ZDF erhöht Honorare für Autoren von Dokumentationen und Reportagen

11.04.2019 •

Seit Anfang 2019 erhalten Autoren, die für das ZDF Dokumentationen und Reportagen erstellen, höhere Honorare. Im Februar hat sich das ZDF mit dem Bundesverband Regie (BVR) und der Produzentenallianz auf neue Regeln für die Vergütung von Dokumentationen und Reportagen geeinigt, wie der Sender bekannt gab. Die neuen Vergütungsregeln gelten rückwirkend ab dem 1. Januar 2019 und bleiben mindestens bis zum 31. Dezember 2021 gültig. Zu diesem Zeitpunkt kann die Vereinbarung über die Vergütungsregeln, die zwischen dem ZDF, dem BVR und der Produzentenallianz grundsätzlich auf unbestimmte Zeit geschlossen wird, erstmals von einer der Parteien gekündigt werden.

Mit dieser Vereinbarung wird für freiberuflich tätige Autoren unter anderem das Basishonorar festgelegt, das einem zu zahlenden Mindesthonorar entspricht; verhandelbar sind also Zuschläge, etwa für erhöhten investigativen Rechercheaufwand. Auch die neuen Vergütungsregeln gelten wieder für Autoren, die ihren Lebensmittelpunkt in der Europäischen Union haben, und beziehen sich auf Werke mit einer Länge zwischen 30 und 45 Minuten. Die neue Vereinbarung über die Vergütungsregeln basiert auf der vorherigen, die von Anfang Januar 2016 bis Ende Dezember 2018 galt.

Vergütung nach Kategoriensystem

Katarina Schickling von Bundesverband Regie verwies im Februar darauf, dass es mit der Fortschreibung der Vergütungsvereinbarung zwischen dem ZDF, der Produzentenallianz und dem BVR nun zum zweiten Mal gelungen sei, einen wichtigen Schritt in Richtung einer angemesseneren Vergütung für Fernsehdokumentationen zu schaffen, und zwar „nach vielen Jahren des Stillstands“. Laut dem Bundesverband Regie wurde nicht nur das Basis- bzw. Mindesthonorar maßgeblich erhöht, sondern auch das Bestandshonorar, das um sechs Prozent angehoben wurde. Letzteres bedeutet, dass ein bereits in der Vergangenheit für das ZDF tätiger Autor ab diesem Jahr für seine neuen Filme sechs Prozent mehr Honorar bekommt, als er für vor 2019 produzierte Filme erhalten hat. Außerdem sind dem BVR zufolge zusätzliche Clips für soziale Medien künftig ausdrücklich nicht im Honorar enthalten, sondern müssen je nach Aufwand extra vergütet werden. Der BVR hofft, dass die deutliche Erhöhung der Mindesthonorare eine „Signalwirkung auch für andere Auftraggeber haben wird“. Handlungsbedarf sieht Katarina Schickling in Zukunft vor allem bei der Vergütung von Dokumentationen, die über Mediatheken zugänglich gemacht werden.

Die neuen Vergütungsregeln für Dokumentationen und Reportagen beziehen sich auf vollfinanzierte Auftragsproduktionen, die im ZDF-Hauptprogramm, bei ZDFinfo bzw. bei ZDFneo ausgestrahlt werden. Gleiches gilt für die Einbringungen des ZDF in das Programm von mit der ARD gemeinsam betriebenen Sendern wie etwa 3sat oder Arte. Laut den nun geltenden Vergütungsregeln, die der Bundesverband Regie auf seiner Internet-Seite veröffentlicht hat, gibt es beim ZDF weiterhin drei Kategorien von Dokumentationen und Reportagen. Die „Kategorie 1“ erfasst 30-minütige Produktionen mit einem geringen bis mittleren Budget, das sich auf maximal 150.000 Euro beläuft. Darunter fallen Dokumentationen und Reportagen beispielsweise für die ZDF-Reihen „37°“, „ZDFzoom“ und „Planet.e“. Produktionen mit einem mittleren Budget bis maximal 250.000 Euro und einer Produktionslänge von 45 Minuten bilden die „Kategorie 2“. In dieses Segment fallen etwa „Erlebnis-Dokus“ und Produktionen für die Reihe „ZDFzeit“.

