Eine Zäsur: Geschäftsführerin Anke Schäferkordt verlässt die RTL‑Gruppe

30.11.2018 •

30.11.2018 • Anke Schäferkordts überraschender Abschied vom Chefposten der Mediengruppe RTL Deutschland in Köln zum Jahresende 2018 ist eine Zäsur für das Unternehmen. Am 21. November gab die internationale RTL Group, zu der die deutsche RTL-Gruppe gehört, bekannt, dass Schäferkordt die Leitung des Deutschlandgeschäfts nach 13 Jahren abgeben und nach insgesamt über 27-jähriger Tätigkeit für RTL das Unternehmen verlassen werde.

Die RTL Group und Anke Schäferkordt hätten „gemeinsam und im besten gegenseitigen Einvernehmen“ entschieden, ihren Vertrag als Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland nicht zu verlängern, hieß es weiter. Nähere Gründe für diese Entscheidung wurden nicht genannt. Auch ihren Sitz im Vorstand von Bertelsmann, der Muttergesellschaft der RTL Group, legt die 55-jährige Schäferkordt am 31. Dezember 2018 nieder, wie der in Gütersloh ansässige Konzern ebenfalls am 21. November mitteilte. In den Bertelsmann-Vorstand war Schäferkordt im Jahr 2012 eingezogen.

Vox-Chef Reichart tritt Nachfolge an

Zum neuen Chef der Mediengruppe RTL Deutschland wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2019 der 44-jährige Bernd Reichart berufen, der Geschäftsführer des zur Senderfamilie gehörenden Fernsehanbieters Vox. Reichart steht damit künftig an der Spitze einer Firmengruppe, zu der unter anderem die Free-TV-Sender RTL, RTL 2, Super RTL Vox, n-tv, Nitro und RTL plus gehören. Zudem betreibt die Gruppe die vier Pay-TV-Kanäle RTL Crime, RTL Living, Passion und Geo Television und sie ist über das Tochterunternehmen RTL Interactive im Streaming-Geschäft aktiv (vor allem über die eigene Videoplattform TV Now). Reicharts zentrale Aufgabe wird es sein, die gesamten RTL-Geschäfte in Zeiten von Digitalisierung und Streaming-Konkurrenz noch stärker als bisher auf non-lineare Nutzungsmodelle auszurichten, durch die sich auch entsprechende Einnahmen erzielen lassen.

Bevor Reichart, der Sport und Englisch studiert hat, Vox-Chef wurde, arbeitete er ab 2004 in verschiedenen Positionen bei dem spanischen TV-Unternehmen Antena 3, an dem die RTL Group beteiligt ist. Mit seiner Berufung an die Spitze der hiesigen RTL-Gruppe zieht Reichart nun gewissermaßen an Frank Hoffmann vorbei, der Geschäftsführer von RTL ist, dem Hauptprogramm der Senderfamilie. Der heute 52-jährige Hoffmann war Anfang Februar 2013 vom Vox-Geschäftsführer zum Chef von RTL aufgestiegen; diese Position musste damals nachbesetzt werden, weil Anke Schäferkordt die Leitung von RTL abgab, um sich auf ihre übrigen Aufgaben zu konzentrieren. Bernd Reichart hatte dann Anfang Februar 2013 die Geschäftsführung von Vox übernommen.

Anke Schäferkordt verabschiedete sich am 21. November in einem Schreiben von der Belegschaft, in dem sie darauf verwies, dass es ihr nicht leicht falle, bekannt zu geben, die RTL-Gruppe zum Jahresende 2018 zu verlassen. Sie erklärte auch in den Schreiben, dass sich die RTL Group, Bertelsmann und sie „im besten gegenseitigen Einvernehmen“ darauf verständigt hätten, ihren Geschäftsführervertrag nicht zu verlängern. Angesichts dieser Entscheidung halte sie, so Schäferkordt, „zum Wohl unseres Unternehmens eine zügige Übergabe meiner Aufgaben für die beste Lösung“. Ihre Verträge als Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland und als Bertelsmann-Vorstandsmitglied liefen eigentlich noch bis Ende 2019.

Für sie persönlich gehe mit dem Ausscheiden bei der RTL-Gruppe nun „eine lange Reise zu Ende“, schrieb Schäferkordt: „Rund die Hälfte meines Lebens, mehr als 27 Jahre, war unsere Sendergruppe meine berufliche Heimat. Unser Unternehmen war für mich mehr als ein Arbeitsplatz, es war immer auch eine Herzensangelegenheit. Es gab in all diesen Jahren kaum einen Tag, an dem ich nicht mit Freude, Stolz und voller Tatendrang zur Arbeit gekommen bin.“ Sie verlasse die Unternehmensgruppe „in der Gewissheit, dass sie sehr gut aufgestellt ist, um auch zukünftig erfolgreich zu sein“.

