Webradiomonitor 2016: Hörfunk via www

14.10.2016 •

Hörfunk- und Musikangebote werden auch in Deutschland zunehmend via Internet genutzt. Das belegt der Webradiomonitor 2016. Dabei handelt es sich um eine Studie der Goldmedia GmbH Strategy Consulting, finanziert von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). Zentrale Ergebnisse des aktuellen Webradiomonitors, der bereits seit 2009 regelmäßig erstellt wird, sind am 14. September im Rahmen der Digital-Marketing-Messe Dmexco in Köln vorgestellt worden. Weitere Daten sollen während der Medientage München 2016 (25. bis 27. Oktober) präsentiert werden. Für die Untersuchung wurden Anbieter und Nutzer von Online-Audioangeboten befragt.

Goldmedia recherchierte, dass in Deutschland zur Zeit 10.139 Audiostreaming-Angebote existieren, von denen allerdings 7686 als sogenannte kuratierte Playlists ausschließlich Musik bieten, die auf der Basis von Algorithmen an Vorlieben und Stimmungen der Nutzer angepasst wird. Hinzu kommen 2453 Webradio-Programme, die entweder als klassische Radioprogramme parallel online zu hören sind (415 Simulcast-Angebote), ergänzende Online-Inhalte von Hörfunkprogrammen bieten (257 Submarken der Simulcast-Angebote) oder eigenständige Webradio-Kanäle sind (1781 Online-Only-Angebote).

Nutzungsmuster

Die Zahl der Webradio-Programme ist 2016 erstmals seit dem Jahr 2010 wieder geringfügig gestiegen, nachdem sie zuvor fünf Jahre in Folge gesunken war. Als Gründe für den leichten Anstieg werden die Konsolidierung der Branche und eine Substitution von Webradios durch kuratierte Playlists angenommen. Mittlerweile zeichnen sich auch deutliche Nutzungsmuster ab: Nach Angaben der Goldmedia-Forscher werden die Simulcast-Radioprogramme via Internet vor allem morgens und mittags genutzt, während nachmittags und abends die Musikstreaming-Dienste die größte Rolle spielen. Die Nutzerbefragung ergab außerdem, dass Online-Audioinhalte von 84 Prozent der Nutzer zu Hause, von 49 Prozent bei der Hausarbeit und von 26 Prozent im Auto gehört werden.

Die Goldmedia-Sozialforscher befragten im Juli dieses Jahres 1181 Panel-Teilnehmer (ab 14 Jahren). Das Ergebnis der Befragung weist aus, dass in Deutschland die Radio- und Musiknutzung mittlerweile zu 48 Prozent über das Internet erfolgt. Bei den 18- bis 23-Jährigen liegt der Online-Anteil sogar bei 60 Prozent, was auch an der wachsenden mobilen Online-Nutzung per Smartphone liegt. Die größte Attraktivität bei der Online-Audionutzung haben noch immer die Simulcast-Angebote von klassischen Radioprogrammen, die von 76 Prozent der Nutzer zumindest gelegentlich via Internet gehört werden. 48 Prozent der Nutzer klicken zumindest gelegentlich Musik-Streamingdienste an. Für Simulcast-Submarken von Radioprogrammen wurde ein Wert von 31 Prozent ermittelt. Für Online-Only-Angebote beträgt der Anteil gelegentlichen Hörens bei den Online-Audionutzern 30 Prozent. Während etwa in den USA der Podcast-Markt wächst, spielt er in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle: Goldmedia ermittelte, dass lediglich 16 Prozent der deutschen Online-Audionutzer gelegentlich Podcasts nutzen.

Hören ohne Radiogerät

Die Befragung von 378 (nicht repräsentativ ausgewählten) Webradio- und Audioanbietern ergab, dass fast jeder dritte Abruf von Audioangeboten im Internet über mobile Endgeräte erfolgt (32 Prozent). Dieser Anteil, so schätzen die befragten Betreiber, werde künftig ebenso steigen wie die Werbeerlöse. Goldmedia geht davon aus, dass die deutsche Audiobranche im vergangenen Jahr netto etwa 17 Mio Euro mit Audio- und Display-Werbung umsetzte. Bis 2018 soll dieser Netto-Werbeumsatz auf knapp 40 Mio Euro wachsen, wobei der Anteil der mobilen Werbung von derzeit etwa einem Drittel auf mehr als die Hälfte zunehmen soll.

Wie stark sich die Audionutzung in Richtung Internet verlagert, machen auch aktuelle Daten aus den USA deutlich: Dort besitzt etwa ein Fünftel aller Hörer nach Angaben von Edison Research und Triton Digital (Langzeitstudie „The Infinite Dial“) überhaupt kein Radiogerät mehr. Bei den 18- bis 34-jährigen US-Amerikanern verzichtet sogar jeder dritte auf einen Radioempfänger und setzt allein auf Audionutzung per Internet (PC, Laptop, Smartphone).

14.10.2016 – mak/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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