USA: Fernsehpublikum an Politikerdebatten interessiert

15.08.2019 •

Im Jahr 1960 standen sich in den USA zum ersten Mal zwei Kandidaten für das Amt des amerikanischen Präsidenten vor Fernsehkameras gegenüber: John F. Kennedy und Richard Nixon. Seitdem gehören die TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten zum regelmäßigen und wichtigsten Instrument der Parteien vor einer Präsidentenwahl. Inzwischen sind es nicht nur die endgültigen Kandidaten, die sich solchen Debatten stellen, sondern zuvor auch sämtliche Anwärter der politischen Parteien, die sich Chancen im Wettbewerb um eine Präsidentschaftsnominierung ausrechnen.

In den vergangenen Wochen waren es nicht weniger als 20 demokratische Präsidentschaftskandidaten, die in mehreren Debatten um die Gunst der Wähler feilschten. Deren Zahl wird sich in den kommenden Wochen in weiteren Debatten mehr und mehr reduzieren. Wer am Ende den Sieg davonträgt und nächstes Jahr am 3. November gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten antreten wird – der aller Voraussicht nach wieder Donald Trump heißt, der seit Januar 2017 der 45. Präsident der Vereinigten Staaten ist –, entscheidet in den einzelnen Bundesstaaten dann das Volk, und zwar in den sogenannten „Presidential Primaries“, den Vorwahlen zur US-Präsidentschaftswahl. Sie werden von Februar bis Juni 2020 stattfinden.

Broadcast-Networks vs. Kabelsender

Über die vergangenen Jahrzehnte hin hat sich in den USA nicht nur eine Tradition dieser Fernsehdebatten herausgebildet, sondern auch eine Art Wettbewerb der Broadcast- und Kabelnetworks um die Live-Übertragung dieser Debatten. Obwohl deren Einschaltquoten mit den erfolgreichsten Unterhaltungsangeboten der Sender oft nicht mithalten können, liegen sie doch regelmäßig im oberen Bereich der vom Forschungsunternehmen Nielsen Research ermittelten Zuschauerzahlen. Die Debatte von mehreren demokratischen Präsidentschaftskandidaten am 27. Juni dieses Jahres in Miami zum Beispiel hatte bei den ausstrahlenden Networks NBC, MSNBC und Telemundo insgesamt 18,1 Mio Zuschauer; die vom Kabel-Nachrichtensender CNN übertragene weitere Debatte demokratischer Präsidentschaftsbewerber am 31. Juli aus Detroit sahen 10,8 Mio Menschen.

Es ist üblich, dass Programme der Broadcast-Networks mehr Zuschauer erreichen als inhaltlich ähnliche Sendungen der Kabelsender. Bei einem Quotenvergleich zeigt sich aber dennoch, wie wichtig diese Politikerdebatten auch für die Kabelprogramme sind. So gelang es zum Beispiel CNN nicht zuletzt mit Hilfe dieser politischen Debatte, in die Spitzengruppe aller TV-Networks vorzustoßen – gleich nach NBC und ABC – und unter den Kabelnetworks eine seit neun Wochen anhaltende Führungsposition des Fox News Channels zu beenden. Sogar ein Spitzenprogramm wie die NBC-Sendung „America’s Got Talent“ (in Deutschland läuft dieses Casting-Format bei RTL unter dem Titel „Das Supertalent“) musste Zuschauer an die Debatten-Übertragungen abgeben und erreichte nur 8 Mio Zuschauer, 21,3 Prozent weniger als die 10,1 Mio in der debattenlosen Vorwoche.

15.08.2019 – Ev/MK