USA: Das Geschäft mit „True‑Crime“-Serien blüht

21.04.2016 •

Zwei Trends kennzeichnen in jüngster Zeit vornehmlich das Gesicht amerikanischer Fernseh­serien: „True Crime“ und Anthologie-Produktionen (vgl. MK-Meldung). Beide Trends versucht das Network NBC nun in einem Projekt des erfolgreichen Serien-Produzenten Dick Wolf zu vereinen. Wolf, der erst kürzlich einen neuen Fünfjahresvertrag mit NBC Universal abgeschlossen hat, verfügt bei dem Network bereits seit 17 Jahren über einen Sendeplatz für seine Serie „Law & Order: SVU“ (das Kürzel steht für „Special Victims Unit“); diese Serie soll auch in der nächsten TV-Saison fortgesetzt werden. Insgesamt hat Wolf derzeit fünf Serien im NBC-Programm laufen.

Das neue Projekt, das nun hinzukommen soll, wird den Titel „Law & Order: True Crime“ tragen. Die ersten acht Episoden dieser Anthologie-Serie erhalten den Untertitel „The Menendez Brothers Murders“. Was der Fall O.J. Simpson gerade erst wieder für das Kabelnetwork FX darstellte, soll nun der Mordfall der Brüder Menendez für NBC werden. Lyle und Erik Menendez, damals 21 und 18 Jahre alt, hatten 1989 ihre wohlhabenden Eltern in Beverly Hills ermordet und waren nach zwei spektakulären Gerichtsverfahren zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Die Prozesse wurden damals vom Kabelsender Court TV, dem heutigen TruTV, live übertragen und hatten in der amerikanischen Öffentlichkeit Sensationscharakter angenommen. „Wir wollen die kulturelle und gesellschaftliche Umgebung der Morde und Gerichtsverfahren neu aufrollen“, erklärte Jennifer Salke, Präsidentin von NBC Entertainment, „um zu zeigen, wie und warum die Brüder diese abscheulichen Verbrechen begangen haben.“

Mit der neuen Dick-Wolf-Serie dürfte sich das derzeitige Interesse des amerikanischen Fernsehpublikums an real geschehenen Kriminalgeschichten weiter festigen. In den vergangenen beiden Jahren verzeichnete bereits das Network ABC beachtliche Einschaltquoten für seine Anthologie-Serie „American Crime“, deren Tendenz und Machart sich allerdings positiv vom Durchschnitt der US-Serien-Produktion unterschied und den sonst zu beobachtenden sensationellen Anstrich weitgehend vermied. Andere „True-Crime“-Serien waren kürzlich „The Jinx“ beim Pay-TV-Sender HBO und „Making a Murderer“ beim Streaming-Anbieter Netflix, letztere wurde im Dokumentarstil gefilmt. Mehr als 400 Episoden der dokumentarischen „True-Crime“-Serie „Forensic Files“ wurden seit 1996 bei den Sendern TLC und HLN gezeigt und erfreuen sich auch in Wiederholungen immer noch ungeschmälerter Beliebtheit.

21.04.2016 – Ev/MK