Japan: Ryoichi Ueda neuer NHK-Intendant

24.02.2017 •

Die japanische öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft Nippon Hoso Kyokai (NHK) hat einen neuen Intendanten. Am 26. Januar 2017 hat Ryoichi Ueda das Amt übernommen. Er wolle den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Japan wieder stärken und ihn fair und effizient leiten, sagte er an diesem Tag in Tokio bei seiner Amtseinführung. Er wolle sich zudem für die Produktion neuer Fernseh- und Radiosendungen einsetzen, denen die Zuschauer und Zuhörer vertrauen könnten. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Tätigkeit sieht Ueda „in der großen Mission“, Japans Präsenz in der Welt mit höchsten Rundfunkstandards zu zeigen. Deshalb werde 2020, das Jahr der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in Tokio, ein sehr wichtiges Jahr für seine Amtszeit sein.

Zuständig für die Wahl des Intendanten ist der NHK-Aufsichtsrat (Board of Governors), der sich überraschend schnell auf den neuen Amtsinhaber einigen konnte. Am 6. Dezember 2016 hatte das Gremium den 67-jährigen Ryoichi Ueda einstimmig für eine dreijährige Amtszeit zum neuen NHK-Chef gewählt. Ueda hat nun den vorherigen und umstrittenen NHK-Intendanten Katsuto Momii abgelöst. Dessen Amtszeit wurde vom Aufsichtsrat nicht verlängert, obwohl sich Momii darum bemüht hatte.

Umstrittener Vorgänger

Der Finanzexperte Ryoichi Ueda gehörte seit Juni 2013 selbst dem NHK-Aufsichtsrat als Mitglied (Governor) an und er war Mitglied von dessen Wirtschaftsprüfungsausschuss. Ueda hat an der Hitotsubashi-Universität in Tokio Wirtschaftsrecht studiert und erwarb zusätzlich einen MBA-Abschluss an der Business School in Fontainebleau bei Paris. 1973 trat er in den führenden japanischen Konzern Mitsubishi Corp. ein. Von 2006 bis 2009 hatte er die Leitung des wichtigen Nordamerika-Geschäfts von Mitsubishi inne. Von 2009 bis 2013 war er dann Finanzchef des Gesamtunternehmens Mitsubishi Corp. in Tokio. Im Gegensatz zu seinem NHK-Vorgänger gilt Ueda Presseberichten zufolge als „akribischer Geschäftsmann“ und „ruhige Persönlichkeit“.

Die Amtszeit von Katsuto Momii als NHK-Intendant von 2014 bis 2017 war von Anfang an von Skandalen begleitet. So löste er bereits bei seinem Amtsantritt eine Kontroverse aus, als er den Einsatz von sogenannten „Trostfrauen“ aus Korea und China für die japanische Armee im Zweiten Weltkrieg verteidigte, als diese Frauen für die Soldaten in Kriegsbordellen als Prostituierte arbeiten mussten. Außerdem unterstützte er einen regierungsnahen Kurs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und vor allem von dessen Nachrichtensendungen, obwohl NHK offiziell gehalten ist, neutral zu berichten. Widerspruch lösten außerdem im Herbst 2016 die Bemühungen Momiis darum aus, dass die Rundfunkgebühren ab Herbst 2017 gesenkt werden sollten. Der Aufsichtsrat von NHK wies die Pläne Momiis einstimmig zurück. Das Gremium rechnet damit, dass auf NHK in den kommenden Jahren hohen Kosten zukommen, die insbesondere durch die Einführung der neuen 4K- und 8K-Hochauflösungstechnologien für das Fernsehen verursacht werden. Die technische Aufrüstung wurde für die Übertragung der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio beschlossen.

Gebühreneinnahmen auf Rekordhöhe

Selbst von Susumu Ishihara, dem Vorsitzenden des NHK-Aufsichtsrats, kam offene Kritik an Katsuto Momii. Dreimal habe der Aufsichtsrat Momii wegen dessen Äußerungen verwarnt, ließ Ishihara die Öffentlichkeit wissen. Der Aufsichtsratsvorsitzende lobte Momii aber auch wegen einiger Erfolge. So seien während dessen Amtszeit Gebühreneinnahmen in Rekordhöhe erzielt worden. Auch habe Momii die internationale Online-Präsenz von NHK ausgebaut. Ishihara betonte, dass sich NHK derzeit in einer Reform-Ära befinde. Der Ausbau und die Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks müssten weiter vorangehen. Das Rundfunkgebührensystem müsse überprüft und das internationale Angebot von NHK müsse erweitert werden.

Der 1926 gegründete japanische Rundfunk Nippon Hoso Kyokai verbreitet zwei terrestrische Programme (General TV, Educational TV), zwei Satelliten-Fernsehkanäle (BS 1, BS Premium) und drei Radiosender (Radio 1, Radio 2, FM). Hinzu kommen noch die beiden Auslandsfernsehprogramme NHK World Premium (in japanischer Sprache) und NHK World TV (in Englisch). Im Hörfunkbereich wird als internationales Programm das NHK World Radio Japan in 18 Sprachen ausgestrahlt, darunter Englisch, Französisch und Russisch. NHK hat über 10.000 Mitarbeiter. Im Finanzjahr 2016/17 stehen als Budget für die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft rund 700 Mrd Yen (5,7 Mrd Euro) zur Verfügung. NHK finanziert sich zu 96 Prozent durch die Einnahmen aus den Rundfunkgebühren.

24.02.2017 – me/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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