Olympische Winterspiele 2018: 220 Stunden live bei ARD und ZDF

18.12.2017 • Was war für ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein „die persönliche Nachricht des Jahres 2017“? Es war die von ARD und ZDF am 11. August verkündete Meldung, dass die beiden öffentlich-rechtlichen Häuser sich mit dem Rechteinhaber Discovery auf eine Sublizenzierung für die Beichterstattung von den vier Olympischen Spielen geeinigt hatten, die zwischen 2018 und 2024 stattfinden. Das jedenfalls sagte Müller-Hohenstein am 12. Dezember auf einer Pressekonferenz in Berlin, bei der ARD und ZDF ihr Programm für die bevorstehenden Olympischen Winterspiele (9. bis 25. Februar) und die Paralympischen Winterspiele (9. bis 18. März) im südkoreanischen Pyeongchang vorstellten.

Zwischenzeitlich habe man „die Sache verlorengegeben“, gestand ZDF-Chefredakteur Peter Frey bei der Präsentation ein. Im November 2016 galten die Verhandlungen mit dem US-Medienkonzern Discovery bereits als gescheitert (vgl. MK-Artikel). Gemessen an der notwendigen Vorbereitungszeit für die Spiele in Pyeongchang kam die Vereinbarung erst sehr spät zustande. „Sonst braucht man schon mal zwei Jahre Planungszeit“, sagte Frey. ZDF-Olympia-Teamchef Thomas Fuhrmann ergänzte: Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, sei eine „kleine, feine Crew“ von ARD und ZDF bereits im Juli dieses Jahres in Pyeongchang gewesen, um sich die Sportstätten anzuschauen – obwohl die Verträge mit Discovery zu dem Zeitpunkt noch nicht unterschrieben waren.

Um 3.00 Uhr nachts wach sein

Die insgesamt 102 Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang werden zwischen 1.00 Uhr nachts deutscher Zeit und 17.00 Uhr am Nachmittag übertragen. Die Eröffnungsfeier am 9. Februar beginnt um 12.00 Uhr deutscher Zeit. Wer einen der ersten Höhepunkte der Spiele – das Ski-Abfahrtsrennen der Männer – live miterleben will, muss beispielsweise in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar (Samstag/Sonntag) um 3.00 Uhr wach sein. Insgesamt berichten ARD und ZDF in ihren Haupt- und Spartenprogrammen 220 Stunden live; hinzu kommen noch die in den Livestreams im Netz angebotenen Übertragungen. Auf die Frage, welche Quoten man sich erhoffe, äußerte sich ARD-Programmdirektor Volker Herres zwar nicht konkret, aber euphorisch: „Wir wissen, dass Olympische Spiele ein Burner sind.“

Ein großer Teil der Arbeit der Berichterstatter findet dieses Mal im gemeinsamen „National Broadcast Center“ von ARD und ZDF in Leipzig statt, wo der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), der innerhalb der ARD federführend ist für die Wintersport-Berichterstattung und auch für die Olympischen Winterspiele, seinen Sitz hat. Die Produktionskosten für die Berichterstattung aus Pyeongchang lägen pro Sender „knapp unter“ einem zweistelligen Millionenbetrag und damit etwas unter denen für die Winterspiele 2014 in Sotschi, sagte Peter Frey.

Zu den Einschränkungen, die der Vertrag mit Discovery für ARD und ZDF bei der Live-Berichterstattung vom Eiskunstlauf, Shorttrack, Snowboard und Eishockey vorsieht (vgl. diese MK-Meldung), sagte ZDF-Sportchef Fuhrmann in Berlin: „Shorttrack hätten wir sowieso nicht live gezeigt, da läuft parallel Biathlon.“ Und nachdem Discovery „an den Verhandlungstisch zurückgekehrt sei, „waren ein paar Dinge notwendig, um den Vertrag zu schließen“. Die Einschränkungen, betonte Fuhrmann, beträfen nur die Spiele in Pyeongchang. Das gilt auch für die Zugeständnisse, die ARD und ZDF bei der Highlight-Berichterstattung machen mussten. In der Zeit zwischen 19.00 und 22.00 Uhr dürfen sie keine entsprechenden Sendungen anbieten (vgl. ebenfalls diese MK-Meldung). In dieser Zeit strahlen die Discovery-Sender Eurosport 1 und TLC das Format „zwanzig18 – Die Olympia Show“ aus – einen „Rückblick auf die großen Sportmomente des Tages“ inklusive „vieler bunter Elemente wie Musik, Comedy, Talk und Spielen“, wie Eurosport mitteilte.

„Wie sind denn die Südkoreaner?“

Sowohl ARD als auch ZDF wollen im Rahmen ihrer Olympia-Berichterstattung auch wieder „Land und Leute“ in den Blick nehmen. Einen Vorgeschmack lieferte in Berlin bereits Katrin Müller-Hohenstein: „Wie sind denn die Südkoreaner? Ist das ein Olympia-begeistertes Völkchen?“, wollte sie vom live aus Pyeongchang zugeschalteten ZDF-Korrespondenten Thomas Reichart wissen.

Von Reichart ist am 8. Februar eine (bislang noch nicht betitelte) Dokumentation zu sehen, in der er sich damit befasst, wie Südkoreaner mit den Kriegsdrohungen aus dem kommunistischen Nachbarland Nordkorea umgehen. Die derzeitige Situation in Südkorea erinnere ihn an „die Zeit des Kalten Krieges“, sagte Peter Frey in Berlin. Die ARD plant im Bereich Dokumentation unter anderem einen neuen Film in der Reihe „Geheimsache Doping“; Titel: „Das Olympia-Komplott – Der scheinheilige Kampf gegen den Sportbetrug.“

Die Live-Berichterstattung von den Paralympischen Winterspielen beziffert das ZDF auf insgesamt 30 Stunden, die ARD hat fünf Nächte mit Live-Übertagungen eingeplant. ZDF-Manager Thomas Fuhrmann betonte in Berlin, dass man von den Paralympics auch dann berichtet hätte, wenn für die Winterspiele der Nicht-Gehandicapten keine Einigung mit Discovery zustande gekommen wäre.

18.12.2017 – René Martens/MK