Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2016 für Sportjournalist Hajo Seppelt

16.05.2016 •

16.05.2016 • Der freie Sportjournalist Hajo Seppelt, der vor allem für die ARD arbeitet, erhält in diesem Jahr den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Mit seinen Recherchen bringe Seppelt „Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Doping-Netzwerke und provoziert heftigen Widerstand von internationalen Sportorganisationen, Funktionären und Verkäufern glitzernder Großereignisse“, erklärte die Jury. Die Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert. Der mit 2500 Euro versehene Sonderpreis geht an den Moderator Armin Wolf, der im Fernsehen des Österreichischen Rundfunks (ORF) das Nachrichtenmagazin „ZiB 2“ präsentiert. „In seinen sorgfältigst vorbereiteten, gelassen-hartnäckigen Interviews zeigt er unbestechliche journalistische und persönliche Unabhängigkeit“, heißt es unter anderem in der Begründung der Jury.

Die beiden diesjährigen Preisträger des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises wurden am 25. April bekannt gegeben. Die Auszeichnungen werden am 19. Oktober im Rahmen einer Veranstaltung beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg überreicht. Verliehen wird der Preis seit 1995 in Erinnerung an den früheren „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs, der im März 1995 gestorben war. Der Verein zur Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus wurde damals von einem 16-köpfigen Freundeskreis gegründet. Heute hat der Verein 36 Mitglieder, die zugleich alle die Jury bilden. Vereinsmitglieder sind größtenteils aktive und ehemalige Fernsehjournalisten von öffentlich-rechtlichen Sendern.

Energie, Mut und Durchsetzungswille

Aus Sicht der Jury hat sich Hajo Seppelt „seit vielen Jahren mit unermüdlicher Energie, Mut und zähem Durchsetzungswillen einem unabhängigen Journalismus verschrieben“. Ganz im Sinne von Hanns Joachim Friedrichs, der unter anderem auch zwölf Jahre lang Chef der ZDF-Sportredaktion war, vermeide Seppelt jegliche Kumpanei zwischen Journalisten und Sportlern, so die Jury weiter. Wie Friedrichs wisse auch Seppelt um den großen Unterschied zwischen der Begeisterung eines Sportfans und der kritischen Distanz eines Sportjournalisten. Die zahlreichen ARD-Dokumentationen und Berichte von Hajo Seppelt machten sich nie gemein mit den im Mainstream schwimmenden Event-Sportarten, denen Unterhaltung näher liege als Sport und Journalismus.

Hajo Seppelt, der 1963 in Berlin geboren wurde, arbeitet seit 1985 als freier Sportreporter und Doping-Experte vor allem für die ARD und hier insbesondere für den Westdeutschen Rundfunk (WDR). Seppelt ist Autor zahlreicher Berichte und Dokumentationen zum Doping und dessen Drahtziehern. In den vergangenen anderthalb Jahren erregten Seppelts Filme „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“ (vgl. FK-Kritik) und „Geheimsache Doping – Im Schattenreich der Leichtathletik“ (vgl. MK-Artikel) weltweit Aufmerksamkeit. Für die beiden Dokumentationen, die vom WDR für das Erste Programm der ARD produziert wurden, erhielt Seppelt Anfang dieses Jahres auch den Deutschen Fernsehpreis (vgl. MK-Meldung). Der Journalist ist in den vergangenen Jahren für seine Arbeit bereits mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden. Erstaunlicherweise war Seppelt für seine Doping-Dokumentationen für den Grimme-Preise noch nicht einmal nominiert.

Sonderpreis für ORF-Anchor Armin Wolf

Den Sonderpreis beim Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhält „ZiB-2“-Moderator Armin Wolf, weil er allen Parteien und Interessensgruppierungen gleichermaßen kritisch und distanziert gegenüberstehe, so die Jury. Wolf lasse sich innerhalb des öffentlich-rechtlichen Senders ORF auch vom Druck der Parteien nicht beeinflussen. In beeindruckender Weise nehme er die Auseinandersetzung mit den Einfacherklärern und deren populistischen Parolen auf. Auf Facebook und Twitter rege er Debatten zu politischen Grundsatzthemen an und finde Millionen von Lesern in einem Umfeld, in dem man es zu solchen Themen nicht erwarte. Laut Jury erreicht Armin Wolf damit viele Menschen, die sich den klassischen Medien verweigerten.

Armin Wolf, Jahrgang 1966, moderiert seit 2002 die Sendung „ZiB 2“, das wichtigste österreichische Fernsehnachrichtenmagazin (die Abkürzung steht für „Zeit im Bild“). Seit 2007 ist er Hauptmoderator und damit Anchor der 25-minütigen Sendung, die montags bis freitags ausgestrahlt wird und um 22.00 Uhr beginnt (freitags 22.10 Uhr). Das Nachrichtenmagazin wird zeitgleich auch im Kulturkanal 3sat ausgestrahlt. Armin Wolf arbeitet seit 1985 für den ORF, zunächst war er freier, später wurde er fest angestellter Mitarbeiter. Er begann seine berufliche Laufbahn im ORF-Hörfunk.

Im Jahr 1995 wechselte Wolf zum Fernsehen des ORF. Damals wurde er Redakteur der „ZiB 2“. Von 1998 bis 2001 leitete er die Redaktion der Sendung „ZiB 3“, die bis 2007 im Programm von ORF 2 ausgestrahlt wurde (die Nachfolgesendung „ZiB 24“ ist seit 2008 auf ORF 1 gegen Mitternacht zu sehen). 2001 kehrte Wolf, der neben seiner beruflichen Tätigkeit studierte und promovierte, als Chefreporter zur „ZiB 2“ zurück. Ein Jahr später übernahm er auch die Moderation der Sendung. Armin Wolf, der seit 2010 auch stellvertretender Chefredakteur der ORF-Fernsehinformationsabteilung ist, wurde für seine journalistische Arbeit mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem bereits dreimal eine „Romy“-Auszeichnung als beliebtester österreichischer TV-Moderator.

Auch in diesem Jahr hat der Verein wieder ein Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderstipendium in Höhe von 5000 Euro ausgeschrieben. Das Stipen­dium soll inhaltlich bemerkenswerte, zeitaufwändige Recherchen junger Journalisten zu relevanten gesellschaftlichen oder politischen Themen anstoßen. Es richtet sich an TV-Nachwuchsjournalisten, die ihr 35. Lebensjahr noch nicht beendet haben. Bewerbungen können beim Verein bis zum 30. August eingereicht werden. Wer das Förderstipendium erhält, wird bei der Preisverleihung am 19. Oktober bekannt gegeben.

16.05.2016 – MK