USA: NBC liegt in der TV‑Saison 2017/18 vorn

19.09.2018 • 16 Jahre lang war das Network CBS der Gewinner, wenn jährlich um diese Zeit vom Marktforschungsunternehmen Nielsen Media Research der Sieger im Wettbewerb um die höchsten Einschaltquoten auf dem US-Fernsehmarkt bekanntgegeben wurde. Nicht so in diesem Jahr. Das meistgesehene Broadcast-Network der TV-Saison 2017/18, die Mitte September zu Ende ging, ist NBC.

In der von der Werbeindustrie bevorzugten Altersgruppe der 18- bis 49-Jährigen setzte sich NBC mit beträchtlichem Abstand an die Spitze. ABC und CBS landeten gemeinsam auf dem zweiten Platz, Fox ist die Nummer 3 und das kleinere Network CW die Nummer 4. Bemerkenswert auch, dass zum ersten Mal in den letzten zehn Jahren ein Network in sämtlichen demografischen Gruppen den ersten Platz eroberte, denn auch das gelang NBC diesmal. Die Gesamtheit aller Zuschauer erbrachte die folgenden durchschnittlichen Zuschauerzahlen: 7,8 Mio für NBC, 7,7 Mio für CBS, 5,6 Mio für ABC, 4,2 Mio für Fox und 1,5 Mio für CW.

Zum Erfolg von NBC trug wesentlich bei, dass das Network davon profitierte, dass es sowohl die Super Bowl von 2018 (Endspiel im American Football) als auch die Wettbewerbe von den Olympischen Winterspielen übertragen konnte, die im Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang stattfanden. Dennoch war damit für NBC die Spitzenposition am Ende der Seriensaison, die stets im Mai jeden Jahres ausläuft, noch nicht erreicht. Bis dahin führte immer noch CBS. Erst in den Sommermonaten gab es dann Shows wie „America’s Got Talent“, „World of Dance“ und „Making It“, die NBC endgültig ganz nach oben hoben.

Quoten und Werbeeinnahmen sinken

Die Resultate der vergangenen Fernsehsaison geben zu denken. Im Zeitalter des Videostreamings wird es für die Networks von Jahr zu Jahr schwieriger, ein Massenpublikum vor dem Bildschirm zu versammeln. Das gelingt eigentlich nur noch mit Live-Übertragungen großer Sportereignisse und Sendeformen wie „America’s Got Talent“ (in Deutschland läuft dieses Casting-Format bei RTL unter dem Titel „Das Supertalent“). Landläufige Serien haben es immer schwerer; Erfolge wie der von „This Is Us“, wo es um die Geschichte einer ungewöhnlichen Familie geht (vgl. MK-Meldung), werden immer seltener. Der Grund dafür liegt in der rasch wachsenden Zahl von Film- und Serienangeboten bei Netflix, Amazon, Hulu und den vielen kleineren weiteren Streaming-Anbietern. Mit denen zu konkurrieren, ist für die Networks nicht einfach, denn sie verfügen weder über die Sendekapazitäten noch über das nötige Geld, um dasselbe Aufkommen an attraktiven Serien anzubieten wie die Streaming-Unternehmen.

Je größer die Bereitschaft des amerikanischen Publikums wird, sich nicht nur von den kostenpflichtigen Kabelprogrammen, sondern auch vom „altmodischen“ Broadcast-Fernsehen als den Go-To-Sendern ihres TV-Konsums zu trennen, umso komplizierter wird die Arbeit für alle, die bei ABC, CBS, NBC und Fox ihr Geld verdienen. Die Einschaltquoten werden weiter fallen und mit ihnen die Einnahmen aus der Werbung. Niemand weiß derzeit, wo das enden wird. Nur so viel ist sicher: In zehn Jahren wird die Fernsehlandschaft in den USA grundlegend anders aussehen als heute.

19.09.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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