USA: TV-Saisonende offenbart die Stärken und Schwächen

26.06.2015 •

Am 31. Mai ging in den USA die Fernsehsaison 2014/15 der Broadcast-Networks zu Ende. Ein Rückblick auf die Entwicklung der Einschaltquoten während der abgelaufenen Saison bringt keine Überraschungen, zeigt indes deutlich, dass sich Trends verfestigt haben und Schwächen fortbestehen.

So konnte sich das Network CBS wieder an die Spitze setzen, ist aber gleichzeitig am stärksten von der Gefahr einer Überalterung seines Publikums bedroht. Mit einer durchschnittlichen Sehbeteiligung von 11,3 Mio Zuschauern konnte CBS sogar noch einmal um sechs Prozent gegenüber der Vorsaison zulegen, doch der Anteil seiner 18- bis 49-jährigen Zuschauer ging um weitere drei Prozent auf nur noch 2,9 Mio zurück. Selbst die wenigen Serien, die das Network bewusst für junges Publikum konzipiert hatte, erreichten nur ein Durchschnittsalter von 53 Jahren. Solange CBS immer noch drei Plätze unter den fünf meistgesehenen Serien der Saison erobern kann (diesmal mit „NCIS: New Orleans“, „Madam Secretary“ und „Scorpion“), mag das nicht gefährlich aussehen. Aber die Konkurrenz der Kabelsender wird von Jahr zu Jahr stärker und das Videostreaming von Netflix und Amazon zieht immer mehr Publikum ab. Allein auf den zukünftigen Anstieg der älteren amerikanischen Bevölkerung zu setzen, wird sich wegen der dadurch rückläufigen Werbeeinnahmen für CBS nicht rechnen.

Der richtige Sendeplatz

Besser schien es mit der altersmäßigen Verteilung der Zuschauer bei NBC auszusehen. Doch der erste Eindruck trügt, denn es war nur die Super Bowl, das große Endspiel um die Football-Meisterschaft, die dem Network im Segment der jüngeren Zuschauer Auftrieb verlieh. Ansonsten wanderte auch bei NBC das jüngere Publikum scharenweise ab (minus 12 Prozent). Auf einen Durchschnitt von 8,6 Mio beim Gesamtpublikum kam das Network nur dank zwei besonders starker Formate: der Gesangs-Castingshow „The Voice“ und der Serie „The Blacklist“ (in Deutschland bei RTL zu sehen).

Platz 3 belegte in der abgelaufen TV-Saison ABC mit im Schnitt 8,0 Mio Zuschauern und einem verwunderlichen Plus von drei Prozent in der Altersgruppe der 18- bis 49-Jährigen. Dieser Zuwachs ist insofern bemerkenswert, als ABC unter den Broadcast-Networks am wenigsten Sport anbietet. Wie stark ansonsten der Erfolg oder Misserfolg von Serien vom richtigen Programmplatz abhängig ist, manifestierte sich an der Produktion „The Goldbergs“. Die Quote für diese ABC-Serie schoss um 34 Prozent hoch, nachdem der Sendeplatz verändert worden war.

Böse sah es in der TV-Saison 2014/15 für Rupert Murdochs Fox-Network aus. Die neue Serie „Empire“ (in Deutschland bei Pro Sieben zu sehen) war das einzige Plus für den ehrgeizigen Sender, dem auch seine konservativ rechtslastige Position keinen nachhaltigen Erfolg einbrachte. Die Gesamtzahl der Zuschauer ging bei Fox auf 5,8 Mio zurück. Das entspricht einem Minus von 21 Prozent. Und auch der Anteil der 18- bis 49-Jährigen brach um 21 Prozent auf einen Dusrchschnitt von nur noch 2,5 Mio ein.

CW hat Erfolg bei jungem Publikum

Bleibt das kleine, auf junges Publikum orientierte Network CW, dessen beharrliche Ausrichtung auf jugendliche Komödien sowie Science-Fiction-und Comic-Stoffe Früchte getragen hat. Mit insgesamt 2,1 Mio Zuschauern landete CW zwar weiterhin auf dem letzten Platz unter den Broadcast-Networks, konnte aber um 13 Prozent zulegen. Sein Anteil der 18- bis 49-Jährigen betrug 1,1 Mio und wuchs während der Saison um acht Prozent.

Bezeichnend für die Gesamtsituation ist auch ein Blick auf die erfolgreichsten Serien der TV-Saison 2014/15. Es war kein Angebot der Broadcast-­Networks, das sich hier an die Spitze setzen konnte, sondern die Serie „The Walking Dead“ vom Kabelsender AMC (im Schnitt 19,9 Mio Zuschauer). Erst dann folgten CBS und Fox mit „NCIS: New Orleans“ (17,8 Mio) bzw. „Empire“ (17,3 Mio). Weitere Erfolgsprogramme der Saison im US-Fernsehen waren „Madam Secretary“ (CBS, 14,2 Mio), „Scorpion“ (CBS, 13,6 Mio), „Monday Night Football“ (ESPN, 13,4 Mio), „How to Get Away With Murder“ (ABC, 11,4 Mio), „Game of Thrones“ (HBO, 8,4 Mio), „Sons of Anarchy“ (FX, 7,9 Mio) und „American Horror Story“ (FX, 7,6 Mio).

26.06.2015 – Ev/MK

Print-Ausgabe 10/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren