Österreich: Pro Sieben Sat 1 Puls 4 übernimmt ATV

08.04.2017 •

Das in Wien ansässige Medienunternehmen Pro Sieben Sat 1 Puls 4 übernimmt den österreichischen Fernsehanbieter ATV von der Tele-München-Gruppe. Die entsprechenden Kaufverträge sind laut Angaben der Beteiligten am 6. Februar 2017 unterzeichnet worden. Pro Sieben Sat 1 Puls 4, geleitet von Geschäftsführer Markus Breitenecker, ist eine Tochtergesellschaft des deutschen Medienkonzerns Pro Sieben Sat 1 Media SE (Unterföhring bei München) und betreibt seit 2007 in Österreich den privaten Fernsehsender Puls 4.

Markus Breitenecker will ATV nun zügig „in die Pro-Sieben-Sat-1-Puls-4-Gruppe integrieren“ und die Position von ATV auf dem österreichischen Fernsehmarkt damit „nachhaltig stärken“. Mit der Übernahme von ATV baut die Pro Sieben Sat 1 Puls 4 GmbH ihre Position als wichtigste Mediengruppe auf dem österreichischen TV-Markt nach dem öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunk (ORF) weiter aus. ATV und Puls 4 sollen, wie Breitenecker sagte, „wechselseitig insbesondere vom Know-how und den Prozessen innerhalb der Senderfamilie profitieren“.

Behörden genehmigen Verkauf

Die Akquisition sei am 6. April 2017 abgeschlossen worden, teilte der Pro-Sieben-Sat-1-Konzern mit. Zuvor hätten die Bundeswettbewerbsehörde, das Bundeskartell und die Medienbehörde in Österreich der Übernahme von ATV durch die Pro Sieben Sat 1 Puls 4 GmbH zugestimmt. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde genehmigte den Verkauf von ATV unter Auflagen; dazu gehören eine getrennte Werbevermarktung und eine eigenständige ATV-Redaktion. Bereits Ende Januar 2017 hatte der österreichische Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) erklärt, er begrüße den Verkauf von ATV an Pro Sieben Sat 1 Puls 4, wenn es dabei entsprechende Auflagen gebe.

Die ATV Privat TV GmbH und Medien & Co. KG betreibt die beiden Fernsehsender ATV und ATV 2 sowie seit Oktober 2016 das Video-on-Demand-Angebot ATV smart. Der Sender ATV (Austria Television) war 2003 gestartet und damals der erste landesweite private Fernsehsender Österreichs. ATV entstand auf Grundlage des lokalen Kabelfernsehprogramms Wien 1. Das Unternehmen ATV befand sich seit 2008 im Besitz von Herbert Kloiber. Der heute 69-jährige österreichische Filmrechtehändler ist zugleich geschäftsführender Gesellschafter der Tele-München-Gruppe. Geschäftsführer der ATV-Gruppe ist seit 2013 Martin Gastinger.

Wirtschaftliche Sanierung

Herbert Kloiber würdigte nach der Unterzeichnung der Verträge „die optimale Lösung“, die durch den Verkauf von ATV gefunden worden sei. Offiziell wurde kein Kaufpreis genannt. In österreichischen Medienberichten hieß es, der Preis belaufe sich auf 20 Mio bis 24 Mio Euro. Im Jahr 2015 erwirtschaftete die ATV-Gruppe einen Umsatz von 32,85 Mio Euro bei einem Verlust von 11,98 Mio Euro. Seit 2008 soll die ATV-Gruppe insgesamt einen Verlust von 109,28 Mio Euro angehäuft haben. ATV hatte 2016 in Österreich einen Zuschauermarktanteil in Höhe von 2,5 Prozent. Dies bedeutete unter den privaten österreichischen Fernsehsendern den zweithöchsten Anteil. An der Spitze lag Puls 4 mit 3,1 Prozent. ATV 2 kam 2016 auf 0,6 Prozent Marktanteil.

Der Pro-Sieben-Sat-1-Konzern teilte am 6. April weiter mit, ATV solle „als Vollprogrammsender mit klarer Positionierung erhalten bleiben“. Bernhard Albrecht, Finanzchef  der Pro Sieben Sat 1 Puls 4 GmbH, wird in der Mitteilung des Konzerns mit fogender Äußerung zitiert: „Vor dem Hintergrund der dringend nötigen wirtschaftlichen Sanierung von ATV werden wir die Organisation der Sendergruppe zusammenlegen. Dadurch entfallen voraussichtlich bis Jahresanfang 2018 bei ATV rund 70 Stellen. Wir versuchen selbstverständlich, für alle betroffenen Mitarbeiter eine rasche und durch einen Sozialplan abgesicherte Lösung zu finden und haben bereits innerhalb der Pro-Sieben-Sat-1-Puls-4-Gruppe rund 20 offene Stellen identifiziert, die wir nun bevorzugt ATV-Mitarbeitern anbieten. Gleichzeitig werden wir ab sofort mit allen Partnern und Lieferanten von ATV sprechen, um die Verträge zusammenzuführen und die Sanierung gemeinsam erfolgreich zu gestalten.“

08.04.2017 – me/MK