Die beste Show der Welt. Show mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf (Pro Sieben)

Unerhört anmaßend, aber in Ordnung

13.05.2016 •

Natürlich ist der Titel dieser neuen Samstagabendunterhaltungserfindung von Pro Sieben eine unerhörte Anmaßung. „Die beste Show der Welt“ – pfff. Kleiner geht’s nicht? Im Fall von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf: definitiv nicht! Den Hauptakteuren der „besten Show der Welt“ hat sich Gigantomanie in den Markenkern geradezu eingebrannt. Die Spielchen von Joko und Klaas in ihrem Late-Night-Format „Circus HalliGalli“ (vgl. FK-Kritik) sind längst nicht mehr nur auf das Studio der Berliner Union-Film beschränkt. Und Remmidemmi gibt’s auch im sogenannten „Duell um die Welt“ (vgl. FK-Kritik), wo der eine schon mal vollgepumpt mit Rum auf jamaikanischen Eseln reitet und der andere sich in Tokio mit Kochsalzlösung die Stirn zum Donut aufspritzen lässt.

Im Vergleich zu diesen krassen und krass aufwändigen Reiseabenteuern (die Pro Sieben momentan pausieren lässt) nimmt sich „Die beste Show der Welt“ dann doch ziemlich bescheiden aus. Zumindest lokal bescheiden. Aufgezeichnet wurde vorab in Köln. Bei dem Format handelt es sich tatsächlich um ein Potpourri aus acht verschiedenen Shows. Je vier präsentieren Joko und Klaas. Sie machen die Suche nach der „besten Show“ zum Thema der Sendung selbst und zelebrieren das wie gewohnt als Wettbewerb. Das Publikum im Studio entscheidet, es hat per Fernbedienung die Wahl: Dranbleiben oder wegschalten? Fast wie im richtigen Leben.

Und fast möchte man daheim dem Reflex nachgeben, das Programm zu wechseln. Denn Jeannine Michaelsen, die streng-spröde Dompteuse in diesem Showzirkus, nimmt sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit, die Spielregeln zu erklären: dass die Showidee mit der höchsten ‘Einschaltquote’ gewinnt – dafür gibt’s eine Plexiglastrophäe, die der Statuette des Deutschen Fernsehpreises ähnelt, aber natürlich (Gigantomanie!) viel größer ist –; dass der Quotenverlauf als Graph links unten am Bildschirm eingeblendet wird; dass die Studiodecke mit Hilfe von Licht und Laser je heller erstrahlt, desto besser eine Show gefällt; dass die entsprechende Show, sollte die Quote länger als 60 Sekunden im roten Bereich verharren, sofort abgesetzt wird (was später zweimal vorkommt).

All diesen sehr technischen Erklär-Mätzchen zum Trotz: Was folgte, war, wenn auch nicht gigantisch, aber doch ganz schön gut. Überraschungsfernsehen mit Spiel und Spaß und was (tierisch) Süßem on top, wie man es in dieser Mischung seit dem verflossenen ZDF-Samstagabendklassiker „Wetten, dass..?“ nicht mehr zu sehen bekam. Kein Wunder, dass sich selbst der Schauspieler Matthias Schweighöfer, hier von Joko als „Außenreporter“ für die Show „Dürften wir?“ engagiert, an selige ZDF-Zeiten erinnerte. „Dürften wir?“ stand übrigens nach fast vier Stunden Sendung als Gewinner fest, aber dazu gleich mehr.

Starter Joko legte die Messlatte hoch mit der „Yes or No Show“. Bis zum Stabmikrofon und der Schlaghose nahm der akkurat gescheitelte Schlacks die Hommage an amerikanische Gameshows der 1970er Jahre ernst. Ins knallorangefarbene Set holte er sich Thomas und Kerstin aus dem Publikum, die vermeintlich um 4000 Euro quizzen sollten. Tatsächlich war die Sache mit Thomas vorher abgestimmt: Er wollte seiner Kerstin in der Sendung einen Antrag machen. Und sie sagte „Ja“! Liebe, Freude, Funkenregen – nur nicht das Ende der „Yes or No Show“. Nach ultrakurzer Verlobungszeit bugsierte Joko das überraschte Paar vors eilig aufgebaute Standesamt. Eine ziemlich plötzliche Zeremonie, die die einstige RTL-Traumhochzeiterin Linda de Mol nicht besser hätte hinbekommen können. Wieder „Ja“. Und fast unschlagbare 84 Prozent Einschaltquote für Jokos Showidee.

So inspiriert und fintenreich hätte es gerne in den nächsten drei Stunden weitergehen können. Den Dreh, wie man einen Bogen noch einen Tick weiterspannt, wie man das sprichwörtliche Tüpfelchen aufs i setzt, ja, wie man den Zuschauer zu Hause diese verdammt lange Spanne bis Mitternacht bei Laune hält, das schienen die Macher des Dreieinhalbstunden-Events „Die beste Show der Welt“ (Florida TV mit Bildundtonfabrik) offensichtlich rauszuhaben. An neuen wie gut geklauten Ideen mangelte es ihnen überdies nicht. So ließ Joko in „Game of Drones“ Drohnen um die Wette fliegen und Klaas versuchte sich als Magierkopie von David Copperfield. Doch statt auf den absoluten Höhepunkt hinzuarbeiten, sich von Show zu Show zu steigern, kam an achter und letzter Stelle die „Kein-Herz-für-Tiere“-Show von Klaas: Drei prominente Kandidaten durften beim Anblick von possierlichen Katzen-Hunde-Hasen-Babys auf keinen Fall die Miene verziehen.

Spannend geht anders. Vorzeitiger Abbruch der Show. Dramaturgisch klüger wär es gewesen, Show Nr. 3 ans Ende zu setzen. Joko überraschte Kandidaten Alina und Kandidat Robert mit der Frage, ob der live zugeschaltete Matthias Schweighöfer gegen Bares in ihre WG in Berlin rein dürfte. Bei einer harmlosen Wohnungsbesichtigung blieb es nicht. Für 100 Euro ließen es die Bewohner zu, dass die Fernsehleute das Bad in einen Zoo mit Ziegen und anderen possierlichen Tierchen verwandelten, Stroh und Köttel inklusive. Für weitere 300 Euro durfte die TV-Equipe im Flur grillen. Bargeldschein für Bargeldschein eskalierte die Situation zum Spektakel, bei dem sich Schaden mit Schadenfreude mischte.

„Wenn die Leute das sehen wollen, dann habe ich einfach den Nerv der Zeit getroffen“, kommentierte Joko die Top-Quote von 85 Prozent für seine Showidee „Dürften wir?“. Eine unerhörte Anmaßung war das wieder, was sonst!? Aber das geht schon so in Ordnung bei diesen Superhelden von Pro Sieben. Nur nebenbei: Die ‘echten’ Quoten lag für „Die beste Show der Welt“ bei 1,96 Mio Zuschauern und einem Marktanteil von 7,6 Prozent beim Gesamtpublikum und bei 1,45 Mio und ziemlich guten 17,1 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Der Sender selbst konnte da noch einen drauflegen und vermeldete in seiner Pressemitteilung 24,8 Prozent Marktanteil „in der Pro-Sieben-Relevanzzielgruppe“ der 14- bis 39‑Jährigen, die den Sender „in dieser Zielgruppe zum Marktführer der Primetime“ gemacht hätten.

13.05.2016 – Senta Krasser/MK

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