USA: Frauen im Führungsbereich von Film und Fernsehen

28.06.2019 •

Neben der im nächsten Jahr stattfindenden Präsidentschaftswahl und der Frage, ob Donald Trump im Amt bleibt oder abgewählt wird, gibt es in den USA derzeit kein Thema, das die Gemüter so erregt wie die Diskussion um die gleiche Berücksichtigung von Frauen und von Minoritäten bei der Besetzung hochkarätiger Positionen in Politik, Wirtschaft und Kultur. Nicht zuletzt die Skandale (Stichwort: „MeToo“) um Harvey Weinstein, Kevin Spacey, Charlie Rose und andere in den USA bekannte Persönlichkeiten haben die Diskussion in weithin sichtbarem Maß auch in die Produktionsstätten von Film und Fernsehen getragen.

Immer größere Unsicherheit im Umgang mit der offensichtlichen Ungleichheit in der Besetzung von Toppositionen, die fast überall von weißen Männern eingenommen werden, hat sich breit gemacht. So tut sich zum Beispiel das Hollywood-Studio Warner Bros. bis zum heutigen Tag schwer damit, eine Person zu finden, die den im Gefolge der „MeToo“-Debatte im März dieses Jahres zurückgetretenen Geschäftsführer Kevin Tsujihara ersetzt. Alle Augen sind deshalb auch auf das multinationale Entertainment-Konglomerat Warner Media gerichtet, das neuerdings wie Warner Bros. Bestandteil des mächtigen AT&T-Konzerns ist.

Unschlüssigkeit und Augenwischerei

Seit Monaten schon beteuern führende Manager von Warner Bros. und Warner Media ihren Willen, alles Erdenkliche tun zu wollen, um die Gleichbehandlung in ihren Unternehmen zu fördern. Dies ist bisher erst einmal eine Bekundung des guten Willens und soll dabei wohl so etwas sein wie ein Aushängeschild für die Öffentlichkeit. Es ist aber gleichzeitig auch eine Bekräftigung der Unschlüssigkeit, wie in der Branche mit den gesellschaftlichen Umwälzungen der jüngsten Zeit umgegangen wird. In der Praxis sieht es dann bei Warner so aus: Statt ernst zu machen bei der Besetzung einer Spitzenposition mit einer qualifizierten Frau – und es gibt in der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie genügend solcher Frauen –, schuf man nun einen neuen Posten, auf dem eine Frau die zukünftige gleichberechtigte Miteinbeziehung weiblichen Führungspersonals überwachen soll.

Christy Haubegger, die 14 Jahre lang für die Talentagentur Creative Artists Agency tätig war, wurde mit der ebenso schwierigen wie undankbaren Aufgabe bedacht. Niemand weiß so recht, was ihre Befugnisse innerhalb des Warner-Konzerns sind und wie sie ihr Mitspracherecht durchsetzen soll. Aber die Maßnahme lässt sich dann für das Unternehmen gut verkaufen im Umfeld einer öffentlichen Kampagne, die ihr berechtigtes Anliegen gerade in der Unterhaltungsindustrie mit viel Geräusch und nicht immer gutem Fingerspitzengefühl zu vertreten weiß.

Warner Media ist eines der umfang- und einflussreichsten Unternehmen in der Film- und Fernsehbranche. Ihm gehören die Sender HBO, CNN, TNT, TBS und Cartoon Network, das traditionsreiche Hollywood-Studio Warner Bros. und viele andere Firmen, deren Programme und Produkte zum täglichen Konsumpensum des amerikanischen Publikums zählen. Die Zaghaftigkeit, mit der ein Konzern dieser Größenordnung mit dem Problem der Diversität in den eigenen Führungsetagen umgeht, ist bezeichnend für das korporative Amerika. Das Ganze sieht mehr nach Augenwischerei aus als danach, dass man Warner-Media-Chef John Stankey glauben könnte, als er meinte, der neue Posten im Konzern sei „eine strategische Investition in eine wirklich inklusive Kultur“. Und es bleibt nun abzuwarten, wer dem zurückgetretenen Geschäftsführer Kevin Tsujihara bei Warner Bros. wohl nachfolgen wird.

28.06.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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