Film- und Medienstiftung NRW soll vom Land 2018 mehr Geld erhalten

10.12.2017 • Die neue nordrhein-westfälische Landesregierung von CDU und FDP will die Film- und Medienstiftung NRW finanziell besser ausstatten. Die Filmstiftung soll mehr Geld erhalten, damit sie stärker als bisher Film- und Fernsehproduktionen wie auch innovative Internet- und Games-Projekte fördern kann. Das Land wolle für diese Fördermaßnahmen den Zuschuss an die Filmstiftung ab 2018 um eine Million auf dann 10,6 Mio Euro pro Jahr erhöhen, erklärte Staatssekretär Nathanael Liminski (CDU), in Düsseldorf. Liminski, Chef der NRW-Staatskanzlei, äußerte sich am 23. November im Kultur- und Medienausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Dort erläuterte der CDU-Politiker den NRW-Haushaltsplan 2018 hinsichtlich der darin vorgesehenen Medienförderung. Der Landtag berät derzeit über den Landeshaushalt für das nächste Jahr. Teil davon ist auch der Medienetat, der sich 2018 auf insgesamt 24 Mio Euro belaufen soll.

Der 32-jährige Liminski, der als Staatskanzleichef seit Ende August operativ für die nordrhein-westfälische Medienpolitik zuständig ist, sagte im Kultur- und Medienausschuss, die Zusatzfördersumme von einer Million Euro für die Filmstiftung sei für zwei Bereiche vorgesehen. Zum einen stünden 500.000 Euro für die zusätzliche Unterstützung von Film- und Fernsehproduktionen zur Verfügung. Zum anderen sollten 500.000 Euro investiert werden in „die Entwicklung von Konzepten und Prototypen für innovative und interaktive Inhalte, insbesondere Games, Web und Mobile sowie multimediale Projekte“. Gerade für die Förderung in diesem zweiten Bereich wolle sich das Land NRW stark machen, da die übrigen Gesellschafter der Filmstiftung eher deren klassische Filmförderung unterstützten, so Liminski.

Landeszuschuss steigt auf 10,6 Mio Euro

Bei der in Düsseldorf ansässigen Filmstiftung sind das Land und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mit je 40 Prozent beteiligt. Jeweils 10 Prozent halten das ZDF und RTL. Über einen Kooperationsvertrag ist auch die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe mit der Förderinstitution verbunden. Mit Beginn des Jahres 2017 war die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) bei der Filmstiftung als Gesellschafterin ausgestiegen. Den LfM-Anteil von 5 Prozent übernahm damals das Land, das dadurch seine Beteiligung auf 40 Prozent erhöht hatte. Geschäftsführerin der Filmstiftung ist Petra Müller, deren aktueller Vertrag noch bis Ende August 2018 läuft. Die Filmstiftung erhält vom Land neben dem Zuschuss für die Filmförderung auch noch Gelder zur Finanzierung des laufenden Betriebs (Gehälter, Miete etc.). Dafür sind 2018 – wie bereits im Jahr 2017 – erneut 2,35 Mio Euro eingeplant.

Was die Filmförderung angeht, ist die Film- und Medienstiftung NRW auf Ebene der Bundesländer inzwischen nicht mehr die Einrichtung mit der höchsten Fördersumme – hier rangierte zuletzt der FilmFernsehFonds Bayern (FFF) an der Spitze, der 2016, bedingt auch durch Sondereffekte, insgesamt 34,3 Mio Euro für die Förderung von Film, Fernseh- und Games-Produktionen vergeben konnte. Hinzu kamen 2016 noch rund 2,3 Mio Euro für Filmtheater, Festivals und Film-Werbemaßnahmen, so dass sich in Bayern eine Gesamtfördersumme von 36,6 Mio Euro ergab (vgl. MK-Meldung).

