Manfred Zach: G’sundheit. Mundarthörspiel (SWR 4 Baden‑Württemberg)

Schlitzohr

06.03.2015 •

Wenn der ehemalige Pressereferent im Staatsministerium des  Landes Baden-Württemberg und Ghostwriter des Anfang 1991 über eine kleine „Traumschiff-Affäre“ gestürzten Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) zur Feder greift, dann ist im Allgemeinen höchste Aufmerksamkeit geboten, denn der spätere Ministerialdirigent im Stuttgarter Arbeits- und Sozialministerium, Manfred Zach, war auch als Beamter ein gefürchteter Beobachter seiner vorgesetzten Dienstherren. Lothar Späth, das schwäbische Cleverle, hat dem schreibenden Untergebenen Zach besonders dessen satirischen Schlüsselroman „Monrepos oder Die Kälte der Macht“ (1996) verübelt. In dem Bestseller wird unter dem literarischen Alias Ministerpräsident Specht Lothar Späth zur Kenntlichkeit entstellt, über den es heißt, er sei herrisch und wolle  immer der Schnellste, Klügste und Gerissenste sein: „Ein Veränderungssüchtiger, der das Überraschungsmoment braucht wie eine Droge. Der jeden Auftritt zum Bühnensolo stilisiert und den Applaus in sich hineintrinkt, in das unergründliche, offenbar nie zu füllende Gefäß seines Anerkennungsdrangs.“

Der damalige Südwestfunk (SWF) – einer der beiden Vorgängersender des 1998 gegründeten Südwestrundfunks (SWR) – adaptierte dann 1997 mit sicherem Gespür für die Politsatire den 500-seitigen Roman zu einer handlichen Mundartminiatur fürs Radio, gefolgt von weiteren Zach-Hörspielen wie „Die Expertenkommission“ (SWR 2004) oder „Schattenkabinett“ (SWR 2012), Hörspiele, die sich nur allzu gekonnt mit der Maskerade der schwäbischen Politprominenz (fiktiv und real, satirisch und parodistisch) auseinandersetzten. Manfred Zach, der bienenfleißige Beamte und Schriftsteller, trat, wie es sich gehört, erst 2013 in den über die Maßen verdienten Ruhestand.

Zachs jüngstes Hörspiel „G’sundheit“ ist nun keine Abrechnung mit der aktuellen Politprominenz Baden-Württembergs. Dafür spiegelt das kleine Mundarthörspiel sehr bissig und hübsch die haarsträubenden medizinischen Zustände in unseren Krankenhäusern – Versorgungsanstalten, in denen sich offensichtlich Inkompetenz, Schlamperei, Murks und Schlendrian unausrottbar eingenistet haben. Da möchte man in Schwaben in der Tat nicht mehr allzu rasch bettlägrig werden und setzt ganz auf das Sprichwort: „Lieber reich und gesund als arm und krank.“

Exemplifiziert wird das Krankenhausunwesen an einem schwäbischen Immobilienhai, der an schrecklich schmerzhaften Obstipationen leidet, die in dem schwäbischen Hospital schon aufgrund des erheblichen Personalmangels nicht entscheidend gelindert werden können, so dass der Exitus im OP-Ambiente zwangsläufig scheint. Verdient hat dieses Ende unser Spekulant ohnehin, nietete er doch vor Jahr und Tag ein junges Mädchen mit dem Pkw um, beging Fahrerflucht und wurde freigesprochen… Die Rollstuhlfahrerin kommt dem Täter jedoch auf die Spur und ernährt ihn im Krankenhaus zwangsweise und unerbittlich mit süßen Pralinen – eine Gabe, die den sicheren Tod des Schändlichen bedeuten wird.

Das SWR-4-Hörspiel aus der schwäbischen Raumschaft zeigte mit den Stimmen von Udo Rau, Renate Winkler, Lena Conrad und Philipp Sommer makabren Biss und jenen kompromisslosen Witz über Kranke und Krankenhäuser, Zustände und Missstände, wie er eben nur dem literarischen Schlitzohr Manfred Zach eigen ist; Regisseur Günter Maurer hatte da leichtes Spiel.

06.03.2015 – Christian Hörburger/MK