Wer befreit uns von der Trailerfülle zwischen einzelnen Sendungen?

29.01.2019 •

«Programmqualität zeigt sich auch in der Beachtung von Kleinigkeiten. Muss ein Wetterbericht in einem Tempo gesprochen werden, als gehe es um irgendeine Wurst? Wer befreit uns von der Trailerfülle zwischen einzelnen Sendungen und ihren vorbeihuschenden Abspännen, unverständlichen Bilderrätseln, die einen verwirrt zurücklassen und eine Atemlosigkeit erzeugen, als werde das Programm von seinen eigenen Kommissaren gejagt? Sie sind ein typisches Instrument für Quotenfernsehen und daher entbehrlich in einem Fernsehprogramm, das sich der Qualität verschreibt.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen könnte sich übrigens auch selbst zu einer Referenzgröße für Qualität machen. Zum Beispiel durch intelligente Wiederholungen. Etwa von Fernsehspielen, die über die Jahre hin einen Grimme-Preis bekamen, anstelle von zwei „Tatorten“ an einem Abend. Die stilbildenden Reportagen der großen Reporter – von Peter von Zahn über Peter Scholl-Latour bis Gerd Ruge – könnte man ein ganzes Jahr lang zeigen, wenn der Tag lang ist. Oder eine Typologie der Kommissare aus fünfzig Jahren: von Richter und Tappert über George bis zu Berkel und Brandt?

Programmqualität ist nicht das Stichwort für bekenntnisfreudige Hierarchen oder medienpolitische Sonntagsreden. Sie ist vor allem nicht, was öffentlich-rechtliche Zählmeister gerne behaupten: eine verblasene Größe, mit der sich diejenigen rausreden, die keine Quote schaffen. Sie ist so real, so hörbar und sichtbar wie es am Ende auch Zahlen nur sein können. Qualität steht für eine Haltung gegenüber dem Publikum. Nicht das erregungsfixierte Netz mit seiner Gier nach der großen Zahl ist das Referenzmodell für das öffentliche Kommunizieren. Es ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der diese Rolle spielen sollte. Qualität bringt nicht der Anblick einer Zitrone, sondern ihr Saft.

PS: Das ZDF macht einen Schritt in die richtige Richtung. Das „Heute-Journal“  am Sonntag wird Ende März auf 30 Minuten verlängert.»

Norbert Schneider im „Tagesspiegel“ (Ausgabe vom 27.1.2019) in einem längeren Text mit Reflexionen über Programmqualität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Schneider, 78, war früher unter anderem Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) und Fernsehdirektor des damaligen Senders Freies Berlin (SFB).

29.01.2019 – MK

Print-Ausgabe 10/2019

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