Umstieg auf DAB plus: Erstes Treffen des Digitalradio-Boards

31.07.2015 •

Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) initiierte „Digitalradio-Board“ hat im vorigen Monat erstmals getagt. Aufgabe des Gremiums, in dem alle Marktbeteiligte sowie Bundesländer und Aufsichtsbehörden vertreten sind, ist es aus Sicht des Ministeriums, „eine Roadmap zum Übergang von UKW auf Digitalradio zu fixieren“. Am 17. Juni fand in Berlin im Bundesministerium die erste Sitzung des Digitalradio-Boards statt. Nach Angaben des Ministeriums haben alle Teilnehmer die Initiative begrüßt. Es seien „die Prämissen für die Erarbeitung der Roadmap“ diskutiert worden, teilte das Ministerium der MK auf Nachfrage mit. Das nächste Treffen des Digitalradio-Boards wurde für den 22. September angesetzt. Wo es stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Im Digitalradio-Board sind von Seiten der Politik neben dem BMVI noch die Länder Bayern, Berlin und Rheinland-Pfalz vertreten. Rheinland-Pfalz hat den Vorsitz in der Rundfunkkommission der Länder. Die ARD wird in dem Gremium durch den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) repräsentiert, der innerhalb des Senderverbunds für den Bereich Digitalradio federführend zuständig ist. Hinzu kommen das Deutschlandradio und die Digitalradio Deutschland GmbH, in der sich Privatradios zusammengeschlossen haben, die über den Technikstandard DAB plus senden.

Auto- und Elektronikindustrie eingebunden

Eingebunden in die Arbeit des Boards sind außerdem der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR), der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Im Board sind überdies der Sendenetzbetreiber Media Broadcast, die Landesmedienanstalten und die Bundenetzagentur vertreten. Das Digitalradio-Board wird geleitet von Dorothee Bär (CSU), der parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infra­struktur. An dessen Spitze steht Minister Alexander Dobrindt (CSU).

Mitte April hatte Dorothee Bär angekündigt, dass sich das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur künftig verstärkt dafür einsetzen wolle, dass im Hörfunk der Umstieg von UKW auf digitale Verbreitungstechniken gelinge. Ein DAB-plus-Gerät zum Empfang von Radioprogrammen nutzen hierzulande nach den zuletzt verfügbaren Zahlen aus dem Digitalisierungsbericht 2014 nur 7,7 Prozent der hiesigen Bevölkerung ab 14 Jahren. Aktuelle Daten werden am 8. September bekannt gegeben, wenn im Rahmen der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin (4. bis 9. September) die Landesmedienanstalten ihren Digitalisierungsbericht 2015 veröffentlichen.

In einer vom Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Auftrag gegebenen Studie waren zuletzt Szenarien aufgezeigt worden, wie die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks vorangebracht werden könnte (vgl. dazu weitere Meldung in der Rubrik 'Hörfunk'). Auf die Frage, ob ein Digitalradiofördergesetz nötig sei, um den Umstieg von UKW auf das Digitalradio zu unterstützen, antwortete das Ministerium nun gegenüber der MK, eine solche Maßnahme sei „derzeit nicht geplant“. An einem Entwurf für ein solches Gesetz werde daher auch nicht gearbeitet.

Kein festes Datum zur UKW-Abschaltung

Um DAB plus zu fördern, wäre es auch denkbar, ein Datum festzulegen, an dem UKW abgeschaltet wird. Das fordert beispielsweise Deutschlandradio-Intendant Willi Steul seit langem, nach dessen Meinung der Umstellungsprozess durch eine solche Maßnahme beschleunigt würde. Doch dass ein solches Abschaltdatum von der Politik – in Absprache mit den Markteilnehmern – in näherer Zukunft rechtsverbindlich festgelegt werden wird, ist nicht zu erwarten. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) etwa ist inzwischen der Meinung, dass es, um den Umstieg zu bewerkstelligen, nicht mehr um ein UKW-Abschaltdatum gehen muss, sondern um einen Kriterienkatalog. Bis vor einiger Zeit hatte die KEF von der ARD und vom Deutschlandradio stets verlangt, ihr mitzuteilen, wann die Anstalten die UKW-Verbreitung beenden wollen.

Hierzulande können über die im August 2011 gestartete DAB-plus-Technik derzeit die drei Deutschlandradio-Programme (Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen) und acht private Sender digital-terrestrisch über einen bundesweiten Multiplex empfangen werden. In den einzelnen Bundesländern werden außerdem weitere Sender über regionale DAB-plus-Multiplexe verbreitet. Zuletzt war Mitte Juni in Hamburg ein weiterer regionaler Multiplex in Betrieb genommen worden, über den seither insgesamt sieben kommerzielle Radioprogramme ausgestrahlt werden. Über einen regionalen Multiplex waren in Hamburg bis dahin nur die öffentlich-rechtlichen Programme des Norddeutschen Rundfunks (NDR) zu hören.

31.07.2015 – vn/MK

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