Medienbischof Fürst: Mit Recherche gegen Fake News

09.09.2018 • Bischof Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, hat die Verantwortlichen in den Medien dazu aufgerufen, mit vereinten Kräften daran zu arbeiten, Fake News keinen Platz zu lassen. „Das gelingt uns mit einem qualitätsbetonten Journalismus, der sich – trotz Alltagshektik und Druck in den Redaktionen – die Zeit der klugen und aufmerksamen, tiefgreifenden und engagierten Recherche nimmt und zunächst der Wahrheit auf den Grund geht“, erklärte der Medienbischof am 4. September laut einer Pressemitteilung der Bischofskonferenz. Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, äußerte sich anlässlich des „Welttags der sozialen Kommunikationsmittel“, den die katholische Kirche in Deutschland am 9. September begeht.

Hierzulande findet der Welttag, der auch unter dem Titel „Mediensonntag“ bekannt ist, stets am zweiten Sonntag im September statt. In den meisten Ländern wurde der „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ in diesem Jahr von der katholischen Kirche am 13. Mai begangen. Am 24. Januar, dem Gedenktag des Heiligen Franz von Sales (1567 bis 1622), des kirchlichen Patrons der Journalisten, war die Botschaft von Papst Franziskus zum 52. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel veröffentlicht worden. In seiner Botschaft mit dem Leittitel: „‘Die Wahrheit wird euch befreien’ (Joh 8,32). Fake News und Journalismus für den Frieden“ zeigte sich der Pontifex besorgt über die Verbreitung von Falschmeldungen in sozialen und auch traditionellen Medien. Franziskus rief dazu auf, solchen Unwahrheiten entgegenzutreten (vgl. diese MK-Meldung).

In Qualitätsjournalismus investieren

Die Botschaft des Papsts griff nun Medienbischof Fürst in seinen Ausführungen zum „Mediensonntag“ auf. Fürst verwies darauf, dass nicht nur Journalisten, sondern alle dazu aufgerufen seien, „nicht vorschnell Meinungen zu produzieren und provozieren“. Mit Sorge nehme er zur Kenntnis, wie über die sozialen Medien – allen voran Facebook und Twitter – „einzelne Personen oder Gruppierungen immer wieder mit haltlosen Behauptungen und gezielten Falschinformationen Stimmung machen und Meinungen beeinflussen“. Die Ereignisse von Chemnitz hätten „dies leider wieder mit aller Deutlichkeit gezeigt“, so der Bischof.

Fürst rief Kirche und Gesellschaft dazu auf, „mit einer gewissen Form von Gelassenheit nicht der medialen Gier zu verfallen, sondern Sachinformationen und Fachrecherchen in Ruhe und Professionalität zu suchen“. Nur so lasse sich Wahrheit finden, fördern und vermitteln. Besorgt zeigte sich der Bischof außerdem darüber, „dass in vielen Medienhäusern aufgrund von Einsparungen die personellen Ressourcen für tiefgehende Recherchen, für das Aufspüren der Wahrheit immer mehr schwinden“. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Verlage, „nachhaltig in Qualitätsjournalismus zu investieren“. Ein solcher Journalismus werde heute mehr denn je gebraucht. Die im Grundgesetz verankerte Pressefreiheit sei „ein integraler Bestandteil unserer Demokratie und bedarf unseres besonderen Schutzes“, so der katholische Medienbischof. Alle seien gefragt, wenn Journalisten beim Aufspüren der Wahrheit verbal oder tätlich angegriffen würden, wie es in den vergangenen Monaten immer wieder geschehen sei, zuletzt in Chemnitz.

09.09.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 22/2018

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