USA: Neue Technologie für individualisierte Fernsehwerbung

07.03.2018 • Wer regelmäßig die Webseiten von Google und Facebook besucht, ist es gewohnt, speziell von Algorithmen auf seine Interessen zugeschnittene Werbung zu finden. Die Suche nach einem bestimmten Feriengebiet kann zum Beispiel auslösen, dass auf dem Computerbildschirm eine Woge von Hotelwerbung eingespielt wird. Das herkömmliche Fernsehen und vor allem das Regionalfernsehen sehnen sich seit langem danach, Werbekunden ähnlich zielgerichtete, individuelle Schaltungen anbieten zu können, wie es die Internet-Giganten tun. Dieser Traum der Werbeanbieter und gleichzeitige Albtraum des gewöhnlichen Fernsehzuschauers kann nun in den USA bald Wirklichkeit werden, nachdem die Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) Ende 2017 die Verbreitung einer neuen Technologie genehmigt hat. Das Ausspionieren des individuellen Such- und Sehverhaltens des Fernsehzuschauers scheint bevorzustehen.

Der neue TV-Standard heißt in der technischen Abkürzung ATSC 3.0 oder in griffigerer Verschlagwortung „Next Gen TV“ und er ermöglicht eine ganze Reihe von neuen Leistungen, darunter Interaktivität, Qualitätsverbesserungen bei Bild und Ton und eben auch die Einführung individuell gezielter Fernsehwerbung. Befürworter dieser Technologie weisen vor allem darauf hin, dass dadurch den bisher bei der Werbung benachteiligten Regional- bzw. Lokalsendern eine Möglichkeit eröffnet werde, mit der Welt des Internets gleichzuziehen. Der der demokratischen Partei nahestehenden Teil der FCC-Mitglieder hält die Schaffung der dazu notwendigen Voraussetzungen für ein unerlaubtes Eindringen in die Privatsphäre des Fernsehzuschauers und stimmte deshalb dagegen, die Genehmigung für die neue Technik zu erteilen. Doch die Demokraten blieben damit in der Minderheit.

Jeffrey Chester, Executive Director des „Center for Digital Democracy”, warf Presseberichten zufolge der FCC vor, keine wesentlichen Barrieren zu errichten, um die Fernsehkonsumenten vor negativen Auswirkungen des Next Gen TV zu schützen. Die FCC, so Chester, habe Amerikaner, die mit der neuen Technik Fernsehen schauten, „vor ein hohes Risiko gestellt, soweit es um ihre Privatsphäre geht“. Dennis Wharton, der Sprecher für die National Association of Broadcasters, weist die Bedenken zurück. Seiner Überzeugung nach wird „der neue Standard dem Fernsehgerät der Zukunft nicht erlauben, den TV-Veranstaltern auf magische Weise demografische Informationen über den Kunden zuzuspielen“. Wer Recht hat, wird sich sicher bald herausstellen.

07.03.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 25-26/2018

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