilen kann. Bei der NLM ist bereits seit dem Jahr 1987 das Mutterprogramm RTL lizenziert (zuvor sendete das Programm mit einer luxemburgischen Lizenz).

Für das neue Programm Toggo plus beantragte die Super-RTL-Muttergesellschaft eine Zulassung bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) in Düsseldorf. Bei der LfM ist Super RTL seit dem Sendestart Ende April 1995 lizenziert. ZAK und KEK gaben für Toggo plus ebenfalls jeweils grünes Licht. Das Programm wird ab dem 4. Juni in der Zeit von 6.00 bis 22.15 Uhr senden. Ab diesem Zeitpunkt wird Super RTL seine Kindersendungen, die bislang noch um 6.00 Uhr starten, auf 5.00 Uhr vorziehen.

Sechs Free-TV- und vier Pay-TV-Kanäle

Toggo plus wird das Super-RTL-Kinderprogramm dann ab 6.00 Uhr ausstrahlen, stets um eine Stunde zeitversetzt. Wenn das Kinderprogramm bei Super RTL um 20.15 Uhr endet, wird es bei Toggo plus somit noch bis 21.15 Uhr zu sehen sein. Anschließend gibt es bei dem neuen Programm eine zusätzliche Sendestunde. Gezeigt werden dann Serien wie „Dragons“, „King Julien“ und „Angelo!“, die zuvor nicht auf Super RTL ausgestrahlt wurden. Toggo plus wird zunächst nur über das Astra-Satellitensystem verbreitet. Der Empfang des Programms über Kabel soll schrittweise hinzukommen.

Super RTL erreichte im Jahr 2015 bei den 3- bis 13-Jährigen einen Marktanteil 18,7 Prozent (im Zeitraum von 6.00 bis 21.00 Uhr). Der von ARD und ZDF betriebene Kinderkanal (Kika), der täglich von 6.00 bis 21.00 Uhr sendet, kam 2015 auf 19,2 Prozent und rangierte damit erstmals vor dem kommerziellen Wettbewerber. Der Kika lag im vorigen Jahr auch vor Super RTL, wenn man den Zeitraum von 6.00 bis 20.15 Uhr zugrunde legt, in dem der Privatsender sein Kinderprogramm 2015 ausstrahlte: Der Kika kam auf 20,3 Prozent, Super RTL auf 19,3 Prozent (das Programm von Super RTL nach 20.15 Uhr richtet sich an Erwachsene und ist eher auf ein weibliches Publikum ausgerichtet). Die beiden weiteren kommerziellen Kindersender Nickelodeon und Disney Channel erreichten im vorigen Jahr zwischen 9,0 und 9,5 Prozent Marktanteil.

Die RTL-Gruppe betreibt in Deutschland derzeit insgesamt sechs Free-TV-Programme. Dabei handelt es sich neben RTL und Super RTL um RTL 2, Vox, n-tv und RTL Nitro. Hinzu kommen noch vier Pay-TV-Kanäle (RTL Crime, RTL Living, RTL Passion, Geo Television). Der Bertelsmann-Konzern, zu dem die RTL-Gruppe gehört, ist außerdem noch über das Verlagshaus Gruner+Jahr an dem Pay-TV-Programm ‘Auto Motor und Sport Channel’ mehrheitlich beteiligt.

01.06.2016 – vn/MK

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