„Sie hören gerade DDR“

Stephan Detjen: In den späten 70er, frühen 80er Jahren wird Christan Schwarz-Schilling zum Medienpolitiker. Es ist der Beginn einer Kommunikationsrevolution. Erklären Sie uns zunächst mal: Was war Medienpolitik damals in den 70er, frühen 80er Jahren?

Christian Schwarz-Schilling: Nun, der Öffentlich-Rechtliche hatte sich mehr und mehr zu einem dogmatischen, ideologisch bestimmten Medium entwickelt. Also im Grunde genommen diese ganzen Sendungen, also Talkshows und entsprechende Dinge wie „Monitor“, wie sie alle hießen, waren linksgewirkt. Und ich bin ja im ZDF in den Fernsehrat gegangen – es war übrigens auch durch Helmut Kohl, der mich darum gebeten hat –, und wir haben festgestellt, dass wir große Schwierigkeiten hatten, die Ausgewogenheit in unserem eigenen Sender hinzubekommen. Denn da gab es im Grunde genommen auf der einen Seite den Löwenstein – das war also der sehr scharf Konservative [gemeint ist Gerhard Löwenthal; MK-Red.] –, und dann gab es den Herrn Schwarze, „Kennzeichen D“, aber noch eine große Anzahl von anderen, so dass wir also auch dort noch sozusagen sehr hart arbeiten mussten, Ausgewogenheit zu haben.

Stephan Detjen: Ja, das war ja die Balance, die damals…

Christian Schwarz-Schilling: Aber ich konnte sie ja nicht zwischen…

Stephan Detjen: …überall von allen Seiten hergestellt wurde. Und auch in der ARD im Bereich der Landesrundfunkanstalten…

Christian Schwarz-Schilling: Ja, nee, bei der ARD eben nicht.

Stephan Detjen: …da gab es den WDR, da gab es aber auch einen Bayerischen Rundfunk.

Christian Schwarz-Schilling: Ja, das war der eine Rundfunk. Die anderen waren sehr, sehr genau mit sich verbandelt. Das war also vom Hessischen Rundfunk, vom WDR, das waren ja ganz gewichtige Sender. Da hatten Sie manchmal wirklich den Eindruck, wenn Sie da das Ding angestellt haben, Sie hören gerade DDR. Also, es war ja katastrophal. Das war wirklich Rotfunk, wie er im Buche steht.

Aus einem am 22. Februar 2018 in der Deutschlandfunk-Sendung „Zeitzeugen im Gespräch“ ausgestrahlten Interview, das Chefkorrespondent Stephan Detjen mit dem früheren Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) geführt hat. Schwarz-Schilling sorgte mit seiner Anfang der 1980er Jahre forcierten Politik der Verkabelung von westdeutschen Haushalten mit dafür, dass hierzulande privat-kommerzielles Fernsehen eingeführt werden konnte.

23.02.2018 – MK