Tourettesyndromartiges TV-Bashing

22.05.2015 •

«Aber dass den Fernsehprogrammen und denen, die sie produzieren und verantworten, ein kundig-kritisches, kontinuierlich nachhaltendes souveränes Gegenüber so ziemlich fehlt, werden just diejenigen bestätigen, die zur selten gewordenen Spezies der unerbittlich Zugetanen zählen. Stattdessen ist ein tourettesyndromartiges TV-Bashing ins Kraut geschossen, mit dem noch jeder Zeitungs- oder Online-Schreiber (Anlass zuweilen einerlei) das pedestrische Medium und dessen ständige Standardunterbietungen überzieht. Reflexhaft und in einem Furor, der zu tiefenpsychologischer Erforschung einlädt. Sei’s drum. Schon das Resonanzquantum, das der Fernsehfiktion zufällt, ist ja keineswegs zu verachten. Es steckt darin ein Vitalitätsausweis und ein Belebungsfaktor zugleich. Lieber unzulänglich-schlechte Presse als keine, nicht wahr?»

Der frühere Grimme-Institutsdirektor und langjährige ZDF-Fernsehfilmchef Hans Janke in einem Aufsatz mit dem Titel „Spezifikum erster Ordnung. Aus gegebenem Anlass – Fernseherzählungen...“, veröffentlicht in dem von Uwe Kammann und Jochen Hörisch herausgegeben Buch „Organisierte Phantasie – Medienwelten im 21. Jahrhundert“ (Wilhelm-Fink-Verlag). Das Buch erschien im vorigen Jahr anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Grimme-Preises.

22.05.2015 – MK

Print-Ausgabe 24/2019

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