Manfred Zach: Väterchen und der Wolf. Mundarthörspiel (SWR 4 Baden-Württemberg)

Zwischen Ironie und Wirklichkeit

22.06.2019 •

Es ist immer wieder ein Vergnügen, dem ehemaligen Pressereferenten im Staatsministerium des Landes Baden-Württemberg, dem bald spitzbübischen, bald folgsamen Ghostwriter von Ex-Ministerpräsident Lothar Späth, Manfred Zach, zuzuhören. Der Insider in Sachen Landespolitik und kenntnisreiche Beobachter von privaten oder öffentlichen Interna der Ministerpräsidenten weiß, wovon er spricht, wenn er über die „Großkopfeten“ aus der schwäbischen bzw. baden-württembergischen Landespolitik sich ein- und auslässt und zu fabulieren beginnt. Da sind zum Beispiel seine kleinen schrulligen und lokalkolorierten Romane wie „Monrepos oder Die Kälte der Macht“ (1996) oder „Die Bewerbung“ (1999) in bester Erinnerung.

Dem Land Baden-Württemberg hat Manfred Zach bis zu seinem Ruhestand 2013, so ist begründet zu vermuten, treu gedient, wenngleich seine Vorgesetzten seinen satirischen Zugriff nicht immer goutierten. Auch fürs Mundarthörspiel beim Südwestfunk (SWF) und später Südwestrundfunk (SWR) hat er stets einen unterhaltsamen, auch bissig-humorigen Zugriff, bewiesen: So wurde 1997 sein Bestseller und Schlüsselroman „Monrepos oder Die Kälte der Macht“ vom SWF als Radiostück inszeniert, gefolgt von den SWR-Originalhörspiel-Produktionen „Expertenkommission“ (2004), „Schattenkabinett (vgl. FK-Heft Nr. 16/12) und „G’sundheit“ (SWR; vgl. MK-Kritik).

Jetzt, in seinem jüngsten akustischen Blick in die Landespolitik unter dem Titel „Väterchen und der Wolf“, nimmt Zach tatsächlich die aktuelle Landesregierung von Baden-Württemberg aufs Korn und lässt die oft schwerblütige und um Verständlichkeit ringende Stimme des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann mit satirischer Schärfe durch den begnadeten Sprecher Dominik Kuhn imitieren. Das passt, wackelt und macht Spaß auf der rund einstündigen Mundartsendestrecke von SWR 4 Baden-Württemberg am Sonntagabend. Und selbst die emsige und umtriebige Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Frau Susanne Eisenmann (CDU), nahezu infantil zur Kenntlichkeit in einem schwäbischen Polit-Zeltlager gewandelt (gesprochen von Andrea Hörnke-Trieß), darf sich als erfahrener Gutmensch in der grün-schwarzen Koalition beweisen. Für Kenner der Landespolitik kommen auch CDU-Justizminister Guido Wolf (Bernd Gnann) und der grüne Umweltminister Franz Untersteller (Klaus Hemmerle) zu klugen Öko-Einsichten.

Und es hätte alles so schön werden können bei diesem Picknick der Hochdotierten, wenn nicht ein Wolfsgeheul die Waldklausur und das Briefing über eine neue Wahlkampstrategie von Grünen und Schwarzen so empfindlich gestört hätte. Denn wie sagt der Ministerpräsident im Angesicht seiner Hitzköpfe im schwäbischen Tann: „Das Kabinett isch sich einig, die Koalition nach der nächsten Landtagswahl fortsetzen zu wollen. Die Schwäche der klassischen Volksparteien darf nicht dazu führen, dass radikale Parteien und populistische Strömungen noch mehr an Boden gewinnen. Deshalb werden wir auf persönliche Angriffe gegeneinander verzichten und die Wahlprogramme beider Parteien nach Möglichkeit harmonisieren.“ Christel Freitag, mit feinem Gespür fürs Schelmische, hatte am Regiepult keine Mühen und ließ den Spaß zwischen Ironie und Wirklichkeit schönstens aufblitzen.

22.06.2019 – Christian Hörburger/MK