Die „Tagesthemen“-Kommentar-Hitliste 2017

26.01.2018 • Und hier ist sie wieder, die wunderbare Hitliste der „Tagesthemen“-Kommentatoren, das geliebte Ritual, das uns die ARD, die akkurat darüber Statistik führt, jährlich ermöglicht. Seit fast 20 Jahren druckt die FK/MK die Hitliste, begleitet von einem kleinen Analyse-Text, an dieser Stelle ab. Nun also für das Jahr 2017.

Und beginnen wir diesmal hiermit: Es sprachen im vorigen Jahr, was die absolute Anzahl angeht, so viele Frauen wie noch nie Kommentare in den „Tagesthemen“. Es gab 31 Frauen und 44 Männer, die kommentierten (Gesamtzahl also: 75). Im Jahr 2016 steuerten 30 Frauen Kommentare bei, 2017 stieg die Zahl also leicht um eins. Prozentual bedeutet das, 2017 lag der Anteil der Frauen bei 41,3 Prozent. 2016 betrug dieser Anteil 40,5 Prozent (von 2011 bis 2015 lag der Frauenanteil bei jeweils rund einem Drittel).

Eine wirkliche Verbesserung beim Frauenanteil gab es somit im vergangenen Jahr nicht. Das zeigt sich bei der Anzahl der „Tagesthemen“-Kommentare, die im Jahr 2017 bei insgesamt 218 lag. Von diesen 218 Beiträgen sprachen die Männer insgesamt 136, die Frauen 82 Kommentare. Der Anteil der von Frauen gesprochenen Kommentare belief sich damit 2017 auf 37,6 Prozent – was bedeutet, dass dieser Wert gegenüber 2016 gesunken ist, als er bei 38,8 Prozent lag, dem bis dahin und nun weiterhin höchsten prozentualen Wert. In den Jahren 2015 und 2014 sprachen Frauen jeweils ein Drittel der Kommentare. (Bei alldem ist natürlich zu berücksichtigen, dass das Sprechen von „Tagesthemen“-Kommentaren, so ist anzunehmen, primär danach vergeben wird, wer für die jeweilige Thematik die beste Expertise vorweist, unabhängig ob Mann oder Frau.)

Die Gesamtzahl der Kommentare war im Jahr 2017 mit der genannten Anzahl von 218 die höchste seit 2005, als es 219 Kommentare gab (im Jahr 1998 waren es 247). Mit insgesamt 75 kommentierenden Personen gab es 2017 vermutlich die höchste Anzahl von verschiedenen Sprecherinnen und Sprechern.

Gefühlt wird im Fußball immer Bayern München deutscher Meister. Beim ARD-Meinungssport „Tagesthemen“-Kommentar ist es so, dass immer ein Mann vorne liegt, und zwar nicht nur gefühlt, denn Zahlen lügen nicht. Im Jahr 2017 war es Thomas Baumann (MDR), seit Juli 2016 stellvertretender Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios, der die meisten Kommentare sprach, nämlich 13. Auf Platz 2 liegt Christian Nitsche, seit April 2017 neuer (trimedialer) Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks (BR), mit 10 Kommentaren. Den dritten Rang belegen gemeinsam Tina Hassel (WDR), Chefredakteurin des ARD-Hauptstadtstudios, und ARD-Chefredakteur Rainald Becker (SWR) mit je 9 Kommentaren. Tina Hassel ist damit die Frau, die 2017 die meisten Kommentare gesprochen hat – wie auch schon 2016. Rainald Becker hatte übrigens von 2012 bis 2015 die Kommentar-Tabelle viermal in Folge angeführt.

