Springer-Konzern übernimmt die Produktion des „Arte Magazins“

03.07.2015 •

Der Springer-Konzern wird künftig die vom deutsch-französischen Fernsehsender Arte herausgegebene Print-Publikation „Arte Magazin“ produzieren. Arte vereinbarte jetzt eine Kooperation mit der Abteilung Axel Springer Corporate Solutions, die im Auftrag von Unternehmen und Institutionen Inhalte in Form von Kundenmagazinen, Apps und Internet-Auftritten herstellt. Die Zusammenarbeit beginne mit der Oktober-Ausgabe des „Arte Magazins“, teilten Arte und Axel Springer Corporate Solutions am 3. Juli gemeinsam mit. Wenige Tage zuvor, am 30. Juni, hatte das Bundeskartellamt die Kooperation wettbewerbsrechtlich freigegeben. Ab dem 3. Juni prüfte die in Bonn ansässige Behörde den „Erwerb bestimmter geschäftlicher Aktivitäten betreffend das ‘Arte Magazin’“.

Das „Arte Magazin“ ist die kostenpflichtige Programmzeitschrift des in Straßburg ansässigen öffentlich-rechtlichen Kulturkanals. Sie erscheint seit Januar 1994 monatlich in deutscher Sprache und enthält neben einer täglichen Programmübersicht Reportagen, Interviews und Hintergrundberichte zu Arte-spezifischen Themen. Bei der Herstellung der Publikation greift Arte bisher auf eine eigene, in Straßburg ansässige Redaktion zurück, die seit März 2009 von Clairé Isambert geleitet wird. Außerdem gibt es seit vielen Jahren Kooperationen mit externen Dienstleistern, die die Redaktion, den Aboservice, den Anzeigenverkauf, den Vertrieb und auch den Druck betreffen.

Das Print-Magazin wird herausgegeben von Arte G.E.I.E., der bilateralen Dachgesellschaft des Kultursenders, und somit nicht von der in Baden-Baden angesiedelten Arte Deutschland TV GmbH. Arte Deutschland – darin sind die ARD-Landesrundfunkanstalten und das ZDF vereint – und Arte France (Sitz: Paris) sind die beiden gleichberechtigten Mitglieder von Arte G.E.I.E. Das „Arte Magazin“ hatte im ersten Quartal dieses Jahres eine IVW-geprüfte verkaufte Auflage von knapp 120.000 Exemplaren. Vor zehn Jahren, im ersten Quartal 2005, waren es rund 77.000 Exemplare. Das Magazin ist seit Januar 2007 deutschlandweit auch im Zeitschriftenhandel erhältlich. Der Heftpreis beträgt 2,30 Euro. Das Jahresabonnement kostet 24,80 Euro.

Auf eigenes finanzielles Risiko

Axel Springer Corporate Solutions hat nun von Arte eine Dienstleistungskonzession zur Produktion des „Arte Magazin“ für einen Zeitraum von fünf Jahren erhalten. Arte bleibe weiter Herausgeber der Publikation und behalte die Richtlinienkompetenz in Bezug auf Redaktion und Art Direction, erklärte Sendersprecherin Claude Savin auf MK-Nachfrage. Das bedeute auch, dass Arte die Druckfreigabe erteile. Weil das „Arte Magazin“ inzwischen „eine beachtliche Größe“ erreicht habe, sei man zu der Entscheidung gekommen, bei der Weiterentwicklung der Publikation einen neuen Weg zu gehen.

Der Sender habe beschlossen, so Savin weiter, „für die Herstellung seines Programmhefts eine neue Konstruktion zu finden, in der der neue Dienstleister alle Aufgaben bündelt und das Magazin auf eigenes finanzielles Risiko produziert.“ Man habe „sehr gute Vorschläge von namhaften interessierten Verlagen erhalten“. Schließlich seien „die engagierten und kompetenten Vorschläge von Springer“ am überzeugendsten gewesen, erläuterte Savin.

Der Axel-Springer-Konzern gehört zu den acht Verlagen, die im Jahr 2011 gegen die ARD wegen deren „Tagesschau“-App vor Gericht gezogen sind. Aus Sicht der Verlage ist die App presseähnlich, was einen Verstoß gegen die Vorschriften des Rundfunkstaatsvertrags bedeute. Der Prozess, der von den Verlagen sehr forciert angegangen wird, ist weiterhin anhängig. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte Ende April entschieden, dass das Oberlandesgericht Köln erneut prüfen müsse, ob das von den Verlagen beanstandete App-Angebot presseähnlich sei (vgl. MK 10/15). Der Springer-Konzern gibt mit der „Bild“-Zeitung außerdem ein Boulevardblatt heraus, das den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hierzulande regelmäßig und zum Teil in kampagnenartiger Form attackiert.

Auf die Frage, warum sich Arte angesichts dieses Hintergrunds für eine Zusammenarbeit mit dem Springer-Konzern entschieden habe, erklärte Sendersprecherin Savin: „Axel Springer Corporate Solutions ist ein hoch professionelles Unternehmen, das sich im Printmarkt sehr gut auskennt. Und dass der Verlag Axel Springer nicht nur aus ‘Bild’ besteht, sondern viele spannende Titel von ‘Rolling Stone’ über ‘Blau’ bis hin zur ‘Welt am Sonntag’ verlegt, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben.“

03.07.2015 – vn/MK

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