Intendantenwahl beim HR auf 5. Februar 2016 angesetzt

11.12.2015 •

Beim Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt ist die Intendantenwahl für den 5. Februar kommenden Jahres angesetzt worden. An diesen Tag wird der 30-köpfige Rundfunkrat einen Nachfolger für den scheidenden Intendanten Helmut Reitze wählen. Den Wahltermin gab am 23. November die Geschäftsstelle der HR-Gremien (Rundfunkrat und Verwaltungsrat) bekannt.

Laut HR-Gesetz wählt der Rundfunkrat den Intendanten mit einfacher Mehrheit; eine absolute Mehrheit (die sich auf mindestens 16 Stimmen belaufen würde) sieht das Gesetz nicht vor. Die Amtsdauer des Intendanten wird – eine Besonderheit beim Hessischen Rundfunk – vom Rundfunkrat festgelegt; sie beträgt mindestens fünf, maximal neun Jahre. Der 63-jährige Reitze hatte am 13. November erklärt, er werde vorzeitig zurücktreten. Noch bis Anfang 2016 und somit, bis der Rundfunkrat über seine Nachfolge entschieden habe, werde er im Amt bleiben. Reitze begründete seinen Rücktritt mit gesundheitlichen Gründen.

Kandidaten:  Krupp, Theveßen, Metzger

Für die Intendantenwahl hat der Rundfunkrat am 13. November eine Findungskommission eingesetzt. Bis zum 4. Dezember konnten die Mitglieder des HR-Rundfunkrats Kandidaten für das Intendantenamt vorschlagen. Auf MK-Nachfrage, wie viele Personen von Rundfunkratsmitgliedern vorgeschlagen wurden und wie viele davon Frauen sind, erklärte der Rundfunkratsvorsitzende Jörn Dulige am 7. Dezember gegenüber der MK lediglich, die Vorschläge würden in der Sitzung der Findungskommission am 9. Dezember gesichtet und dann am 11. Dezember im Rundfunkrat in vertraulicher Sitzung besprochen. Bis MK-Redaktionsschluss lagen zu den eingereichten Personalvorschlägen noch keine näheren Informationen vor.

Für den Intendantenposten dürften aufgrund der Zusammensetzung des Rundfunkrats eher Personen in Frage kommen, die über ein konservatives Profil verfügen. Im Vorfeld der Gremienberatungen berichtete die „Frankfurter Rundschau“, als Favorit für die Intendantenwahl gelte HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp. Der 59-Jährige ist seit 2010 auch stellvertretender Intendant der Rundfunkanstalt. Als weitere mögliche Kandidaten wurden in Medienberichten Elmar Theveßen und Jan Metzger genannt. Theveßen, 48, ist seit Juni 2007 beim ZDF Leiter der Hauptabteilung Aktuelles und stellvertretender Chefredakteur. Jan Metzger, 59, ist seit August 2009 Intendant von Radio Bremen. Er arbeitete von 1983 bis 2008 für den Hessischen Rundfunk in journalistischen und später auch administrativen Positionen.

Jörn Dulige leitet Findungskommission

Die insgesamt zwölfköpfige Findungskommission beim HR leitet der Rundfunkratsvorsitzende Jörn Dulige. Neben Dulige gehören folgende elf Personen der Findungskommission an: Dieter Weidemann (stellvertretender Vorsitzender des HR-Rundfunkrats), Rolf Müller (Vorsitzender des Programmausschusses Fernsehen des Rundfunkrats), Rolf-Dieter Postlep (Vorsitzender des Programmausschusses Hörfunk des Rundfunkrats), Joachim Valentin (Vorsitzender des Telemedienausschusses), Baldur Schmitt (Vorsitzender des Beschwerdeausschusses), Harald Brandes (Vorsitzender des Finanz-ausschusses), Hejo Manderscheid (stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses), Ursula Jungherr (stellvertretende Vorsitzende des Programmausschusses Hörfunk), Armin Clauss (Vorsitzender des Verwaltungsrats), Doris Piel (stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats) und Clemens Reif (Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses).

