Frankreich: Streaming-Portal Salto kann 2020 starten

24.09.2019 •

Das französische Streaming-Portal Salto kann im ersten Quartal 2020 starten. Die Genehmigung dazu erteilte die französische Wettbewerbsbehörde Autorité de la Concurrence am 12. August in Paris unter Auflagen. Salto ist ein gemeinsames Projekt der drei größten französischen Fernsehveranstalter. Dazu gehören die beiden kommerziellen Unternehmen TF1 und M6 und das öffentlich-rechtliche Fernsehen France Télévisions. Bereits am 17. Juli hatte die französische Rundfunkaufsichtsbehörde Conseil Supérieur de l’Audiovisuel (CSA) dem Start von Salto zugestimmt.

Salto (italienisch für „Sprung“) sei ein „großer Meilenstein für den audiovisuellen Sektor in Frankreich“, so der Branchentenor in Paris. Das gemeinsame Streaming-Portal der drei TV-Veranstalter soll eine Vielzahl der populärsten französischen Fernsehprogramme für seine Abonnenten bereitstellen. Dazu zählen Nachrichten, Magazine, Unterhaltung, Sondersendungen, Sport, französische und US-amerikanische Serien, Dokumentationen und Spielfilme. Zu den Auflagen für das Projekt gehören Beschränkungen beim Erwerb „gekoppelter Rechte“ für lineares und nicht-lineares Fernsehen, Beschränkungen bei der Cross-Promotion zwischen Programmen und der Plattform und eine Begrenzung der Koordination zwischen den drei Salto-Betreibern.

„Équipe de France“ des Audiovisuellen

France Télévisions, TF1 und M6 wollen mit der neuen, unternehmensübergreifenden heimischen Streaming-Plattform den großen internationalen Anbietern wie Netflix und Amazon Prime Video, aber auch den französischen Wettbewerbern Orange Cinéma Séries (OCS) und Canal plus Séries Konkurrenz machen. OCS ist das Streaming-Angebot des größten französischen Telekommunikationsanbieters Orange; Canal plus Séries gehört dem Konkurrenten Vivendi, der den Pay-TV-Anbieter Canal plus betreibt, der rund 8 Mio Abonnenten im Land hat. Die Abonnentenzahl des Weltmarktführers Netflix soll in Frankreich Anfang 2019 bereits bei 5 Mio gelegen haben.

Delphine Ernotte Cunci, die Intendantin von France Télévisions, zeigte sich Presseberichten zufolge nach der wettbewerbsrechtlichen Genehmigung des Projekts Salto zufrieden. „Jetzt werden wir imstande sein, die Équipe de France auf dem Feld des Audiovisuellen zusammenzustellen. Das habe ich mir so erhofft“, sagte sie. Und weiter: „Der Start der Plattform wird uns sehr bald das geben, was wir brauchen, um auf unserem eigenen Territorium den internationalen Playern etwas entgegenzusetzen.“

Ebenfalls zufrieden zeigte sich Gilles Pélisson, der Vorstandsvorsitzende der zum französischen Bouygues-Konzern gehörenden TF1-Gruppe. Die Wettbewerbsbehörde habe „ein sehr positives Zeichen“ gesetzt. Es zeige das Bewusstsein der französischen Behörden, „die Industrie-Player bei der Verwirklichung der notwendigen innovativen Veränderungen zu unterstützen und zu begleiten“. Und Nicolas de Tavernost, der Vorsitzende der zum Gütersloher Bertelsmann-Konzern (RTL) gehörenden M6-Gruppe, erklärte anlässlich der Genehmigung: „Diese Entscheidung gibt uns die Möglichkeit zusammenzuarbeiten, um ein Angebot und eine Plattform zu entwickeln, die im Einklang mit der sich verändernden Mediennutzung stehen.“ Für den Start von Salto wollen die drei beteiligten Unternehmen insgesamt 15 Mio Euro einsetzen (5 Mio pro Unternehmen).

Unterstützung für die Industrie-Player

France Télévisions, TF1 und M6 erreichten zusammen mit ihren Programmen 2018 in Frankreich bei den Fernsehzuschauern einen Marktanteil von insgesamt 69,3 Prozent. Davon entfielen auf France Télévisions 28,4 Prozent, auf TF1 27,6 und auf M6 13,3 Prozent. Im Jahr 2007 hatte der gemeinsame Marktanteil der drei Unternehmen noch 80,8 Prozent betragen. Zu France Télévisions gehören die Fernsehprogramme France 2, France 3, France 4, France 5 und France Info. TF1 veranstaltet das gleichnamige Programm TF1, das in Frankreich Marktführer ist, und die Programme TMC (früher: Télé Monte Carlo), TFX (früher NT1), TF1 Séries Films (früher HD1) und LCI. Zur M6-Gruppe gehören die Fernsehprogramme M6, W9, 6ter und Gulli. M6 erwarb den Kindersender Gulli Mitte 2019 von dem im Medien- und Verlagsbereich tätigen Unternehmensgruppe Lagardère.

Der zukünftige Abonnentenpreis für Salto wurde noch nicht festgelegt; in der Branche wird bisher lediglich geschätzt, dass er zwischen zwei und acht Euro pro Monat liegen wird. Bei den Marktkonkurrenten liegen die Preise für ein Abo in Frankreich bei monatlich mindestens 5,99 Euro für Amazon Prime Video, bei 6,99 Euro für Canal plus Séries, bei 7,99 Euro für Netflix und bei 9,99 Euro für Orange Cinéma Séries.

24.09.2019 – me/MK