Die ARD wird erstmals einen Produzentenbericht vorlegen

13.07.2015 •

13.07.2015 • Die ARD will im Herbst dieses Jahres erstmals einen Produzentenbericht veröffentlichen, in dem die Vergabe von externen Produktionsaufträgen der neun ARD-Landesrundfunkanstalten zusammenfassend dargestellt wird. Zuständig für die Erstellung des Berichts, der dann über das Jahr 2014 Auskunft geben soll, ist der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR).

Man arbeite derzeit daran, die Daten der einzelnen Landesrundfunkanstalten zu ihrer Auftragsvergabe zu harmonisieren und entsprechend vergleichbar zu machen, erklärte MDR-Sprecher Walter Kehr dazu auf MK-Nachfrage. Der MDR koordiniert innerhalb der ARD federführend die Filmangelegenheiten des Senderverbundes. Die Rundfunkanstalt mit Hauptsitz in Leipzig ist somit auch der Ansprechpartner der Produzentenallianz, in der sich rund 230 Unternehmen zusammengeschlossen haben.

Vereinbarung mit der Produzentenallianz

Im Juni vorigen Jahres hatten sich die ARD-Intendanten bei ihrer Tagung in Frankfurt am Main darauf verständigt, künftig einen Produzentenbericht zur Auftragsvergabe des Senderverbundes zu erstellen und zu veröffentlichen. Bereits im Jahr 2013 hatte sich die ARD mit der Produzentenallianz auf Leitlinien zur Zusammenarbeit verständigt. In diesen Leitlinien wurde festgelegt, die „Transparenz bezüglich der Produktionstätigkeit der Produzenten sowie der ARD-Landesrundfunkanstalten […] durch einen jährlichen, von den Sendern vorzunehmenden, Produzentenbericht“ zu erhöhen. Auf diesen Aspekt verweist auch MDR-Intendantin Karola Wille (vgl. dazu auch S. 3 bis 6 in dieser MK).

In den zwischen der ARD und der Produzentenallianz vereinbarten Leitlinien wurde zudem verankert, dass in dem Produzentenbericht der ARD „die Programmstunden und die Aufwendungen in den Bereichen Auftrags- sowie Koproduktion und Lizenzproduktion“ dargestellt werden. Die Angaben sollen dabei nach verschiedenen Genres unterteilt werden, und zwar nach den Kategorien „Kinofilm“, „Fernsehfilm“, „Serie“, „Sportsendungen“ und „Sendungen der leichten Unterhaltung“. Unklar ist, ob der ARD-Produzentenbericht auch über die Produktionsaufträge informieren wird, die von der ARD-Filmfirma Degeto vergeben worden sind. Gesellschafter der Degeto sind die neun ARD-Anstalten bzw. deren Werbetöchter.

Keine Produzentenberichte von BR, HR, SR und Radio Bremen

Innerhalb der ARD veröffentlichen derzeit vier Sender Produzentenberichte. Es handelt sich dabei um den Westdeutschen Rundfunk (WDR), den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und den Norddeutschen Rundfunk (NDR). Der NDR publizierte allerdings zuletzt lediglich eine Zusammenfassung seines Produzentenberichts. Der Südwestrundfunk (SWR) wird voraussichtlich im Herbst erstmals einen Produzentenbericht veröffentlichen. Mit der Novelle des SWR-Staatsvertrags, die Anfang 2014 in Kraft trat, wurde dem Sender von der baden-württembergischen und rheinland-pfälzischen Politik auferlegt, einen Produzentenbericht zu erstellen und ihn als Teil des jährlichen Geschäftsberichts auch zu veröffentlichen (vgl. FK 3/14 und Dokumentation der Staatsvertragsnovelle in FK 8/14).

Der Bayerische Rundfunk (BR), der Hessische Rundfunk (HR), der Saarländische Rundfunk (SR) und Radio Bremen – die übrigen vier ARD-Sender – haben bisher keine Produzentenberichte veröffentlicht. Das ZDF hat bisher ebenfalls keinen Produzentenbericht publiziert, der mit denen von WDR, MDR und RBB vergleichbar ist. In seinem Internet-Angebot legte das ZDF Ende August vorigen Jahres erstmals Durchschnittskosten für die Produktion von Sendungen in sechs Genres offen, darunter die Genres „Film“, „Serien“ sowie „Shows und Musiksendungen“ (vgl. FK 37/14). Im Netz veröffentlicht das ZDF auch „Basisinformationen zur Beschreibung benötigter Programmgenres, Konzeptionen und aktueller Wettbewerbssituationen“. Hierzu informiere das ZDF in „jährlichen Briefings“ auch interessierte Produzenten, teilte das ZDF auf MK-Nachfrage mit.

13.07.2015 – Volker Nünning/MK