Wenn durch die Medien der Eindruck entsteht, dass es keine Komikerinnen in Deutschland gibt

Waltraud Schwab („taz“): Seit zwölf Jahren machen Sie die „Ladies Night“ im Fernsehen. Sie sagten mal, das Publikum könne bei „Ladies Night“ etwas lernen. Was?

Gerburg JahnkeMan kann lernen, dass es viele Frauen gibt, die unterschiedliche Dinge tun und ihre Kunst unterschiedlich verstehen. Dieser Lernvorgang gilt vor allem für Journalisten und Veranstalter.

Waltraud Schwab:Warum?

Gerburg Jahnke: Eine der Fragen, die mir oft gestellt werden: Warum gibt es so wenige witzige Frauen in Deutschland? Am Anfang habe ich noch einigermaßen höflich reagiert, aber zuletzt habe ich die Interviews abgebrochen, wenn die Frage kam. Jemand, der so fragt, hat null recherchiert und nicht hingeguckt.

Waltraud SchwabWas für ein Glück, dass ich die Frage noch nicht gestellt habe.

Gerburg JahnkeIch habe nur darauf gewartet. Im Ernst, die Zementierung in Deutschland durch die Medien ist so massiv, dass alle glauben, es gibt keine Komikerinnen. Das ändert sich wirklich nur langsam. Veranstalter gucken sich mittlerweile die „Ladies Night“ an, um auf Frauen aufmerksam zu werden. Ja, sogar das Fernsehen selbst guckt sich zu, um mit der ein oder anderen Frau in anderen Formaten weiterzuarbeiten.

Aus einem ausführlichen, für die „taz“ geführten Interview von Waltraud Schwab mit der Kabarettistin Gerburg Jahnke, deren Sendereihe „Ladies Night“ in unregelmäßigen Abständen donnerstags von 22.45 bis 23.30 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird (das Interview ist nachzulesen in der „taz“-Ausgabe vom 9./10. Juni 2018)

10.06.2018 – MK