Beim WDR gab es 2017 wie im Jahr davor erneut mehr „Tagesthemen“-Kommentare von Frauen als von Männern; es kommentierten 9 Frauen und 7 Männer (2016: 11 bzw. 10). Im Jahr 2017 sprachen die 9 Frauen 33 und die 7 Männer 22 Kommentare; die Frauen des Senders haben damit 50 Prozent mehr Kommentare gesprochen als die Männer. Für den WDR kommentieren insbesondere auch Journalistinnen in Leitungsfunktionen: Tina Hassel ist, wie erwähnt, Chefredakteurin des ARD-Hauptstadtstudios, Sonia Mikich (4 Kommentare) ist Fernsehchefredakteurin des WDR.

Bei den Sendern liegt wie zuletzt immer auch 2017 wieder der große WDR ganz vorne, diesmal mit insgesamt 55 Beiträgen, was allerdings deutlich weniger sind als 2016, als es 64 waren (somit gab es für den WDR einen Rückgang um 14 Prozent). Auf dem zweiten Rang liegt diesmal der NDR, der seine Kommentaranzahl dabei deutlich von 25 (2016) auf 42 (2017) und damit um 68 Prozent steigern konnte. Knapp hinter dem NDR liegt mit 41 Beiträgen auf Rang 3 der SWR, der im Jahr 2016 mit 44 Kommentaren Zweiter war.

Der RBB konnte im Jahr 2017 die Anzahl seiner Kommentare verdoppeln (von 7 auf 14). Es gab beim RBB drei Frauen und drei Männer, die Kommentare sprachen; die drei Männer sprachen dabei insgesamt 9 Kommentare, von den drei Frauen aber stammten nur 5 Beiträge. Für den Hessischen Rundfunk (HR) reduzierte sich die Anzahl der Kommentare um 43 Prozent (von 14 in 2016 auf 8 in 2017). Beim HR sprachen keine Sprecherin und kein Sprecher mehr als zwei Kommentare, es ragt also bei dem Sender nach dem Abschied von HR-Chefredakteur Alois Theisen, der 2016 insgesamt 6 Kommentare sprach, niemand mehr diesbezüglich heraus.

Theisen ging 2017 in den Ruhestand, ebenso wie der stets kommentarfreudige Siegmund Gottlieb (BR), der 2016 mit 12 Beiträgen noch die Hitliste angeführt hatte (vgl. diesen MK-Artikel) und der in seinem Abschiedsjahr am 6. Februar 2017 noch einen (letzten) „Tagesthemen“-Kommentar sprach; er endete mit den Worten: „Ist denn das so schwer zu begreifen?“ Seit Juli 2107 arbeitet Gottlieb für eine Kommunikationsberatungsfirma (vgl. MK-Meldung).

Für den Saarländischen Rundfunk (SR), den zweitkleinsten ARD-Sender, sprach 2017 ein Mann sämtliche Kommentare, und zwar Norbert Klein (insgesamt 5). Es gibt derzeit beim SR also keine „Tagesthemen“-Kommentatorin, und das ist schon seit einigen Jahren so. Radio Bremen, die kleinste Landesrundfunkanstalt der ARD, lieferte 2017 wie auch 2016 keinen einzigen Kommentar und liegt damit in der Sendertabelle auf dem letzten Rang.

Zusammenfassend bleibt es unter dem Strich dabei: So wie die TSG Hoffenheim von 1899 noch niemals deutscher Fußballmeister wurde, so stand auch noch nie, seit es die Kommentare in den ARD-„Tagesthemen“ gibt, eine Frau an der Spitze der Kommentar-Hitliste. Aber Letzteres dürfte womöglich eher passieren, als dass Bayern München nicht deutscher Fußballmeister wird. Tina Hassel war 2017 Dritte, 2016 Zweitplatzierte in der „Tagesthemen“-Kommentar-Hitliste. Drücken wir also Tina Hassel die Daumen für 2018!