HR-Intendant Helmut Reitze hatte seinen Rücktritt mit nachlassenden Kräften begründet: „Seit einiger Zeit spüre ich, dass meine Energie nicht mehr ausreicht, um mit voller Kraft mein Amt als Intendant auszufüllen. Der Hessische Rundfunk braucht aber einen Intendanten, der sich den Herausforderungen der nächsten Jahre zu 100 Prozent stellen kann.“ Reitze ist seit dem 13. Januar 2003 Intendant des Hessischen Rundfunks. Im Oktober 2002 war er zum Intendanten gewählt worden und dann zweimal – 2007 und 2013 – im Amt bestätigt worden (vgl. hierzu FK 43-44/02, 6/07 und 5-6/13).

Zuletzt war Reitze vom Rundfunkrat sehr frühzeitig am 25. Januar 2013 für eine dritte Amts­periode wiedergewählt worden, die dann am 13. Januar 2015 begann und fünf Jahre dauern sollte. Reitze hätte also eigentlich noch bis zum Januar 2020 als HR-Intendant amtiert. In seiner rund 13-jährigen Amtszeit hat Reitze beim Hessischen Rundfunk mehrere Sparrunden veranlasst, um den Sender finanziell zu konsolidieren. Im Fernsehbereich forcierte der Intendant die regionale Ausrichtung des Dritten Programms. „Das HR Fernsehen konnte während seiner Amtszeit durch eine strikte Ausrichtung auf Hessen seine Einschaltquoten erheblich steigern“, hieß es dazu in der Pressemitteilung des Senders anlässlich der Bekanntgabe des Rücktritts.

„Die Identifikation der Hessen mit ihrem Sender“

Der Rundfunkratsvorsitzende Jörn Dulige bekundete laut HR-Mitteilung Verständnis und höchsten Respekt für Reitzes Entscheidung, bedauerte diesen Entschluss jedoch, wie er sagte, zutiefst. „Helmut Reitze hatte trotz aller Sparanstrengungen immer die Qualität der Programme im Blick“, sagte Dulige, „ein wichtiges Anliegen war ihm von Beginn an die konsequente Ausrichtung auf Hessen und die Identifikation der Hessen mit ihrem Sender. Reitze übergibt einen erfolgreichen Hessischen Rundfunk. Dies unterstreichen die vielfältigen programmlichen Erfolge, die in seiner Amtszeit erreicht wurden.“ Armin Clauss, der Vorsitzende des HR-Verwaltungsrats, erklärte: „Helmut Reitze steht für die Zukunftssicherung des Hessischen Rundfunks und seiner Programmangebote. Der Verwaltungsrat wird mit ihm einen verlässlichen Partner verlieren, der sich stets für einen leistungsfähigen und unabhängigen HR eingesetzt hat.“

Helmut Reitze wurde am 11. Juni 1952 im nordhessischen Gudensberg geboren. Er volontierte bei der Tageszeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) in Kassel und arbeitete dort anschließend als Redakteur. Im Jahr 1974 begann er an der Universität Marburg mit einem Studium der Volkswirtschaftslehre. Von 1978 bis 1980 promovierte er an der Universität Mainz. Während des Studiums und seiner Promotion arbeitete Reitze als Fernsehreporter für den Hessischen Rundfunk. 1981 wurde er dann fest angestellter Redakteur und Moderator in der Wirtschaftsredaktion des Bayerischen Rundfunks (BR) in München.

Im Jahr 1985 wechselte Helmut Reitze zum ZDF nach Mainz. Dort war er mit zwei Unterbrechungen – von 1990 bis 1992 leitete er die in München ansässige Produktionsfirma AV Euromedia, von 1993 bis 1995 arbeitete er in Hamburg als zweiter Chefredakteur bei ARD-aktuell („Tagesschau“, „Tagesthemen“) – in verschiedenen Positionen tätig, ab 1995 in leitender Funktion. So wurde er damals Leiter der ZDF-Hauptredaktion Gesellschafts- und Bildungspolitik und stellvertretender ZDF-Chefredakteur. Ab 1997 leitete Reitze dann die ZDF-Hauptredaktion Aktuelles und moderierte das Nachrichtenmagazin „Heute-Journal“, bevor er im Oktober 2002 zum neuen HR-Intendanten gewählt wurde. Dieses Amt trat er dann im Januar 2003 an.

11.12.2015 – MK

Print-Ausgabe 15/2020

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