Stets in „Bild“:
Es kommentiert der
„Gründungsintendant“

18.02.2011 •

Über 30 Kommentare hat Ernst Elitz im vergangenen Jahr, prominent platziert auf Seite 2, für die „Bild“-Zeitung geschrieben, einmal beispielsweise zum Thema „Profi-Recherche“ (27.10.10; siehe Foto). Und im Jahr 2011 kommentiert er fleißig weiter. Die Zeile „Prof. Ernst Elitz ist Gründungsintendant des Deutschlandradios“ steht stets unter diesen Texten von Elitz. Das Wort „Gründungsintendant“ soll dabei vielleicht noch besser, ehrenhafter und würdevoller klingen als einfach „Intendant“. Es soll also möglicherweise umso adelnder und edelnder sein für „Bild“, dass auch ein solcher Mann Deutschlands Populistenblatt Nr. 1 gewählt hat, um hier meinungsbildend zu wirken.

Es mag nur ein Wort sein, aber wenn wir es richtig sehen, könnte man auch fragen: War Ernst Elitz wirklich der Gründungsintendant des Deutschlandradios? Am 23. Dezember 1993 hatte der Verwaltungsrat des Deutschlandradios nämlich den damaligen ZDF-Intendanten Dieter Stolte zum Vorsitzenden und damit kommissarischen Intendanten des in Gründung befindlichen nationalen Hörfunks der Bundesrepublik gewählt (vgl. FK-Meldung). Stolte führte in der Folge mithin als Gründungsintendant die Geschäfte des Deutschlandradios – bis zur Wahl des eigentlichen Intendanten. Die fand statt am 30. März 1994, als der Hörfunkrat des Deutschlandradios Ernst Elitz zum ersten (ordentlichen) Intendanten des neuen Senders wählte (vgl. FK-Meldung). Elitz stand dann drei fünfjährige Amtszeiten lang bis März 2009 an der Spitze des Deutschlandradios und leistete dort allseits anerkannte Arbeit. Aber war er wirklich fünfzehn Jahre lang Gründungsintendant?

Genau genommen müsste es in der Unterzeile zu diesem „Bild“-Kommentator also wohl heißen: „Prof. Ernst Elitz war erster Intendant des Deutschlandradios.“ Dann fiele zwar zusätzlich die Präsensform „ist“ weg, die ein bisschen suggeriert, Elitz, 69, sei immer noch irgendwie (Gründungs-)Intendant – aber der modifizierte Satz klingt doch trotzdem nicht schlecht, oder?

• Text aus Heft Nr. 6/2011 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

18.02.2011 – FK

Print-Ausgabe 21/2020

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