Die Krimi-Inflation bei ARD und ZDF: Mittel zum Zweck höherer Quoten

23.02.2019 •

«Das öffentlich-rechtliche Angebot in seiner heutigen Form verzerrt vielfach den Wettbewerb und beeinträchtigt damit auch die Medienvielfalt. Im Sinne der Chancengleichheit in unserem dualen Rundfunksystem müssen die Öffentlich-Rechtlichen ihren Erfolg weniger an Einschaltquoten und mehr an der Relevanz ihrer Inhalte messen. Das heißt nicht, Unterhaltung oder Sport ganz aus den öffentlich-rechtlichen Programmen zu streichen. Sie dürfen aber nicht bloß Mittel zum Zweck höherer Quoten sein. Nur ein Beispiel dafür ist die Inflation von Krimis im Vorabend von ARD und ZDF, die keinen Mehrwert zu den Angeboten privater Sender bringen.

Zielführend scheinen Größenordnungen für die Bereiche Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung zu sein. Hier könnte man sich an den Reformen des Schweizer Rundfunks orientieren, die die SRG als Konsequenz nach „No Billag“ angestoßen hat. So will die SRG nicht nur 100 Millionen Franken einsparen. Das Programm soll auch künftig stärker den Grundversorgungsauftrag widerspiegeln. 50 Prozent der Gebühren sollen in Information fließen. Online soll es keine Textbeiträge ohne Programmbezug mehr geben.

Bei der Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind für mich die wichtigsten Punkte: Im Fernsehen muss auf die Auftragserfüllung in den Hauptprogrammen und auch zu den Hauptsendezeiten geachtet werden. Ein Nachmachen, gar Abkupfern privater Erfolgsformate und eine immer weitere Fragmentierung (das aktuelle Portfolio der Öffentlich-Rechtlichen umfasst mehr als 200 TV-, Radio und Digitalangebote) widerspricht diesem Anliegen. Die Dritten Programme sollten sich auf ihren länderspezifischen Auftrag konzentrieren. Auch sollte ein Gesamtetat für Sport festgelegt und eingehalten werden. Davon sollten nicht ausschließlich Mainstream-Angebote wie Fußball oder Wintersport finanziert, sondern auch über Randsportarten und vor allem den Breitensport berichtet werden.»

Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) in München, in einem Beitrag für den „Tagesspiegel“ (22.2.2019) im Rahmen einer Reihe des Blatts mit Texten zur „Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

23.02.2019 – MK