Kabelnetze: Vodafone will Unitymedia übernehmen

16.06.2018 •

16.06.2018 • Der britische Telekommunikationsriese Vodafone, der in Deutschland bereits in 13 Bundesländern den Großteil der Kabelnetze betreibt, will Unitymedia kaufen, den zweitgrößten deutschen Netzbetreiber. Vodafone ist seit der Übernahme von Kabel Deutschland im Jahr 2013 hierzulande der größte Kabelnetzbetreiber. Den Kauf von Unitymedia gab Vodafone am 9. Mai bekannt. Unitymedia gehören in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen größtenteils die Kabelnetze. Bisher ist Unitymedia Teil des US-Kabelkonzerns Liberty Global, der im Besitz des amerikanischen Medienunternehmers John Malone ist.

Vodafone kündigte nicht nur den Erwerb von Unitymedia an, sondern zugleich auch die Übernahme der zu Liberty Global gehörenden Kabelgesellschaften in den drei osteuropäischen Staaten Tschechien, Ungarn und Rumänien. Der Kaufpreis für den Gesamtdeal beträgt laut den beiden Unternehmen 18,4 Mrd Euro. Vodafone bezahlt dabei an Liberty Global 10,8 Mrd Euro in bar und übernimmt zusätzlich Schulden des US-Konzerns in Höhe von 7,6 Mrd Euro. Im Februar hatte Vodafone bekannt gegeben, über einen Kauf von mehreren Kabelgesellschaften von Liberty Global zu verhandeln, darunter auch die Deutschland-Tochter. Bereits in den vergangenen Jahren hatte Vodafone Gespräche mit dem Liberty-Global-Konzern über eine Übernahme von dessen deutscher Tochterfirma geführt.

Kartellrechtliche Prüfung

Vor allem der Kauf von Unitymedia soll das weitere Vodafone-Geschäft beflügeln: Die Kabelnetze in Deutschland sollen „zu Gigabit-Netzen“ aufgerüstet werden, erklärte zu den Plänen Hannes Ametsreiter, Deutschland-Chef von Vodafone. Dafür sind nach Angaben von Vodafone Deutschland bis zum Jahr 2022 rund 12 Mrd Euro an Investitionen eingeplant. Die Zusammenführung von Breitband, Mobilfunk, Festnetz und TV-Diensten unter einem Dach soll „einen massiven Schub in digitale Innovationen“ ermöglichen. Dadurch, dass Vodafone in den vier Ländern Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien von Liberty Global die Kabelnetze kauft, verspricht sich Vodafone mittelfristig deutliche Synergieeffekte: Im fünften Jahr nach den Übernahmen sollen Kostensenkungen in Höhe von dann jährlich insgesamt 535 Mio Euro erzielt werden. Inwieweit in den kommenden Jahren auch Arbeitsplätze abgebaut werden, ist bisher nicht bekannt.

Vodafone kann die Übernahme der vier Kabelunternehmen von Liberty Global in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien nur umsetzen, wenn kartellrechtlich grünes Licht gegeben wird. Die beiden Konzerne rechnen diesbezüglich Mitte 2019 mit einer Entscheidung. Wegen der Größe der geplanten Transaktion hält Vodafone die EU-Kommission in Brüssel für zuständig, die Transaktion zu prüfen. Bis MK-Redaktionsschluss hatte Vodafone das Übernahmevorhaben noch nicht bei der Europäischen Kommission angemeldet.

Ob das Bundeskartellamt versuchen wird, die Prüfung der Übernahme von Unitymedia durch Vodafone an sich zu ziehen, bleibt abzuwarten. Das Kartellamt (Sitz: Bonn) hat in der Vergangenheit aus wettbewerbsrechtlichen Gründen Zusammenschlüsse zu einem dominierenden Kabelnetzbetreiber in Deutschland verhindert. Im Februar 2013 untersagten die Wettbewerbshüter, dass Kabel Deutschland als Marktführer den drittgrößten hiesigen Kabelnetzbetreiber Tele Columbus übernehmen darf (vgl. FK-Heft Nr. 9/13). Im selben Jahr kaufte Vodafone dann Kabel Deutschland auf. Diese Transaktion wurde von der EU-Kommission geprüft und schließlich genehmigt (vgl. FK-Heft Nr. 39-40/13).

