Bert Habets tritt überraschend als Chef der RTL Group zurück

18.04.2019 •

Nach nur zweijähriger Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der internationalen RTL Group (Luxemburg) hat Bert Habets diesen Posten überraschend abgeben. Habets habe sich entschieden, „aus persönlichen Erwägungen“ als Chief Executive Officer (CEO) und Mitglied des Boards of Directors der RTL Group zurückzutreten, teilte der börsennotierte Medienkonzern am 1. April mit. Konkretere Angaben dazu, warum der 48-jährige Niederländer von seinem Posten zurückgetreten ist, machte die RTL Group nicht. Habets war im April 2017 zunächst neben dem Belgier Guillaume de Posch neuer Co-Vorstandsvorsitzender des Unternehmens geworden. Nachdem de Posch bei der RTL Group zum Jahresende 2017 ausschied, war Habets alleiniger CEO.

Zum neuen Chef der RTL Group wurde nun der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe berufen. Der 53-jährige Rabe, der seit Januar 2012 an der Spitze des Bertelsmanns-Konzerns steht, hat die Leitung der RTL Group zusätzlich übernommen; er führt nun Bertelsmann und die RTL Group in Personalunion. Die RTL Group gehört mehrheitlich dem Bertelsmann-Konzern (Gütersloh) und ist dessen größte Tochtergesellschaft, die mit ihren europaweiten Fernseh-, Radio- und Online-Aktivitäten etwas mehr als ein Drittel des Bertelsmann-Umsatzes erwirtschaftet.

Zusatzaufgabe für Bertelsmann-Chef Rabe

Thomas Rabe war bei der internationalen RTL Group von August 2000 bis Dezember 2005 Finanzvorstand. Anschließend wechselte er in derselben Funktion zu Bertelsmann, wo er dann sechs Jahre später Vorstandsvorsitzender wurde. Mit seinem Wechsel zu Bertelsmann war Rabe Ende 2005 auch in das Board of Directors der RTL Group eingezogen, einer Art Verwaltungsrat, dem überwiegend aktuelle bzw. frühere leitende Mitarbeiter des Bertelsmann-Konzerns angehören. Im April 2012 wurde Rabe Vorsitzender des Board of Directors. Als neuer CEO der RTL Group gehört Rabe dem Gremium weiterhin an, in dem unter anderem auch Elmar Heggen Mitglied ist, der Finanzvorstand der RTL Group. Bert Habets war als Chef der RTL Group ebenfalls Mitglied im Board of Directors. Drei Mitglieder des Boards bezeichnet die RTL Group als „unabhängige Direktoren“, da sie nicht für Bertelsmann gearbeitet haben.

Martin Taylor, einer der drei unabhängigen Direktoren, wurde zum neuen Vorsitzenden des Board of Directors ernannt, das jetzt elf Mitglieder hat. Taylor, Jg. 1952, gehört dem Gremium seit der Gründung der RTL Group im Juli 2000 an. Im Jahr 2004 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Boards. Taylor war in verschiedenen Funktionen für Unternehmen, im Bankgeschäft, im Journalismus und für politische Organisationen tätig. Erstmals seit Ende 2004 steht nun ein von Bertelsmann unabhängiges Board-Mitglied an der Spitze des Gremiums. Neuer stellvertretender Board-Vorsitzender wurde James Singh, Jg. 1946. Er arbeitete insgesamt 35 Jahre lang beim Lebensmittelkonzern Nestlé, zuletzt war er dort bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2012 Finanzvorstand. Dem Board of Directors der RTL Group gehört Singh ebenfalls als unabhängiger Direktor an, und zwar seit 2011. Auffällig ist, dass an der Spitze des Boards of Directors nun zwei nicht mit Bertelsmann verbundene Personen stehen, was bisher nicht der Fall gewesen war.

Bert Habets, geboren am 9. Januar 1971 im niederländischen Heerlen (Provinz Limburg), kam im Jahr 1999 als Projektmanager in die Unternehmensentwicklung der CLT-Ufa, der Vorläuferfirma der RTL Group. Im März 2001 wurde Habets, der an der Universität Maastricht Wirtschaft und Recht studiert hat und anschließend einen MBA-Abschluss (Master of Business Administration) an der Universität Barcelona erwarb, Finanzchef der Holland Media Groep. Dieses Unternehmen wurde im August 2004 in RTL Nederland umbenannt. Im Jahr 2008 stieg Habets zum Chef von RTL Nederland auf, bevor er dann 2017 an die Spitze der RTL Group rückte.

Umsatz steigt, Gewinn sinkt

Die RTL Group erzielte 2018 einen Umsatz von 6,5 Mrd Euro – ein Plus von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zum vierten Mal in Folge gelang es dem Konzern, seinen Umsatz auf einen Rekordwert zu steigern. Den Anstieg führte das Unternehmen vor allem auf höhere Umsätze bei den „schnell wachsenden Digitalgeschäften“, bei seiner Produktionsgesellschaft Fremantle und bei RTL Nederland zurück. 45,8 Prozent des Gesamtumsatzes der RTL Group kamen aus dem TV-Werbegeschäft, 20,0 Prozent aus der Inhalte-Produktion und 15,1 Prozent aus den Digitalaktivitäten. Weitere 5,3 Prozent stammten aus Erlösen von Plattformen, über die RTL-Programme verbreitet werden (via Kabel, Satellit oder IPTV). Der Anteil der Erlöse aus der Radiowerbung am Gesamtumsatz belief sich 2018 auf 4,1 Prozent. Die sonstigen Umsätze hatten nach Angaben der RTL Group einen Anteil von 9,7 Prozent.

Während der Umsatz der RTL Group im Jahr 2018 anstieg, sank dagegen der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 1,380 Mrd Euro. Das waren 84 Mio Euro weniger als 2017 (minus 5,7 Prozent). Rechnet man allerdings heraus, dass die RTL Group 2017 durch den Verkauf von Immobilien in Paris einmalig 94 Mio Euro einnahm, stieg der operative Gewinn des Konzerns 2018 geringfügig gegenüber dem Vorjahr an (plus 0,7 Prozent). Unter dem Strich verblieb 2018 in den Kassen der RTL Group ein Betrag von 668 Mio Euro. Der Nettogewinn sank damit gegenüber 2017 um 71 Mio Euro (minus 9,6 Prozent). Grund dafür ist laut der RTL Group eine Firmenwertabschreibung auf das firmen­eigene internationale Multichannel-Network Style Haul (Hauptsitz: Los Angeles) in Höhe von 105 Mio Euro.

18.04.2019 – vn/MK

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