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• Die Kommentare in den ARD-„Tagesthemen“ 2017:

Platzierung 2017 nach Kommentatorinnen und Kommentatoren

1. Thomas Baumann (MDR) – 13 Kommentare

2. Christian Nitsche (BR) – 10

3. Tina Hassel (WDR) – 9

– Rainald Becker (SWR) – 9

5. Ellen Ehni (WDR) – 6

– Robin Lautenbach (RBB) – 6

– Holger Ohmstedt (NDR) – 6

8. Natalie Amiri (BR) – 5

– Gabi Kostorz (NDR) – 5

– Andreas Bachmann (BR) – 5

– Norbert Klein (SR) – 5

– Oliver Köhr (MDR) – 5

– Georg Restle (WDR) – 5

– Michael Stempfle (SWR) – 5

– Michael Strempel (WDR) – 5

16. Marie-Kristin Boese  (SWR) – 4

– Claudia Buckenmaier (NDR) –  4

– Sonia Mikich (WDR) – 4

– Isabel Schayani (WDR) – 4

– Markus Preiß (WDR) – 4

– Andreas Cichowicz (NDR) – 4

– Stefan Niemann (NDR) – 4

23. Florian Meesmann (MDR) – 3

– Eva Lodde (NDR) – 3

– Thomas Berbner (NDR) – 3

– Anna Kyrieleis (RBB) – 3

– Esther Saoub (SWR) – 3

– Ute Brucker (SWR) – 3

– Clemens Bratzler (SWR) – 3

– Monika Wagener (WDR) – 3

– Detlef Flintz (WDR) – 3

32. – Brigitte Abold (BR) – 2

– Kirstin Girschick (BR) – 2

– Thomas Hütsch (HR) – 2

– Thomas Kreutzmann (HR) – 2

– Julia Krittian (MDR) – 2

– Stefan Raue (MDR) – 2

– Annette Dittert (NDR) – 2

– Klaus Scherer (NDR) – 2

– Thorsten Hapke (NDR) – 2

– Volker Steinhoff (NDR) – 2

– Matthias Deiß (RBB) – 2

– Sabrina Fritz (SWR) – 2

– Christian Thiels (SWR) – 2

– Frank Bräutigam (SWR) – 2

– Philipp Sohmer (SWR) – 2

– Fritz Frey (SWR) – 2

– Ina Ruck (WDR) – 2

– Marion van Haaren (WDR) – 2

– Sabine Rau (WDR) – 2

– Udo Grätz (WDR) – 2

– Jochen Leufgens (WDR) – 2

52. Tim Herden (MDR) – 1

– Marcus Bornheim (BR) – 1

– Michael Schramm (BR) – 1

– Siegmund Gottlieb (BR) – 1

 – Ellis Fröder (WDR) – 1

– Udo Lielischkies (WDR) – 1

– Esther Schapira (HR) – 1

– Jörg Rheinländer (HR) – 1

– Michael Immel (HR) – 1

– Alois Theisen (HR) – 1

– Friederike Sittler (RBB) – 1

– Griet von Petersdorff (RBB) – 1

– Reinhard Borgmann (RBB) – 1

– Tamara Anthony (NDR) – 1

– Hanni Hüsch (NDR) – 1

– Ariane Reimers (NDR) – 1

– Björn Staschen (NDR) – 1

– Jan Strozyk (NDR) – 1

– Gigi Deppe (SWR) – 1

– Ulla Fiebig (SWR) – 1

– Kristina Bröker (SWR) – 1

– Daniel Hechler (SWR) – 1

– Kai Gniffke (SWR) – 1

 

Platzierung 2017 nach Sendern

1. WDR:              55 (2016: 64)

2. NDR:               42 (2016: 25)

3. SWR:              41 (2016: 44)

4. BR:                 27 (2016: 36)

5. MDR:              26 (2016: 21)

6. RBB:               14 (2016:  7)

7. HR:                   8 (2016: 14)

8. SR:                   5 (2016:  3)

9. Radio Bremen: 0 (2016:  0)

Gesamt:          218 (2016: 214)

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(Quelle für die Zahlen: ARD-Programmdirektion, München)

26.01.2018 – da-vn/MK

Print-Ausgabe 16/2018

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