Robert-Geisendörfer-Preis 2015: Sonderpreis der Jury für WDR-Nachttalker Jürgen Domian

28.09.2015 •

In Berlin sind am 18. September im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die diesjährigen Robert-Geisendörfer-Preise verliehen worden. Mit dem Sonderpreis der Jury, deren Vorsitz der frühere badische Landesbischof Ulrich Fischer hatte, wurde der WDR-Nachttalker Jürgen Domian ausgezeichnet. Der Wettbewerb um den Geisendörfer-Preis wurde jetzt zum 32. Mal veranstaltet. Domian ist seit 20 Jahren Gastgeber der nach ihm benannten im Radio und im Fernsehen ausgestrahlten WDR-Sendereihe, in der Zuhörer und Zuschauer nachts anrufen können.

Die Jury würdige mit der Ehrung „das vertraute Gesicht und die verlässliche Stimme, die da ist, wenn die Nacht vor lauter Kummer zu schwer wird“, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zur Preisverleihung an Jürgen Domian mit. Er leiste auf diese Weise „Dienst am Nächsten“ und sei „damit preiswürdig“. Domian hat in den 20 Jahren, in denen er seine im WDR-Jugendradio 1Live und im WDR Fernsehen ausgestrahlte Sendung moderiert, mehr als 20.000 Interviews mit Ratsuchenden geführt. Das habe ihn „vor allem demütig gemacht“, sagte er in einer Reaktion auf die Ehrung. Im März dieses Jahres hatte der 57-jährige Domian bekanntgegeben, dass er Ende 2016 mit seiner Sendung aufhören werde.

„Seelsorger der Nation“

Die Jury des Geisendörfer-Preises schrieb zur Begründung der diesjährigen Verleihung des Sonderpreises: „Jürgen Domian ist Gastgeber der bimedialen Call-in-Sendung ‘Domian’. Die Bandbreite seiner Gesprächsthemen ist groß, und der Gastgeber ist sich stets bewusst, dass das Besprochene für sein Radio- und Fernsehpublikum auch unterhaltend sein muss. Wer das am anderen Ende der Leitung im Eifer des Gefechts vergisst, wird von Domian sanft darauf hingewiesen. Tabulose Offenheit ist in dieser Sendung von großer Wichtigkeit, wobei Jürgen Domian klar Stellung bezieht, wenn er die Meinungen seiner Hörer nicht teilt. So gibt er allen eine Stimme, ohne seine eigene aufzugeben.“ Bei der Preisverleihung in Berlin bezeichnete die Oldenburger Pastorin Andrea Schneider Domian in ihrer Laudatio als „Seelsorger der Nation“. Seine Nighttalk-Sendung sei ein „Unterhaltungs-Licht für alle, die in der trüben Alltagsnacht etwas Verrücktes hören oder erzählen wollen.“

Neben dem Sonderpreis wurden beim Robert-Geisendörfer-Wettbewerb, dem Medienpreis der evangelischen Kirche, in den Kategorien Fernsehen, Hörfunk und Kinderprogramme wiederum Preise an jeweils zwei Sendungen vergeben. Diese sechs Auszeichnungen sind mit insgesamt 30.000 Euro dotiert (sechsmal 5000 Euro; der Sonderpreis ist undotiert). Die Preise gingen fünfmal an Produktionen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (Deutschlandradio Kultur, Saarländischer Rundfunk, HR, MDR und WDR), eine Auszeichnung erhielt der private Fernsehsender Vox.

Dem Wettbewerbsstatut zufolge werden beim Geisendörfer-Preis Radio- und Fernsehsendungen ausgezeichnet, die persönliches und soziales Verantwortungsbewusstsein stärken, die christliche Orientierung vertiefen und die zur gegenseitigen Achtung der Geschlechter beitragen. Mit dem Sonderpreis wird eine exemplarische publizistische oder künstlerische Leistung gewürdigt. Der Robert-Geisendörfer-Preis wird seit 1983 jährlich im Gedenken an den evangelischen Publizisten Robert Geisendörfer (1910 bis 1976) vergeben. Er war Gründungsdirektor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) und Fernsehbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Fernseh- und Hörfunkauszeichnungen des diesjährigen Geisendörfer-Wettbewerbs gingen an folgende Beiträge:

Kategorie Fernsehen

Sterben für Allah? Deutsche Gotteskrieger auf dem Weg nach Syrien (ARD/HR federführend, Koproduzenten: BR/SWR), Dokumentation. Den Preis erhielten die Autoren Peter Gerhardt, Ilyas Mec und Ahmet Senyurt.

Unsere Mütter, unsere Großmütter im Zweiten Weltkrieg (Vox/Spiegel TV/DCTP), Dokumentation. Der Preis ging an Julia Driesen-Rosenberg und Amrei Topcu (zusammen Buch/Regie).

Kategorie Hörfunk

Nicht genug (Saarländischer Rundfunk), Hörspiel. Der Preis ging an die Autorin Chris Ohnemus und den Regisseur Martin Zylka.

Grandhotel für Alle! Flüchtlinge, Künstler und Hotelgäste unter einem Dach (Deutschlandradio Kultur), Feature. Den Preis erhielt die Autorin Marianne Weil.

Kategorie Kinderprogramm

Mohammed auf der Flucht (Kika/MDR), Folge aus der Dokumentationsreihe Schau in meine Welt! des Kinderkanals von ARD und ZDF. Den Preis erhielten Guido Holz (Buch/Regie) und Eva-Maria Grewenig (Kamera/Schnitt).

Die Sendung mit dem Elefanten: Freundschaftsspecial (ARD/WDR). Der Preis ging an Heike Sistig (verantwortliche Redakteurin), stellvertretend für das Team.

28.09.2015 – da/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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