USA: Jeffrey Katzenbergs Projekt für Handy‑Fernsehserien

28.08.2018 • Jeffrey Katzenbergs neues Unternehmen mit dem wunderlichen Namen WndrCo, gegründet Ende vorigen Jahres (vgl. dazu diesen MK-Artikel), hat jetzt die Karten auf den Tisch gelegt. Eine Milliarde Dollar Startkapital sind für ein Projekt gesichert, das unter dem Namen NewTV realisiert werden soll. NewTV will Fernsehen in Kurzform liefern: abgeschlossene Serienepisoden von nicht mehr als zehn Minuten Dauer. Spätestens Ende 2019 soll das Angebot von WndrCo (dies steht als Abkürzung für Wonder Company) auf dem Markt sein.

NewTV ist Fernsehen speziell für Smartphone-Nutzer und soll sich fundamental von allen Versuchen unterscheiden, die zum Beispiel Netflix, HBO und Hulu bereits angestellt haben. Es wird nach Katzenbergs Plänen zu hundert Prozent auf den Erfahrungen der Handy-Nutzer und deren Gewohnheiten aufgebaut. Traditionelles Fernsehen soll hier also nicht einer Kurzform angepasst werden, sondern die Erfahrungswerte der Smartphone-Nutzung bestimmen die inhaltliche Entwicklung eines neuen TV-Formats.

Hohe Kosten schrecken keinen ab

Das klingt alles noch ein wenig abstrakt und futuristisch, aber Katzenberg, der frühere Chairman der Walt-Disney-Studios und einstige Geschäftsführer des Animationsstudios Dreamworks, hat es fertiggebracht, eine ganze Armada von Hollywood-, Wall-Street- und Silicon-Valley-Firmen für seine Pläne zu begeistern. Die Liste der Investoren liest sich wie ein Branchenverzeichnis der Banken- und Medienindustrie: Goldman Sachs, JP Morgan Chase, NBC Universal, Disney, Sony, Viacom, AT&T und so weiter. Sogar die chinesische Alibaba-Gruppe beteiligt sich. Katzenberg hat auch schon eine namhafte Geschäftsführerin für NewTV: Meg Whitman, die frühere Chefin von Hewlett Packard und Ebay.

Bei Jeffrey Katzenberg wird alles groß geschrieben, was er anfasst. Sein Name allein sichert einem Unternehmen Kompetenz und Zukunftsaussichten. So wenig sich auch Insider und Fachjournalisten das konkrete Aussehen von NewTV bisher im Detail vorstellen können, zweifelt doch niemand an dessen Verwirklichung und Erfolg. Die Investoren und Partner fressen Katzenberg aus der Hand, wenn er auf das rasche Wachstum von Spotify und Apple Music verweist, um die Möglichkeiten für NewTV zu illustrieren. Oder wenn er mit Zahlen um sich wirft und etwa darauf verweist, dass die Anzahl der Menschen, die Smartphones besitzen und nutzen, noch in diesem Jahr auf drei Milliarden anwachsen werde.

Katzenbergs Vision von der Schaffung ganz neuer Formen des „Storytelling“ hat in den USA unter den Mächtigen der Medienwelt Begeisterung erregt, auch wenn NewTV derzeit bloß zehn Angestellte hat. Sogar die Vorstellung, dass nach gegenwärtigen Kalkulationen jede Minute der neuen Kurzformvideos 100.000 Dollar kosten wird, etwa 30-mal so viel wie derzeit kurze Smartphone-Videos kosten, scheint sie alle nicht zu schrecken.

28.08.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 22/2018

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren