Hörspiel des Monats September: „Paartherapeut Klaus Kranitz“

15.10.2018 • Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat die zweite Staffel der Serie „Paartherapeut Klaus Kranitz – Bei Trennung Geld zurück“ zum Hörspiel des Monats September gewählt. Die Serie stammt von Jan Georg Schütte und Wolfgang Seesko, die dabei auch Regie führten. Die von Radio Bremen produzierte erste Staffel der Serie war im November vorigen Jahres im Programm Bremen Zwei zu hören (vgl. MK-Kritik). Die drei Folgen der zweiten Staffel wurden am 2., 16. und 30. September 2018 jeweils um 18.05 Uhr bei Bremen Zwei urgesendet (Folge 1: 54 Minuten, Folge 2: 52 Minuten, Folge 3: 50 Minuten). Die zweite Staffel produzierte Radio Bremen (Redaktion: Holger Rink, Lina Kokaly) zusammen mit dem Saarländischen Rundfunk (SR). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«Radio Bremen ist eine Serie gelungen, die sich wohltuend von aufwendigen und überbordenden Literaturadaptionen absetzt, die auf den Hörbuchmarkt getrimmt sind. In „Paartherapeut Klaus Kranitz“ werden mit Lust am Spiel und Freude an ironischer Brechung auf höchst unterhaltsame Weise die Tiefen und Tücken der heute vorfindbaren Form von Liebessemantik erkundet, die sich laut Niklas Luhmann „schwerer als jede frühere unter eine Leitformel bringen“ lässt. Jan Georg Schütte und Wolfgang Seesko haben dafür ein bestechend einfaches originäres Konzept sympathisch unprätentiös umgesetzt: Ein Paartherapeut sitzt zwei Menschen gegenüber, deren Probleme es in drei Sitzungen zu lösen gilt. Bei Trennung Geld zurück!

Die ideenreichen Anfänge machen sofort Lust aufs Weiterhören: In Teil 1 dieser zweiten Staffel fährt das ältere Ehepaar Just im Taxi zu Paartherapeut Klaus Kranitz, weil die Tochter es so bestimmt hat. Eigentlich wissen sie nicht so recht, was sie dort sollen, doch als er ruppig über Bremen meckert und sie es doch „ganz schön hier“ findet, erahnt man das große Konfliktpotenzial. In Teil 2 laufen die unverheirateten jungen Leute Rudolf und Fique zu Fuß zur Praxis Kranitz. Sie sind eigentlich ein perfektes Paar, aber genau das ist ihr Problem! Sie wollen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und für das üben, was eintreten könnte. In Teil 3 fährt das smartphonesüchtige und der direkten Kommunikation entfremdete Ehepaar Hüttenschmitt im eigenen Auto zu einer Adresse, von der die Frau annimmt, dass es sich um ein Restaurant handelt. „Überraschung“, sagt ihr Mann, als sie vor der Praxis Kranitz halten. „Hunger“, sagt sie, was das Denken unterminiert. So wie ständiges Spielen mit dem Handy.

Der Zauber dieser Serie aber besteht in ihrer großen Nähe zur Tradition des Live-Hörspiels und einem damit verbundenen Ansatz, der die Darstellerinnen und Darsteller als Persönlichkeiten zum Strahlen bringt. Der Dialog und die Szenerie entstehen in freier Improvisation, mit beklemmenden Stockungen und spontanen Ausbrüchen, die sich als teils entzückend, teils quälend miterleben lassen. Das stellt manch sorgfältig vom Blatt gestaltete Lesekunst in den Schatten, gerade weil es stets sehr komisch ist, in vielen wunderbaren und oft auch irrwitzigen Wendungen in jeder Sitzung doch auch um sehr ernsthafte und gegenwärtige Probleme und Konflikte geht.»

Eine lobende Erwähnung „im Sinne eines zweiten Preises“ sprach die Jury im Monat September für das Stück „Auf einem einzigen Blatt Papier“ aus. Autorin dieses vom Bayerischen Rundfunk (BR) produzierten Hörspiels ist Mirna Funke, inszeniert wurde das 54-minütige Stück von Stefanie Ramb. Die Jury schreibt dazu, sie wolle mit „Auf einem einzigen Blatt Papier“ ein Werk würdigen, „in dem schlicht und präzise eine faszinierende, komplexe Geschichte erzählt“ werde. Dabei entstehe „das Bild einer beunruhigen Persönlichkeitsstörung, die in der Kindheit wurzelt, und zugleich als Sinnbild für die Sehnsucht Israels gehört werden kann, seine traumatische Vergangenheit hinter sich zu lassen, um sich immer wieder neu zu erfinden“. Das Stück wurde am 24. September um 20.05 Uhr im Programm Bayern 2 erstausgestrahlt.

15.10.2018 – MK

Print-Ausgabe 23/2018

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