Hörspiel des Monats Mai: „Guter Rat – Ringen um das Grundgesetz“

17.06.2019 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat die Produktion „Guter Rat – Ringen um das Grundgesetz. Aus den Protokollen des Parlamentarischen Rates 1948-49“ zum Hörspiel des Monats Mai gewählt. Es handelt sich dabei um eine achtteilige dokumentarische Serie um die Entstehung des Grundgesetzes vor 70 Jahren. Die Texte zu dieser gemeinsamen Produktion von WDR (federführend), Deutschlandfunk und Bayerischem Rundfunk (BR) stammen von Terézia Mora, Özlem Özgül Dündar, Georg M. Oswald und Frank Witzel. Die Hörspielbearbeitung besorgten Phillip Stegers und Benjamin Quabeck; Regie führten Annette Kurth, Petra Feldhoff, Claudia Johanna Leist, Thomas Leutzbach und Benjamin Quabeck (Dramaturgie: Martina Müller-Wallraf und Hannah Georgi, beide WDR).

Die dokumentarische Serie „Guter Rat – Ringen um das Grundgesetz“ wurde im Mai zumeist in Doppelfolgen in den Kulturradioprogrammen der ARD ausgestrahlt; sie ist weiterhin unter anderem in der ARD-Audiothek abrufbar. Der Deutschlandfunk sendete am 23. Mai ab 0.00 Uhr alle acht Folgen hintereinander. Die einzelnen Folgen dauern jeweils knapp eine halbe Stunde. Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«Von den Vätern und Müttern des Grundgesetzes lernen? Dieses schwierige Unterfangen gelingt dem dokumentarisch-erzählerischen Hörspiel in beeindruckender Weise. Gestaltet als Mehrteiler in acht Folgen, verknüpft es zwei Ebenen: wortgetreue Transkriptionen der Beratungsgespräche und literarisch-künstlerische Texte heutiger Autorinnen und Autoren wie Terézia Mora, Georg M. Oswald, Özlem Özgül Dündar und Frank Witzel. „Guter Rat“ präsentiert auf diese Weise acht Perspektiven auf die Gegenwartsbedeutung der damaligen Leistung: „Berufung auf Gott“, „Parlament und Volksentscheid“, „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, „Die Rechte unehelicher Kinder“, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, „Eine Zensur findet nicht statt“, „Deutschland in Europa“ und „Das Wahlrecht“.

Die Serie zeigt, wie hart das Ringen um Verfassungsbegriffe wie „Einigkeit“, „Recht“ und „Demokratie“ war – eine bleibende Mahnung für die heutige Zeit. Hierbei werden Sätze, Begriffe und Aussagen des Grundgesetztextes auf all ihre Schattierungen und ihren tiefsten Sinngehalt hin abgeklopft. Berückend ist die Mischung von Originaltönen mit musikalischen Untermalungen, den aktuellen Gegenwartsstimmen und den nachgesprochenen Sequenzen. So entsteht keine ermüdende Geschichtsstunde, sondern sowohl ästhetisch als auch informativ gewinnbringende Unterhaltung. Selbst Menschen, für die eine Beschäftigung mit diesem Material nicht alltäglich ist, werden „Guter Rat – Ringen um das Grundgesetz. Aus den Protokollen des Parlamentarischen Rates 1948-49“ als spannend und unterhaltsam empfinden. Demokratiebildung im besten Sinne: eindringlich, elegant und ausgesprochen gut inszeniert.

Erkennbar basierend auf intensiven Auswertungen der erhaltenen Protokollbände des Parlamentarischen Rats ist ein großartiges historisches Dokumentarstück entstanden, das zugleich auch als ein wichtiges Gegenwartshörspiel die Lebendigkeit der Texte und Inhalte des Grundgesetzes nachdrücklich zu Ohren und vor Augen führt. Es pointiert die Rolle der damaligen Akteure durch originale Tondokumente im Wechsel mit inszenierten Szenen, gesprochen von heutigen Schauspielern, um die Erinnerung an komplexe Entscheidungsprozesse bewahren zu können. Verantwortet von den fünf Regisseurinnen und Regisseuren Annette Kurth, Petra Feldhoff, Claudia Johanna Leist, Thomas Leutzbach und Benjamin Quabeck überzeugt „Guter Rat – Ringen um das Grundgesetz“ zum 70. Jubiläum durch eine geschickte Auswahl der historischen Textdokumente und eine erstaunlich abwechslungsreich gefärbte Inszenierung.»

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury im Mai für Esther Kinskys erstes Originalhörspiel „Stein, Stiel, Schlehe“ aus, das, so die Begründung, „die kristalline Schönheit von Sprache mit großer Bedachtsamkeit und kreativer Intensität in Bezug zu Naturthemen und ihren immerwährenden Wandlungs- und Verfallsprozessen setzt“. „Stein, Stiel, Schlehe“ wurde unter der Regie von Jens Bluhm vom Bayerischen Rundfunk produziert; die Erstsendung des 51 Minuten langen Stücks („Hörspiel über das Entgleiten der Welt“) erfolgte am 5. Mai um 15.05 Uhr im Programm Bayern 2. Esther Kinsky, geboren 1956 in Engelskirchen im Bergischen Land, ist Schriftstellerin und literarische Übersetzerin. Sie war lange in London, nun lebt sie in Berlin. Für ihre Werke wurde sie unter anderem mit dem Paul-Celan-Preis (2009), dem Franz-Hessel-Preis (2014), dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (2016) und dem Preis der Leipziger Buchmesse (2018) ausgezeichnet.

17.06.2019 – MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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