Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio sucht neuen Geschäftsführer

19.09.2019 •

Beim Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio, der für die öffentlich-rechtlichen Sender zu deren Finanzierung den Rundfunkbeitrag erhebt, muss die Geschäftsführung neu besetzt werden. Stefan Wolf, bisheriger Geschäftsführer des Beitragsservice, hat die Nachfolgeeinrichtung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) Ende August verlassen. Wolf habe „den Verwaltungsrat des Beitragsservice aus persönlichen Gründen um eine vorzeitige Beendigung seines Dienstvertrags gebeten“, teilte die Pressestelle des Beitragsservice auf MK-Nachfrage mit.

Hintergrund für Wolfs Ausscheiden ist, dass er eine neue berufliche Aufgabe übernommen hat. Sein zweiter Fünf-Jahres-Vertrag beim Beitragsservice wäre eigentlich noch bis Ende September 2021 gelaufen; aus diesem Vertrag ist er nun rund zwei Jahre vorher ausgestiegen. Wolfs Weggang wurde vom Beitragsservice nicht, etwa über eine Pressemitteilung, bekannt gegeben. Bis zum Zeitpunkt, zu dem ein Nachfolger die Geschäftsführung der in Köln ansässigen Einrichtung übernimmt, ist jetzt übergangsweise Claudia Seifert verantwortlich. Sie ist die stellvertretende Geschäftsführerin und leitet beim Beitragsservice außerdem den Geschäftsbereich ‘Operations’.

Stefan Wolf wechselt zu IT‑Dienstleister

Anfang Oktober 2011 hatte Stefan Wolf den Chefposten bei der damaligen GEZ übernommen. Der promovierte IT-Fachmann war seinerzeit Hans Buchholz als Geschäftsführer nachgefolgt. In Wolfs Amtszeit fiel die Umstellung der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender von der gerätebezogenen Rundfunkgebühr auf den allgemeinen Rundfunkbeitrag. Seit Anfang 2013 wird der Rundfunkbeitrag pro Wohnung erhoben; damals wurde auch die ‘Gebühreneinzugszentrale’ in ‘Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio’ umbenannt (vgl. FK-Heft Nr. 49/12).

Stefan Wolf, 51, arbeitet nun als Geschäftsführer der Informationsverarbeitung Leverkusen (IVL) GmbH. Das Unternehmen ist der IT-Dienstleister für die Stadt Leverkusen, die Energieversorgung Leverkusen und weitere öffentliche Einrichtungen. Bereits im März 2019 hatte der Leverkusener Stadtrat beschlossen, „Stefan Wolf zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum Geschäftsführer der IVL GmbH zu bestellen“. Bevor Wolf zur GEZ bzw. zum Beitragsservice kam, war er Geschäftsführer von Civitec, dem in Siegburg bei Bonn ansässigen Zweckverband für kommunale Informationsverarbeitung. Der Verband ist als IT-Dienstleister für mehr als 80 Städte, Gemeinden und Landkreise in Nordrhein-Westfalen tätig.

Zuständig für die Neubesetzung der Geschäftsführung beim Beitragsservice ist dessen Verwaltungsrat. Das 13-köpfige Gremium, das von WDR-Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau geleitet wird, hat entschieden, für die Suche nach einem Nachfolger eine Findungskommission zu bilden. Der Findungskommission gehören vier Personen aus dem Verwaltungsrat des Beitragsservice an. Dabei handelt es sich – wie die Pressestelle des Beitragsservice auf Nachfrage mitteilte – neben der Verwaltungsratsvorsitzenden Vernau noch um die drei stellvertretenden Gremiumsvorsitzenden Nina Hütt (Juristische Direktorin des HR), Karin Brieden (ZDF-Verwaltungsdirektorin) und Rainer Kampmann (Verwaltungs- und Betriebsdirektor des Deutschlandradios).

Personalberater eingeschaltet

Die Findungskommission hat beschlossen, für die Suche nach einem Nachfolger für Stefan Wolf die Personalberatungsfirma Egon Zehnder einzuschalten. Die Geschäftsführerstelle wurde außerdem im August innerhalb der öffentlich-rechtlichen Sender und auf einzelnen Jobportalen (etwa Xing) im Internet ausgeschrieben. Am 3. September endete die Frist zur Abgabe einer Bewerbung. Laut der Ausschreibung wird eine Person gesucht, die auch „mit Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit vertraut sein [sollte], um konstruktiv und vertrauensvoll mit dem Verwaltungsrat sowie mit den Rundfunkanstalten zusammenzuarbeiten und erfolgreich mit verschiedenen Stakeholdern im öffentlichen Raum zu interagieren“. Der Bewerbung musste unter anderem ein Motivationsschreiben beigefügt werden, warum man die Position übernehmen wolle.

Wann die Geschäftsführung beim Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio wieder regulär besetzt sein wird, ist offen. Es könnte noch einige Zeit dauern, bis eine geeignete Person gefunden ist, die den Beitragsservice leiten will, der in der medialen Öffentlichkeit teilweise auch scharfer Kritik ausgesetzt ist. Es wird wohl so sein, dass Claudia Seifert mehrere Monate übergangsweise an der Spitze der Einrichtung stehen wird. Da bereits im März 2019 feststand, dass Stefan Wolf den Beitragsservice verlassen wird, hätte die Suche nach einem Nachfolger möglicherweise auch schon früher beginnen können als erst im Sommer 2019. Fragen hierzu wollte der von Katrin Vernau geleitete Verwaltungsrat nicht beantworten: Man wolle „in einem laufenden Besetzungsverfahren keine näheren Angaben“ machen, hieß es zur Begründung.

Beim Beitragsservice arbeiten aktuell insgesamt knapp 1000 Mitarbeiter. Im Jahr 2018 nahm der Beitragsservice insgesamt 8,009 Mrd Euro aus dem Rundfunkbeitrag ein; davon entfielen auf die öffentlich-rechtlichen Sender 7,858 Mrd Euro (ARD-Anstalten: 5,635 Mrd, ZDF: 1,994 Mrd und Deutschlandradio: 229 Mio). Die übrigen 151 Mio Euro flossen den 14 Landesmedienanstalten zu, die aus einem kleinen Anteil am Rundfunkbeitrag finanziert werden und den privaten Rundfunk beaufsichtigen. Die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag stiegen 2018 im Vergleich zum Jahr 2017 (7,974 Mrd Euro) geringfügig um 35 Mio Euro an. Die Kosten für den Einzug des Rundfunkbeitrags durch den Beitragsservice haben sich 2018 auf insgesamt 173,5 Mio Euro belaufen. Dies entspricht einem Anteil von 2,17 Prozent an den Beitragseinnahmen in Höhe von 8,009 Mrd Euro.

19.09.2019 – Volker Nünning/MK