Die Streaming-Pläne von Pro Sieben Sat 1 und Discovery

30.08.2018 • Das Bundeskartellamt hat die Pläne der Pro Sieben Sat 1 Media SE und des Discovery-Konzerns genehmigt, in ihre bereits gemeinsam betriebene werbefinanzierte Online-Plattform 7TV auch die kostenpflichtigen Streaming-Angebote Maxdome und Eurosport-Player zu integrieren. Das gab das in Bonn ansässige Kartellamt am 23. Juli bekannt. Die Erweiterung der Kooperation zwischen den beiden Konzernen um Maxdome (Pro Sieben Sat 1) und den Eurosport-Player (Discovery) lasse nicht erwarten, „dass das Gemeinschaftsunternehmen eine dominante Marktposition erhält“, stellte die Wettbewerbsbehörde fest. „Maxdome hat zwar ein großes und bekanntes Videoangebot und auch der Eurosport-Player hat mit den Bundesliga-Spielen Bekanntheit erlangt; der Markt für bezahltes Video-on-Demand ist jedoch nach wie vor ein stark expandierender Markt und weist etwa mit Amazon, Netflix, iTunes und auch Sky sowie mit öffentlich-rechtlichen Angeboten potente Wettbewerber auf“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Der defizitäre Videostreaming-Anbieter Maxdome wurde im Jahr 2006 von der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe gegründet. Über das kostenpflichtige On-Demand-Angebot Eurosport-Player, das 2008 vom TV-Unternehmen Eurosport gestartet wurde, sind seit August 2017 pro Saison auch 40 der 306 Spiele der ersten Fußball-Bundesliga live zu sehen. Eurosport ist Teil des Discovery-Konzerns, der bis Anfang März 2018 noch unter dem Namen Discovery Communications auftrat. Mitte Oktober vorigen Jahres starteten die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe und der Discovery-Konzern ihre 7TV-Plattform, die seither von der in München ansässigen 7TV Joint Venture GmbH betrieben wird. Rund zwei Monate zuvor, am 8. August 2017, hatte das Bundeskartellamt die Streaming-Kooperation der beiden TV-Unternehmen genehmigt.

Bis 2021 zehn Millionen Nutzer

Über die Plattform 7TV sind bislang Sendungen der Free-TV-Programme Pro Sieben, Pro Sieben Maxx, Sat 1, Sat 1 Gold, Kabel 1, Kabel 1 Doku und Sixx (jeweils Pro Sieben Sat 1) sowie DMAX, TLC und Eurosport (jeweils Discovery) kostenfrei zu sehen. Die abgerufenen Sendungen enthalten Werbeunterbrechungen, die nicht übersprungen werden können. Zugleich sind über die Plattform nach einer kostenfreien Registrierung und mit Hilfe der 7TV-App die Programme auch im Livestream auf mobilen Endgeräten und Smart-TVs zu sehen.

Im ersten Halbjahr 2019 wollen Pro Sieben Sat 1 und Discovery eine deutlich ausgebaute 7TV-Plattform an den Start bringen, in die dann nicht nur die kostenpflichtigen Streaming-Angebote Maxdome und Eurosport-Player integriert sind. Es sollen auch „eine Vielzahl anderer Inhalte“ angeboten werden; konkreter äußerten sich die Kooperationspartner dazu bisher aber nicht. Verantwortlich für den Aufbau der neuen Online-Plattform ist Alexandar Vassilev. Er ist seit Anfang Februar 2018 Chief Executive Officer (CEO) der 7TV Joint Venture GmbH. Der 33-Jährige leitet ein Team von rund 200 Experten, die für den Aufbau der neuen Plattform aus beiden Konzernen zusammengezogen wurden. Vassilev, geboren in Bulgarien, arbeitete in den vergangenen zehn Jahren in den USA für Google, zuletzt als Product Manager für Google Search.

Auf der Plattform 7TV wird es künftig neben einem werbefinanzierten Videoangebot außerdem verschiedene Abo-Pakete geben, darunter nach Unternehmensangaben auch „Premium-Pakete mit Zugang zu exklusiven Sportübertragungen und Filmen“. David Zaslav, President und CEO von Discovery, verwies darauf, dass man mit der neuen Plattform „einen erstklassigen Streaming-Dienst für leidenschaftliche Fans in einem unserer wichtigsten Märkte weltweit“ schaffen wolle. Max Conze, seit Anfang Juni 2018 neuer Vorstandsvorsitzender der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe, hat sich zum Ziel gesetzt, „die führende Streaming-Plattform für Deutschland“ aufzubauen und „in den ersten zwei Jahren zehn Millionen Nutzer zu gewinnen“.

Wettbewerbsrechtliche Fragen

Conze lud RTL, ARD und ZDF ein, sich am Aufbau der Plattform zu beteiligen, um „gemeinsam einen deutschen Champion zu schaffen“ – nicht zuletzt um den US-amerikanischen Konzernen Netflix, Amazon (Prime Video) und Google (YouTube) Paroli bieten zu können. Die deutsche RTL-Gruppe signalisierte zwar grundsätzliches Interesse, doch Kooperationen müssten mit dem eigenen Geschäftsmodell vereinbar und rechtlich möglich sein, hieß es seitens des Unternehmens, das Ende Juni einen massiven Ausbau seiner eigenen TV-Now-Videoplattform angekündigt hat. Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm (BR-Intendant) zeigte sich ebenfalls interessiert und erklärte, die ARD stehe einem solchem Streaming-Projekt für Deutschland offen gegenüber. Ähnlich äußerte sich ZDF-Intendant Thomas Bellut.

Bellut verwies aber auch auf wettbewerbsrechtliche Fragen, die sich stellten. In diesem Zusammenhang erwähnte der ZDF-Intendant die vor einigen Jahren getroffene Entscheidung des Bundeskartellamts, eine Internet-Plattform mit Inhalten von ARD und ZDF nicht zu genehmigen. Im Jahr 2013 war das Online-Videoportal „Germany’s Gold“, das mehrere Tochter- und Enkelgesellschaften von ARD und ZDF zusammen mit Fernsehproduktionsfirmen hatten starten wollen, infolge von wettbewerbsrechtlichen Einwänden des Kartellamts gescheitert (vgl. FK-Hefte Nr. 12/13 und 38/13). Im Jahr 2011 hatte das Kartellamt bereits ein unter dem Arbeitstitel „Amazonas“ geplantes gemeinsames Videoportal des Pro-Sieben-Sat-1-Konzerns und der RTL-Gruppe gestoppt. Dieses Verbot war 2012 auch gerichtlich bestätigt worden (vgl. hierzu FK-Hefte Nr. 33-34/12 und 37/12). Inzwischen hat sich die Marktlage beim Videostreaming signifikant verändert, nicht zuletzt durch die Aktivitäten von Netflix & Co. – worauf auch ZDF-Intendant Bellut verwies.

Das Bundeskartellamt hob bei seiner jüngsten Entscheidung, grünes Licht für die Erweiterung des Streaming-Portals von Pro Sieben Sat 1 und Discovery zu geben, allerdings hervor, dass sich diese Genehmigung nur auf die Integration von Maxdome und den Eurosport-Player in die 7TV-Plattform beziehe. „Soweit 7TV weitere Inhalte oder Kooperationspartner aufnehmen will, ist eine erneute Prüfung unter Berücksichtigung der aktuellen Marktlage und der konkreten Ausgestaltung der Kooperation erforderlich“, heißt es in der Pressemitteilung der Wettbewerbsbehörde.

30.08.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 23/2018

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