Tom Buhrow wird neuer Intendant des WDR

07.06.2013 •

07.06.2013 • Der Favorit setzte sich durch. Tom Buhrow wurde am 29. Mai 2013 zum neuen Intendanten des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln gewählt. Der 54-Jährige wird damit Nachfolger der aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Amt geschiedenen Monika Piel, 62. Im Rundfunkrat des Senders erhielt Buhrow gleich im ersten Wahlgang 41 von 47 Stimmen. Gegenüber den anderen beiden Kandidaten Jan Metzger und Stefan Kürten waren dem populären „Tagesthemen“-Moderator Buhrow schon im Vorfeld die größten Chancen auf den WDR-Spitzenposten eingeräumt worden (vgl. FK-Heft Nr. 21/13). Die Findungskommission des für die Wahl zuständigen Rundfunkrats hatte dem Gremium die drei Kandidaten für die Intendanz vorgeschlagen.

Jan Metzger, 57, Intendant von Radio Bremen, erhielt bei der Wahl vier Stimmen. Auf Stefan Kürten, 54, Director Sports and Business bei der europäischen Rundfunkunion EBU in Genf, entfielen zwei Stimmen. Von den insgesamt 48 WDR-Rundfunkratsmitgliedern waren bei der Sitzung, in der der neue Intendant gewählt wurde, 47 anwesend.

Seit dem 1. Mai führt WDR-Justiziarin Eva-Maria Michel als stellvertretende Intendantin den Sender kommissarisch. Wann genau Tom Buhrow seinen neuen Posten in Köln antritt, steht noch nicht fest. Sein Vertrag als „Tagesthemen“-Moderator muss nun vorzeitig aufgelöst werden. Er werde die Sendung vor seinem Wechsel ins WDR-Intendantenamt voraussichtlich auch noch einmal „eine Dienstwoche“ lang moderieren, so Buhrow am 29. Mai in Köln auf der Pressekonferenz im WDR-Funkhaus, wo er der Öffentlichkeit als neuer Intendant des größten ARD-Landesrundfunkanstalt vorgestellt wurde. Gegenüber der FK sagte Buhrow, dass er davon ausgehe, im Lauf des Juli seine neue Ausgabe zu übernehmen. Die Amtszeit des WDR-Intendanten beträgt sechs Jahre.

Die WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi hob auf der Pressekonferenz hervor, dass die Wahl in einem transparenten Verfahren und jenseits von parteipolitischen Vorgaben erfolgt sei. Alle drei Bewerber um das Intendantenamt seien in besonderer Weise geeignet gewesen. Sie sehe in der Wahl Buhrows eine gute Voraussetzung, um den WDR in eine gute Zukunft zu führen. Der neue Intendant, erläuterte Hieronymi, „braucht vor allem Kooperationsbereitschaft und Kommunikationsstärke. Die Entscheidung ist auf Tom Buhrow gefallen, weil er dies am besten von allen auch umsetzen kann.“ Buhrow selbst sagte, er wolle als Intendant „auf Augenhöhe kommunizieren“ und „nach innen und außen ein Intendant zum Anfassen sein“. Das deutliche Ergebnis wertete er als einen Vertrauensbeweis, der zugleich eine Verpflichtung sei. Die größte Herausforderung für den WDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei der durch das Internet angestoßene rapide Medienwandel, so Buhrow weiter. Deshalb sei es „ganz wichtig, dass die verschiedenen Programmbereiche nicht mehr in Schemata denken“.

„Ich liebe den WDR“

Tom Buhrow wurde am 29. September 1958 in Troisdorf geboren. Seine journalistische Laufbahn begann er beim Rhein-Sieg-Lokalteil des Bonner „General-Anzeigers“. Er studierte an der Universität Bonn Geschichte und Politikwissenschaften. Nach dem Examen volontierte er von 1985/86 beim WDR. Im Anschluss arbeitete er zunächst als Redakteur für das Dritte Programm WDR Fernsehen und später in Düsseldorf als Chef vom Dienst und Reporter für die „Aktuelle Stunde“, das tägliche Regionalmagazin des WDR Fernsehens; die Sendung moderierte er auch. Im Oktober 1992 wechselte Buhrow als ARD-Reporter in die „Tagesschau“-Redaktion des WDR in Köln. Von 1994 bis 1999 war er als Korrespondent im vom WDR verantworteten ARD-Studio Washington tätig. Nach einer Station als Korrespondent im ebenfalls vom WDR geführten ARD-Studio Paris kehrte er im Juli 2002 als Leiter des ARD-Studios Washington in die USA zurück. Im September 2006 trat er die Nachfolge von Ulrich Wickert als Moderator der in Hamburg produzierten ARD-„Tagesthemen“ an.

Tom Buhrow betonte auf der Pressekonferenz am 29. Mai im WDR-Funkhaus in Köln, wie sehr er sich mit dem Sender identifiziere: „Vor 28 Jahren und vier Monaten habe ich dieses Gebäude zum ersten Mal betreten.“ Nun komme er nicht nur als Intendant zurück – „ich komme nach Hause“. Buhrow zeigte auf der Pressekonferenz mit seiner enthusiastischen Art der Kommunikation, dass ihm der öffentliche Auftritt liegt und er Zuhörer für sich und den WDR gewinnen kann, so dass man sich gut vorstellen konnte, wie er bei seinem Vorstellungsauftritt im WDR-Rundfunkrat auch jene spontan auf seine Seite zog, die zunächst gar nicht für ihn hatten stimmen wollen. Dass es so abgelaufen sei, berichteten Insider später.

Teilweise zeigte sich Buhrow auf der Pressekonferenz fast ein wenig wie von sich selbst berauscht. So sagte er, um die Leidenschaft für seinen Heimatsender zu beschreiben, schließlich: „Und auch wenn das jetzt kitschig klingt – ich liebe den WDR.“ Sprach’s, und da fielen ihm Zeilen aus einem Song aus den 1980er Jahren ein, die er zitierte: „Ich düse im Sauseschritt und bring die Liebe mit.“ Zwei Sekunden Stille, und er bekräftigte es: „Ja, ich bring die Liebe mit.“

• Text aus Heft Nr. 23/2013 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

07.06.2013 – da/FK

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