Sandra Winterberg soll MABB-Direktorin werden

17.06.2015 •

Die Neubesetzung des Direktorenamts bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat sich zu einem Verfahren von ungewöhnlicher Länge entwickelt. Der derzeitige Amtsinhaber Hans Hege wollte eigentlich mit Ablauf seines Vertrags Ende April 2014 im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand treten. Doch das war nicht möglich, weil sich die Länder Berlin und Brandenburg Monate lang nicht auf die personelle Besetzung des MABB-Medienrats einigen konnten (vgl. zuletzt MK 3/15). Das siebenköpfige Gremium ist zuständig für die Regelung der Hege-Nachfolge und entscheidet darüber, wer den Posten übernehmen wird. Am 23. Januar dieses Jahres kam es dann zur Neukonstituierung des siebenköpfigen Medienrats, der nun nach rund vier weiteren Monaten offenbar zu einem Ergebnis gekommen ist. Nach MK-Recherchen soll Sandra Winterberg neue Direktorin der MABB werden.

Zuverlässigen Informationen zufolge hat sich der Medienrat in seiner vergangenen Sitzung vom 29. Mai auf die Kandidatin geeinigt. Sie könnte somit auf der bevorstehenden Sitzung des Gremiums am 22. Juni gewählt werden (für eine fünfjährige Amtszeit). Sandra Winterberg arbeitet derzeit in der vom SPD-Politiker Björn Böhning gelenkten Senatskanzlei Berlin als stellvertretende Leiterin des Referats ‘Film, Medienpolitik, Netzpolitik’. Zuvor war sie von 1998 bis 2008 Head of Legal and Business Affairs bei der in Köln ansässigen TV-Produktionsfirma Brainpool („Stromberg“, „Ladykracher“). Während dieser Zeit arbeitete sie parallel auch als Rechtsanwältin (Kanzlei Winterberg). Sandra Winterberg ist Volljuristin und erfüllt damit eine unabdingbare Voraussetzung für das Direktorenamt bei der MABB. Sie absolvierte von 1996 bis 1998 am Landgericht Oldenburg ihr juristisches Referendariat (2. Staatsexamen); das 1. Staatsexamen erlangte sie an der Universität Bonn, wo sie von 1991 bis 1994 Rechtswissenschaften studierte, nachdem sie das Fach zuvor von 1989 bis 1991 an der Universität Passau studiert hatte.

Berliner Konfliktfelder

Neben Sandra Winterberg sollen zwei weitere Kandidaten in der Endauswahl für das MABB-Direktorenamt gewesen sein. Auf Rückfrage wollte man sich bei der MABB nicht zu der Personalie noch zum bisherigen und weiteren Prozedere äußern. „Wir befinden uns noch im Verfahren“, hieß es zur Begründung. Auch die Berliner Senatskanzlei wollte keine Auskünfte erteilen. Ein Sprecher der Senatskanzlei verwies auch mit Hinweis auf seinen unmittelbar bevorstehenden Schichtwechsel darauf, dass er in dieser Angelegenheit keine Auskünfte geben könne. Die Berliner Medienpolitik gilt in Branchenkreisen aufgrund zahlreicher Konfliktfelder (Streit um die Leitung der Filmhochschule DFFB, Kündigung des Medienboard-Geschäftsführers, Abwanderung des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik) als eher instabil und unkommunikativ.

Der bisherige MABB-Direktor Hans Hege leitet seit 1992 die damals gegründete Aufsichtsbehörde. Der promovierte Volljurist stand von 1985 bis 1992 ebenfalls schon an der Spitze der Vorgängerbehörde der MABB, der Anstalt für Kabelkommunikation (AKK), die das Kabelpilotprojekt in Berlin organisierte und beaufsichtigte. Nach mehr als 30 Jahren an der Spitze der Medienaufsicht ist für Hege nun der Ruhestand in Sicht. Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, ob es dem Medienrat nun am 22. Juni tatsächlich gelingt, zur Wahl zu schreiten. Vorsitzender des MABB-Medienrats ist seit dem 23. Januar der SPD-nahe frühere ORB-Intendant Hansjürgen Rosenbauer, 73, der seit November 2003 Mitglied des Gremiums ist. Stellvertretende Vorsitzende ist Karin Schubert, 70, SPD-Mitglied und unter anderem ehemalige Berliner Justizsenatorin.

17.06.2015 – Dieter Anschlag/MK

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