Firmengruppe auf Profitabilität getrimmt

Nachdem Anke Schäferkordt im September 2005 die Leitung der deutschen RTL-Gruppe übernahm (vgl. FK-Heft Nr. 28/05), trimmte sie das Unternehmen in der Folge konsequent auf Effizienz und steigerte dadurch die Profitabilität enorm. Hatte der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibungen (Ebita) im Jahr 2005 insgesamt 244 Mio Euro betragen, so verdreifachte sich dieser Betrag bis zum Jahr 2017, als sich der Ebita-Gewinn auf 725 Mio Euro belief. Der Umsatz der deutschen RTL-Gruppe, der Cash Cow der internationalen RTL Group, stieg im selben Zeitraum lediglich um 25 Prozent an, und zwar von 1,858 Mrd (2005) auf 2,319 Mrd Euro (2017).

Bert Habets, der Vorstandsvorsitzende der RTL Group, erklärte, dass Anke Schäferkordt „die Erfolgsgeschichte der RTL Group geprägt“ habe. Habets verwies darauf, wie Schäferkordt von 1995 bis 2005 den Sender Vox zu einer der „profitabelsten und stärksten Marken im gesamten Portfolio der RTL Group“ umgebaut habe. Hinzu komme, dass sie den operativen Gewinn der deutschen RTL-Gruppe seit 2005 verdreifacht habe. Schäferkordt sei als Co-Vorstandsvorsitzende der RTL Group – diese Position hatte sie von April 2012 bis April 2017 inne (vgl. diese MK-Meldung) – außerdem „eine treibende Kraft bei den strategischen Investitionen in neue Digitalgeschäfte“ gewesen, um den Konzern „zurück auf Wachstumskurs zu bringen“.

Lob von Laschet

Der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe hob hervor, Schäferkordt habe bei der RTL Group, der größten Tochtergesellschaft von Bertelsmann, in den vergangenen Jahren das Kerngeschäft maßgeblich gestärkt und die digitale Transformation des Fernsehgeschäfts vorangetrieben: „Mit ihrem unternehmerischen Weitblick hat sie exzellente Grundlagen für das weitere Wachstum unseres TV-Geschäfts in der Zukunft geschaffen.“ Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nannte Anke Schäferkordt „eine der großen Persönlichkeiten, die das Film- und Medienland Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahrzehnten ganz wesentlich geprägt und entwickelt“ habe: „Der Erfolg der RTL Group und des Produktionsstandorts Nordrhein-Westfalen bleiben mit ihrem Namen verbunden“, so Laschet.

Anke Schäferkordt, geboren am 12. Dezember 1962 in Lemgo, kam nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Paderborn im Jahr 1988 zum Bertelsmann-Konzern nach Gütersloh. Drei Jahre später wechselte sie nach Köln zum Sender RTL, der damals noch RTL plus hieß. Dort arbeitete sie zunächst als Referentin für Vertriebscontrolling und strategische Planung, bevor sie ein Jahr später Leiterin der Abteilung Controlling wurde. Von 1993 bis 1995 stieg Schäferkordt zur Bereichsleiterin Unternehmensplanung und Controlling auf. Anschließend wechselte sie als Kaufmännische Leiterin zum Sender Vox, dessen Geschäftsführung sie dann 1999 übernahm.

Im Februar 2005 wurde Schäferkordt stellvertretende Geschäftsführerin von RTL Television, bevor sie im September 2005 die Leitung des Hauptprogramms der Sendergruppe übernahm. Zugleich wurde sie Chefin der gesamten RTL-Senderfamilie in Deutschland, die seit November 2007 als Mediengruppe RTL Deutschland firmiert. Im April 2012 übernahm sie zusätzlich – zusammen mit Guillaume de Posch – die Leitung der internationalen RTL Group mit Sitz in Luxemburg. Ferner wurde sie damals als erste Frau in den Bertelsmann-Vorstand berufen. Aufgrund der Übernahme dieser beiden Positionen hatte sie die Geschäftsführung von RTL Television Anfang Februar 2013 an Frank Hoffmann abgegeben; Deutschlandchefin von RTL blieb sie weiterhin. Im April 2017 schied Schäferkordt aus der Leitung der RTL Group aus. Ihr folgte Bert Habets nach, der seit Januar 2018 alleiniger Chef ist, nachdem Guillaume de Posch Ende 2017 das Unternehmen verlassen hatte. Anke Schäferkordt gehört seit dem Jahr 2010 auch dem Aufsichtsrat von BASF an, dem weltgrößten Chemieunternehmen.

30.11.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 19/2019

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