Sky Deutschland: Brian Sullivan legt im Juni 2015 den Chefposten nieder

06.04.2015 •

Der Vorstandsvorsitzende des noch börsennotierten Pay-TV-Unternehmens Sky Deutschland, Brian Sullivan, tritt in wenigen Wochen von seinem Chefposten zurück. Wie Sky am 26. März mitteilte, wird Sullivan den Vorstandsvorsitz am 24. Juni niederlegen, „um in die USA zurückzukehren“. Der 53-jährige US-Amerikaner übernahm im April 2010 die Leitung von Sky Deutschland; zuvor war er ab Anfang Januar 2010 bereits stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Unternehmens gewesen, das seinen Sitz in Unterföhring bei München hat. Der Abschied von Sullivan kommt zum jetzigen Zeitpunkt überraschend, war sein Vertrag doch erst im Juni vorigen Jahres bis Ende Juni 2016 verlängert worden.

Zu Sullivans Nachfolger bestimmte der Aufsichtsrat von Sky Deutschland Carsten Schmidt, der bei dem Konzern seit 2006 als Vorstand für die Bereiche Sport, Werbezeitenvermarktung und Internet verantwortlich ist. Schmidt wurde vom Aufsichtsrat nun mit Wirkung zum 26. März zusätzlich zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands ernannt. Der 51-Jährige wird nun in den kommenden knapp drei Monaten eng mit Brian Sullivan in der Unternehmensleitung zusammenarbeiten und anschließend den Vorstandsvorsitz allein übernehmen.

Carsten Schmidt rückt an die Spitze

Sky Deutschland gehört zum börsennotierten US-Medienkonzern 21st Century Fox des australo-amerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch. Im vorigen Jahr hatte Murdoch seine Pay-TV-Sender in Großbritannien, Deutschland und Italien unter dem Dach von Sky plc. in London gebündelt (vgl. hierzu FK 32/14 und 38/14). 21st Century Fox hält 39 Prozent der Aktien des ebenfalls börsennotierten Unternehmens Sky plc., zu dem auch die Sky German Holdings GmbH gehört. Diese in München angesiedelte Firma hält inzwischen 96 Prozent der Aktien an Sky Deutschland. Auch die Anteilsscheine der verbliebenden Aktionäre will Murdoch übernehmen. Anschließend soll Sky Deutschland von der Börse genommen werden.

Brian Sullivan war Anfang 2010 auf Initiative von Rupert Murdoch zu Sky Deutschland entsandt worden (vgl. FK 51-52/09). Murdoch gehörten seinerzeit an dem Pay-TV-Sender rund 40 Prozent der Aktien. Er war somit bereits damals der bestimmende Aktionär. Sullivan löste dann im Frühjahr 2010 als Firmenchef den glücklosen Australier Mark Williams ab, der ab September 2008 an der Spitze des Unternehmens gestanden hatte. Sullivan war, bevor er zu Sky Deutschland wechselte, Managing Director Customer Group des ebenfalls von Murdoch kontrollierten britischen Pay-TV-Anbieters BSkyB (der inzwischen nur noch unter dem Namen Sky firmiert).

Als Sullivan Anfang 2010 zu Sky Deutschland kam, befand sich das Unternehmen in einer äußerst kritischen Lage. Im Jahr 2009 machte Sky bei einem Umsatz von 900 Mio Euro einen Netto-Verlust in Höhe von 676,5 Mio Euro. Umgerechnet bedeutete dies einen Verlust von im Schnitt rund 1,9 Mio Euro pro Tag. Ende 2009 hatte der Sender insgesamt 2,4 Mio Abonnenten. Sullivan leitete damals mehrere Maßnahmen ein: die Entwicklung neuer Produkte (etwa Sky Sport iPad-App, später Sky Anytime und das Sky-Streaming-Portal Snap), den Ausbau der HD-Angebote, die Verbesserung der Vermarktung des HD-Festplattenrekorders Sky plus, die Optimierung des Kundenservice und der Kundenbindung. Zudem ließ Sullivan in das Programmangebot investieren: Sky kaufte weitere Sportübertragungslizenzen sowie Film- und Serienrechte.