In der „Kategorie 3“ sind Dokumentationen und Reportagen mit einem hohen Budget verortet, das mehr als 250.000 Euro beträgt. Diese 45-minütigen Dokumentationen seien, so heißt in den Vergütungsregeln, etwa durch weite Themenstellungen und „verstärkten Einsatz von unterschiedlichen, kreativen Gestaltungselementen“ gekennzeichnet. In diese oberste Kategorie fallen beim ZDF aktuell Produktionen für die Reihe „Terra X“ sowie Feiertags- und Sonderdokumentationen. Die Mindestvergütung für Autoren ist nun danach gestaffelt, in welche Kategorie die jeweilige Dokumentation bzw. Reportage eingeordnet wird.

Mehr Dokumentationen bei ZDFinfo

In der „Kategorie 1“ beträgt das Basis- bzw. Mindesthonorar für die Autoren- und Regieleistung zusammen 12.500 Euro (zuvor: 11.000 Euro), in der „Kategorie 2“ sind es 18.000 Euro (16.000 Euro) und in der „Kategorie 3“ 23.500 Euro (18.000 Euro). Zu einem großen Teil liegt bei Reportagen und Dokumentationen die Autoren- und Regieleistung bei einer Person, so dass ein Autor bzw. eine Autorin für einen „Kategorie-1“-Film für das ZDF von nun an mindestens 12.500 Euro erhalten muss. Mit diesen Honoraren – es handelt sich um Nettobeträge – vergütet das ZDF eine siebenjährige Nutzung der entsprechenden Dokumentationen und Reportagen. Strahlt das ZDF nach diesem siebenjährigen Zeitraum eine Dokumentation erneut aus, dann fallen dafür wieder dem Autor zustehende Vergütungen an, einmal mithin ab dem achten Jahr nach der Erstsendung und ein weiteres Mal nach dem 15. Jahr der Erstausstrahlung. Diese Vergütungen liegen in den drei Kategorien deutlich niedriger als das Basis- bzw. Mindesthonorar. Wie zuvor gilt für Anfänger im Dokumentationsgenre die Mindestvergütung nicht: Bei Produktionen, die den Kategorien 1 und 2 zuzuordnen sind, beträgt hier der Abschlag jeweils zehn Prozent, in „Kategorie“-3-Produktionen sind es 20 Prozent.

Für Autoren von Dokumentationen wird unterdessen der Spartenkanal ZDFinfo ein immer bedeutsamerer Auftraggeber. Im Jahr 2018 gab es bei ZDFinfo rund 100 Dokumentationen, die als Auftrags- bzw. Eigenproduktionen realisiert wurden. Für 2019 plant ZDFinfo hier eine Steigerung. Nähere Angaben dazu machte das ZDF auf MK-Nachfrage aber nicht. Insgesamt habe ZDFinfo im Jahr 2019 für Auftrags- und Koproduktionen sowie den Kauf von Lizenzproduktionen ein Budget von 23 Mio Euro, teilte das ZDF mit. Mit diesem Geld sollen insgesamt 750 neue Dokumentationen eingekauft bzw. produziert werden. 2018 betrug das entsprechende Budget 22,1 Mio Euro. Rund 600 Filme wurden angekauft und die besagten rund 100 eigenen Dokumentationen umgesetzt. Im Jahr 2018 erzielte ZDFinfo beim Gesamtpublikum (Zuschauer ab 3 Jahren) wie auch bei den 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 1,4 Prozent.

11.04.2019 – vn/MK