Initiative unterstützt nun auch Dokumentarfilme für Kinder

15.07.2018 • Seit fünf Jahren fördert die Initiative „Der besondere Kinderfilm“ die Entwicklung und Verfilmung von Originalstoffen für das Kino. Drei Filme sind bereits gestartet, zwei weitere gehen 2018 in Produktion. Die Initiative, an der insgesamt 26 Partner beteiligt sind, hat jetzt beschlossen, künftig auch Dokumentarfilme für Kinder zu unterstützen. Die Partner der Initiative kommen aus dem Bereich der Sender und der Kinobranche, der Produzenten und der Filmförderer.

Beim diesjährigen Kinderfilmfestival „Der Goldene Spatz“ vom 10. bis 16. Juni in Erfurt zogen die Initiatoren eine überwiegend positive Bilanz der bisherigen Arbeit. Mit dabei waren, als im Rahmen des Festivals in der Thüringer Landeshauptstadt am 14. Juni über das Thema „Der besondere Kinderfilm“ diskutiert wurde, MDR-Intendantin Karola Wille, die bei der ARD für den Filmbereich verantwortlich ist, Margret Albers vom Förderverein Deutscher Kinderfilm, Christine Berg vom Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA), Astrid Plenk, Programmgeschäftsführerin des von ARD und ZDF veranstalteten Kinderkanals (Kika), und Johannes Blasius für das Bundesland Thüringen.

Die Vielfalt des Angebots steigern

„Am Anfang stand die Erkenntnis, dass Filme für Kinder eigentlich immer Verfilmungen bekannter Bücher und Geschichten waren. Wirklich originäre Stoffe gab es kaum“, sagte Karola Wille: „Gerade für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehe ich hier aber eine besondere Verantwortung.“

Im Jahr 2012 hatte die MDR-Intendantin alle Branchenvertreter, Sender und Förderer daher zu einem ersten „Runden Tisch“ eingeladen; bereits im Frühjahr 2013 startete dann die Initiative ihre erste Ausschreibung. Gefördert werden die Stoffentwicklung und die Produktion der Filme. Mittlerweile hat bereits der 12. Runde Tisch stattgefunden und die Initiative ist auf 26 Mitgliedern aus allen Bereichen der Branche angewachsen. „Vor dem Start der Initiative waren Originalstoffe beim Kinderfilm vom Aussterben bedroht. Jetzt betreiben wir erfolgreich Teamwork auf höchstem Niveau, um die Qualität und Vielfalt des Angebots beim Kinderfilm zu steigern“, so Margret Albers in Erfurt.

Nach Informationen der Initiative sind seit dem Start 2013 insgesamt 321 Projekte eingereicht worden. 33 Drehbücher wurden gefördert, drei Filme sind bereits im Kino und im Fernsehen gelaufen. Eine entscheidende Rolle bei der Fernsehauswertung spielt dabei der öffentlich-rechtliche Kinderkanal. „Der Kika war von Anfang an bei der Initiative dabei und hat diesen spannenden Wachstumsprozess begleitet“, sagte Programmgeschäftsführerin Astrid Plenk. Für Kinderspielfilme habe der Kika mit dem Freitagabend um 19.25 Uhr auch einen prominenten Sendeplatz geschaffen. „Hier sind auch die drei bereits produzierten ‘Besonderen Kinderfilme’ ‘Winnetous Sohn’, ‘Ente gut – Mädchen allein zu Haus’ und ‘Auf Augenhöhe’ mit großem Erfolg gelaufen“, berichtete Astrid Plenk.

Zwei Spielfilme sind derzeit in Produktion, vier weitere sind in Vorbereitung. Karola Wille sagte, sie sei „positiv überrascht“, was die Initiative in relativ kurzer Zeit auf die Beine gestellt habe: „Es ging uns auch immer darum, die Vielfalt der Filme zu erweitern.“ War die Förderung anfangs auf fiktionale Stoffe beschränkt, hat sich die Initiative mittlerweile auch für Animationsfilme geöffnet.

Ein Wunsch an die Privatsender

Der 12. Runde Tisch hat zudem am 13. Juni beschlossen, ab der Ausschreibung für den Jahrgang 2019/20 auch dokumentarische Stoffe zu fördern. Dokumentarfilme für Kinder sind in Deutschland noch verhältnismäßiges Neuland, in Skandinavien und den Benelux-Staaten dagegen bereits erfolgreich als Genre etabliert. „Was in den nordeuropäischen Ländern schon wunderbar klappt und zuletzt auch Belgien gelernt hat, das schaffen wir in Deutschland auch“, gab sich Karola Wille in Erfurt optimistisch. Und sie schob gleich noch einen Wunsch hinterher: „Vielleicht kann ja auch mal der eine oder andere Privatsender bei der Initiative mitmachen.“

Auch die Kinderfilmproduzenten zogen in Erfurt eine positive Bilanz: „Meinen Film ‘Auf Augenhöhe’ hätte es ohne die Initiative nicht gegeben“, sagte Martin Richter, Filmproduzent aus München. Für den anspruchsvollen Familienstoff hatte Richter bei diversen Sendern vorgesprochen, aber keine ausreichende Finanzierung zusammenbekommen. „Dank der Unterstützung und Förderung durch die Initiative konnten wir dann die Buchentwicklung und den Dreh innerhalb von zwei Jahren realisieren – das kannte ich so nicht“, erläuterte Richter in Erfurt. Sein Film schaffte es dann 2016 als einziger Kinderfilm sogar auf die deutsche Longlist mit den Einreichungsvorschlägen für den besten fremdsprachigen Film bei den Academy Awards (Auslands-Oscar).

15.07.2018 – grg/MK

Print-Ausgabe 25-26/2018

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