Wirtschaftliche Wende eingeleitet

Die Maßnahmen zeigten in den folgenden Jahren Wirkung und leiteten eine wirtschaftliche Wende ein: Sky Deutschland konnte kontinuierlich neue Abonnenten gewinnen, was zu einem Anstieg der Umsätze führte. Auch die Höhe der Verluste sank stetig. Zudem sorgte Rupert Murdoch Anfang 2013 dafür, dass die langfristige Finanzierung des Senders gesichert ist, nicht zuletzt mit Blick auf die gestiegenen Kosten für die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga. Für die Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17 zahlt Sky an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) im Schnitt pro Saison 485,7 Mio Euro, wobei der an die DFL zu überweisende Betrag in der ersten Saison des Zeitraums am niedrigsten ist und in der letzten Saison am höchsten. Gegenüber der vorangegangenen Rechteperiode verdoppelten sich die durchschnittlichen Lizenzkosten, die Sky an die DFL zahlt (vgl. FK 16/12 und 4/13).

Im Gesamtjahr 2013 wirtschaftete Sky Deutschland bei Umsätzen von 1,5 Mrd Euro im operativen Geschäft profitabel: Auf 35 Mio Euro belief sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Netto fiel aber weiterhin ein Verlust an, der 2013 insgesamt 133 Mio Euro betrug. Ende 2013 hatte Sky knapp 3,7 Mio Abonnenten. Nach den aktuellen Zahlen (Stand 31. Dezember 2014) sind es insgesamt 4,1 Mio. Damit gewann Sky von Ende 2009 bis Ende 2014, also innerhalb von fünf Jahren, insgesamt 1,7 Mio Abonnenten hinzu – ein Plus von 71 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr 2014/15 – das nach einer Umstellung in 2014 nicht mehr dem Kalenderjahr entspricht, sondern dem Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. Juni – erwartet Sky einen Umsatz von rund 1,7 Mrd Euro. Im laufenden Geschäftsjahr sollen zwischen 400.000 und 450.000 Abonnenten netto hinzukommen. Demnach kalkuliert Sky mit einer Abonnentenzahl von bis zu 4,25 Mio am 30. Juni 2015. Im operativen Geschäft wird ein Gewinn zwischen 80 Mio und 110 Mio Euro angepeilt. Ob es auch unter dem Strich ein positives Ergebnis für das Geschäftsjahr 2014/15 geben wird, bleibt abzuwarten. Die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres schloss Sky mit einem Netto-Verlust von 25 Mio Euro ab, das operative Ergebnis (Ebitda) belief sich auf plus 58 Mio Euro.

Jeremy Darroch, der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Sky Deutschland und Chef von Sky in Großbritannien, erklärte am 26. März, Brian Sullivan habe „in den letzten fünf Jahren Außerordentliches für Sky Deutschland geleistet“; er habe „ein hervorragendes Team aufgebaut, mit dem er einen Quantensprung beim Unternehmenswachstum erzielte“. Den künftigen Vorstandsvorsitzenden Carsten Schmidt bezeichnete Darroch als „einen sehr erfahrenen und fähigen Nachfolger“ von Sullivan. Schmidt werde „die nächste Wachstumsphase von Sky Deutschland einleiten und dabei die bisherige erfolgreiche Strategie fortführen“, so Darroch. Carsten Schmidt, geboren am 10. Oktober 1963, arbeitet seit 1999 für das Pay-TV-Unternehmen, das damals noch Premiere hieß (die Umbenennung in Sky erfolgte Anfang Juli 2009). Zunächst war Schmidt bei Premiere Sportchef, zum März 2006 war er in den Vorstand des Unternehmens aufgerückt.

06.04.2015 – vn/MK

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