VAUNET: Meinungsvielfalt in Gefahr

Hierzulande versorgt Vodafone aktuell 7,7 Mio Kunden in 13 Bundesländern mit Kabelfernsehen. Außerdem vermarktet der Konzern schnelle Internet-Zugänge (Breitband) und Telefonie-Angebote (Festnetz und Mobilfunk). Unitymedia hat derzeit in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen 6,3 Mio Kabelfernsehkunden. Im Geschäft mit Breitband-Internetzugängen sowie Festnetztelefonie und Mobilfunk ist Unitymedia ebenso aktiv. Beim Kabelfernsehen käme Vodafone nach einer Übernahme von Unitymedia auf 14 Mio Kunden und einen Marktanteil von dann rund 80 Prozent. In Deutschland nutzten 2017 laut dem von den Landesmedienanstalten herausgegebenen Digitalisierungsbericht 17,6 Mio Haushalte das Kabel für den TV-Empfang. Mit 2,3 Mio Kunden ist Tele Columbus der drittgrößte Kabelkonzern in Deutschland. Das Unternehmen vermarktet seine Angebote seit Oktober 2017 unter dem Markennamen Pÿur (vgl. MK-Meldung).

Vodafone würde durch den Kauf von Unitymedia in Deutschland zum Quasi-Monopolisten im Bereich Kabelfernsehen aufrücken. Daher stößt beim Verband Privater Medien (VAUNET) das Übernahmevorhaben auf deutliche Kritik: „Mit der geplanten Fusion entstünde ein Kabelgigant, der den deutschen TV-Markt dominieren würde. Ohne eine Einigung mit dem neuen Betreiber wäre nämlich kein bisher im Kabel verbreitetes Programm überlebensfähig“, erklärte dazu der VAUNET-Vorstandsvorsitzende Hans Demmel (n-tv). Er sieht durch den angekündigten Kabeldeal „die Meinungsvielfalt und die Vielfalt von Anbietern“ gefährdet.

Im Geschäftsbereich Breitband-Internet würde Vodafone nach der Übernahme von Unitymedia mit 10 Mio Kunden ein deutlich stärkerer Wettbewerber der Deutschen Telekom werden. Ein solches Szenario begrüßten Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, und Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes. Die Telekom versorgt aktuell 13,3 Mio Breitband-Anschlüsse. Insgesamt gibt es derzeit rund 33,5 Mio Breitband-Anschlüsse in Deutschland; mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent ist die Telekom hier Marktführer.

Als in den vergangenen Wochen Informationen zu den Verhandlungen von Vodafone mit Liberty Global über den Kauf unter anderem von Unitymedia bekannt geworden waren, erklärte die Deutsche Telekom, „eine Remonopolisierung der Kabelnetze“ werde von Experten zu Recht kritisch bewertet. Dass die Telekom den Deal kritisch sieht, hängt auch damit zusammen, dass der deutsche Konzern aufgrund seiner starken Marktstellung seine Breitband-Leitungen auch Wettbewerbern wie zum Beispiel 1&1 (United Internet) zugänglich machen muss. Für die Kabelnetzbetreiber gibt es solche Auflagen bisher nicht. Die hier zuständige Bundesnetzagentur hat unterdessen angekündigt, prüfen zu wollen, ob in Deutschland, etwa in bestimmten Regionen, auch Kabelnetzanbieter aufgrund einer marktmächtigen Position dazu verpflichtet wären, ihre Leitungen für Wettbewerber zu öffnen.

16.06.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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