Die Filmstiftung NRW förderte 2016 nach eigener Darstellung insgesamt 405 Projekte zur Entwicklung, Produktion und Verwertung in den Bereichen Film, Fernsehen, Games und Internet mit 30,1 Mio Euro. Zudem wurden im vergangenen Jahr insgesamt 52 Festivals, Filmpräsentationen bzw. Standortprojekte mit weiteren 1,2 Mio Euro unterstützt. Der Gesamtförderbetrag in Nordrhein-Westfalen belief sich somit 2016 auf 31,3 Mio Euro.

Kürzungen durch rot-grüne Regierung

Das Medienboard Berlin-Brandenburg, das neben dem Standortmarketing auch für die Filmförderung in den beiden Bundesländern zuständig ist, hat die Filmstiftung NRW hinsichtlich des Gesamtförderetats inzwischen ebenfalls überholt. Das Budget des in Potsdam-Babelsberg ansässigen Medienboards belief sich im Jahr 2016 auf 32,2 Mio Euro. Im vorigen Jahr unterstützte das Medienboard mit 28,7 Mio Euro Film- und TV-Projekte; mit weiteren 3,5 Mio Euro wurden Festivals, Preise oder Weiterbildungsinitiativen gefördert. Zuletzt hatte das Land Berlin angekündigt, ab 2018 seinen Zuschuss an das Medienboard für dessen Filmförderung um 1,2 Mio Euro zu erhöhen.

Der Förderetat der Filmstiftung NRW ist in den vergangenen Jahren durch zwei Maßnahmen gesunken. Zum einen reduzierte die frühere nordrhein-westfälische Regierungskoalition von SPD und Grünen ab 2015 den jährlichen Landeszuschuss für die Filmförderung, der sich bis dahin auf rund 10,6 Mio Euro belief (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Abgesenkt wurde der Zuschuss zunächst auf 10 Mio Euro (2015), dann auf 9,6 Mio Euro (ab 2016). Diese Kürzungen hielt Rot-Grün für notwendig, um zur Konsolidierung des Landeshaushalts beizutragen. Zum anderen hatte der WDR entschieden, ab 2015 die Filmförderung in Nordrhein-Westfalen nur noch mit dem Betrag zu unterstützen, der ihm gesetzlich vorgeschrieben ist (rund 13,5 Mio Euro pro Jahr). Den bis 2014 vom WDR zusätzlich und freiwillig an die Filmstiftung gezahlten Betrag von jährlich 3,1 Mio Euro sparte der Sender dann ein. Zur Begründung verwies der WDR darauf, man müsse die Ausgaben senken (vgl. FK-Heft Nr. 42/14).

Im Wettbewerb mit Bayern und Berlin

Staatskanzleichef Nathanael Liminski sagte nun im Kultur- und Medienausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags, mit der Etataufstockung für die Filmstiftung wolle das Land „die Kürzungen der vergangenen Jahre auffangen“. Es gehe darum, eine „Trendwende einzuleiten“, da Nordrhein-Westfalen in Sachen Filmförderung im Wettbewerb mit den Ländern Bayern und Berlin stehe, zu denen man „wieder stärker aufschließen“ wolle. In der Filmstiftung NRW sieht die CDU/FDP-Regierungskoalition die zentrale Agentur zur Förderung der Film- und Medienwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. In ihrem Koalitionsvertrag hatten beide Regierungsparteien festgelegt, dass sie bei der Filmstiftung „die Film- und Medienförderung einschließlich von Web-Inhalten und Games erhöhen“ würden.

Liminski – der nun auch als einer von vier Vertretern des Landes NRW Mitglied im Aufsichtsrat der Filmstiftung ist – kündigte im Kultur- und Medienausschuss außerdem an, einen Prozess einleiten zu wollen, der die Filmstiftung quantitativ und qualitativ stärken solle. Das Land wolle hier mit der Anhebung des Förderzuschusses vorangehen. Man wolle, erklärte Liminski, auch auf die übrigen Gesellschafter der Filmstiftung zugehen – dies offenbar vor allem mit dem Ziel, dass sie ebenfalls ihre Unterstützungszahlungen an die Filmstiftung erhöhen.

10.12.2017 – vn/MK