„Lindenstraßen“-Fans

«Mein größtes Problem aber war: In der Öffentlichkeit war ich auf einmal bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund und konnte kaum irgendwo in Köln hingehen, ohne dass es hieß: „Guck mal, das ist doch die aus der ‘Lindenstraße’!“ Denn natürlich kannte niemand meinen echten, höchstens den Rollennamen. Trotzdem musste ich dann einen Bierdeckel, Unterarm oder sonst was signieren und – in den Arm genommen von einem glücklichen Fan – für die Digitalkamera posieren. Überhaupt sind Fans ja eine merkwürdige Spezies. Ich erinnere mich an eine Szene beim jährlichen WDR-Sommerfest auf dem Studiogelände in Köln-Bocklemünd. Tausende spazierten durch die potemkinschen Außenfassaden der „Lindenstraße“ und warfen ehrfürchtige Blicke in die Produktionshalle, deren Seitentore aufgeschoben waren, so dass man etwas von den aufgebauten Kulissenwohnungen sehen konnte. Draußen neben der Halle saß ich mit ein paar Schauspielern an einem Tisch, wir gaben Autogramme. Ein älteres Ehepaar näherte sich vorsichtig und fragte höflich: „Da ist doch jetzt eine Wohnung frei, die Bennarschs sind ja ausgezogen. Können wir da vielleicht einziehen?“»

Susanne Memarnia, die 17 Jahre lang in der ARD-Serie „Lindenstraße“ (WDR) die Rolle der Beate Flöter spielte, in der „taz“ vom 19. November 2018 in einem Rückblick auf diese Zeit. Die frühere Schauspielerin ist heute Redakteurin im bei der „taz“. Anlass ihres Textes über die „Lindenstraße“ ist, dass der WDR am 16. November bekannt gab, die seit über 30 Jahren laufende Serie werde im Frühjahr 2020 eingestellt.

19.11.2018 – MK

Print-Ausgabe 24/2018

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