Grundversorgung heißt nicht Mindestversorgung

06.08.2018 •

06.08.2018 • «Die ARD ist derzeit exakt so groß, wie sie vom Gesetzgeber beauftragt wurde. Unsere Aufgabe besteht darin, das ganze Bild, das gesamte Spektrum der Themen und Meinungen im Land zu zeigen. Wer den Rundfunk in seinem Auftrag verändern will, muss streng darauf achten, dass er auch künftig die verfassungsrechtlich vorgegebenen Aufgaben erfüllen kann. Bei den aktuellen Überlegungen im Länderkreis, den Auftrag für Sport und Unterhaltung einzuschränken, wäre diese Grenze meines Erachtens klar überschritten.

Grundversorgung heißt nicht Mindestversorgung, das hat auch das Bundesverfassungsgericht immer wieder betont. Aus gutem Grund: Es kann nicht im gesellschaftlichen Interesse liegen, dass sich ARD, ZDF und Deutschlandradio darauf beschränken müssen, die Lücken und Nischen zu füllen, die kommerzielle Anbieter nicht abdecken, weil sie damit kein Geld verdienen können. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk alle Menschen erreichen will und erreichen soll, dann gehören Sport und Unterhaltung genauso dazu wie Bildung, Kultur und Information. Die große Mehrheit der Bevölkerung erwartet und schätzt zudem Unterhaltung und Sport bei uns im Programm – das hat auch die jüngste Fußball-WM wieder gezeigt. Fakt ist: Die Akzeptanz unseres Angebots ist unverändert hoch.

Ja, die ARD muss sich verändern. Neue Inhalte, mehr Publikumsdialog, auch Selbstkritik, weiteres Sparen – all das nehmen wir in Angriff. Doch die Grundgedanken – journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit, das Aufrechterhalten einer Gesamtöffentlichkeit – bleiben die Rezepte der Zukunft. Deshalb kämpfe ich für den Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, gerade im rasanten, technikgetriebenen Wandel der Digitalisierung.»

Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm (BR-Intendant) in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Der Tagesspiegel“ (Berlin), Ausgabe vom 5. August 2018

06.08.2018 – MK

Print-Ausgabe 15/2020

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