USA: Gesteigerter Ehrgeiz beim Kabel-Network TNT

19.06.2017 •

Das heute zum Konzern Time Warner gehörende Kabel-Network TNT (kurz für: Turner Network Television) ist fast 30 Jahre nach seiner Gründung durch den legendären, inzwischen 78-jährigen Medienmogul Ted Turner aus dem amerikanischen Fernsehangebot nicht mehr wegzudenken. Es hat sich mächtig weiterentwickelt, seit es am 3. Oktober 1988 mit der Ausstrahlung des berühmten Kinofilms „Vom Winde verweht“ als eines von Turners Syndication-Networks das Licht der Bildschirme erblickte. „Vom Winde verweht“ ist Ted Turners Lieblingsfilm.

Inzwischen können 81 Prozent aller amerikanischen Fernsehhaushalte TNT empfangen. Aber es sind hauptsächlich ältere Zuschauer, die das Programm von TNT regelmäßig einschalten. Vielleicht auch deshalb hat man sich in der Chefetage des Networks nun an die Arbeit gemacht, die Palette der Sendeangebote mit einer ganzen Reihe von Neuproduktionen zu erweitern. Selten zuvor konnte man jedenfalls so viele Aufmerksamkeit erregende Filme und Serien im bevorstehenden Angebot von TNT finden wie in den Ankündigungen für die TV-Saison 2017/18.

Ridley Scott und Michael Moore

Als Aushängeschild dient vor allem ein Programmblock der Produktionsgesellschaft des viel beachteten Regisseurs und Produzenten Ridley Scott, der gerade wieder mit „Alien: Covenant“ (seit Mai) und „Blade Runner 2049“ (ab Oktober) im Kino sehr präsent ist. Wie bei diesen Filmen soll es sich auch bei den für TNT vorgesehenen Produktionen ganz um Science-Fiction drehen. Den ersten Ankündigungen des Networks ist zu entnehmen, dass es sich bei dem Projekt um eine Mischung aus langen und kurzen Sendeformen handelt, die vom „Staunen erregenden imaginativen Storytelling getragen sein sollen, das Science-Fiction zu einem so beliebten und dauerhaften Genre gemacht hat“.

Der Ehrgeiz von TNT, nicht nur im fiktionalen Bereich aktiv zu sein, sondern auch vermehrt Sendungen anzubieten, die dokumentierend auf aktuelle Ereignisse und Entwicklungen Bezug nehmen, spiegelt sich auch in der Verpflichtung des nicht unumstrittenen, aber immer aufregenden politischen Filmemachers Michael Moore wider, dessen Filme „Bowling for Columbine“ (2002), „Fahrenheit 9/11 (2004)“ und „Where to Invade Next“ (2015) ihn in den USA zu einer Art Posterboy der linken Protestbewegung gemacht haben. „Michael Moore Live From the Apocalypse“ soll eine Dokumentarserie heißen, die Moore für TNT machen wird und deren erste Folge im Herbst 2017 zur Ausstrahlung eingeplant ist. „Unser Projekt wird gefährlich und aufrüttelnd sein“, zitiert „Variety“ den Filmemacher: „Es wird zum Objekt des Interesses für all jene werden, die wissen wollen, was wirklich vor sich geht und was sie dagegen tun können.“

Kinofilm „Snowpiercer“ als Serie

Auch die inzwischen bei TNT zur Tradition gewordene Herstellung von eigenen dramatischen Serien wird fortgesetzt. Nach ersten Erfolgen mit den Serien „The Last Ship“, „The Librarians“ und „Animal Kingdom“ steht in der nächsten TV-Saison die Premiere einer Serienversion des vieldiskutierten futuristischen Actionthrillers „Snowpiercer“ (2013) des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho bevor. Auch hier wieder Science-Fiction, aber mit unverkennbarem sozialkritischem Unterton: „Snowpiercer“ handelt von der Zeit nach einer Katastrophe, die unseren Planeten in eine unbewohnbare Wüste verwandelt hat und deren Überlebende in einem Eisenbahnzug unaufhörlich die Erde umkreisen, nur um festzustellen, dass auch unter Extremverhältnissen die Bildung einer Klassengesellschaft mit einer Ober- und einer Unterschicht unvermeidbar zu sein scheint.

„‘Snowpiercer’ ist ein wagemutiges, ambitioniertes Action-Spektakel für Kinogänger, die sich nicht von effektbetonten Blockbustern beeindrucken lassen“, heißt es in dem Internet-Lexikon Wikipedia über den Kinofilm. Und die amerikanische Kritik schloss sich dieser Einschätzung an: 95 Prozent aller Kritiker beurteilten den Film positiv. TNT hat sich für die Serienversion von „Snowpiercer“ eigenen Angaben zufolge einiges vorgenommen. Das hochgesteckte Ziel ist, ähnlich gute Resonanz zu erreichen wie der Kinofilm.

19.06.2017 – Ev/MK