Pro Sieben Sat 1: Kosten senken durch Konzernumbau

23.12.2017 •

Die Pro Sieben Sat 1 Media SE legt zum 1. Januar 2018 ihr schwächelndes Fernsehgeschäft mit ihren Online-Videoaktivitäten zusammen. Ab diesem Zeitpunkt werde es dann den neuen Geschäftsbereich ‘Entertainment’ geben, teilte der börsennotierte Konzern am 6. Dezember am „Capital Markets Day 2017“ mit, den das Unternehmen veranstaltet. Zusammengelegt würden, so hieß es, die Segmente ‘Broadcasting German-speaking’ und ‘Digital Entertainment’. Durch diese Zusammenlegung will der Pro-Sieben-Sat-1-Konzern zum einen seine Programminhalte „noch besser crossmedial über alle seine Plattformen hinweg anbieten“. Zum anderen sollen mit dieser Umstrukturierung die Kosten gesenkt werden, was vermutlich größtenteils über einen Abbau von Arbeitsplätzen erfolgen dürfte. Angaben dazu, wie viele Stellen wegfallen sollen, machte das Unternehmen indes nicht.

In dem neuen Bereich ‘Entertainment’ sind ab Januar 2018 die linearen Fernsehprogramme, der Video-on-Demand-Anbieter Maxdome, das App-Geschäft (etwa 7TV-App), das Investmentgeschäft (Seven Ventures) sowie die Bereiche ‘Distribution’ und ‘Advertising Platform Solutions (AdTech)’ gebündelt. Im Segment ‘AdTech’ geht es um technische Entwicklungen, durch die Werbung automatisiert und zielgerichteter ausgespielt werden kann. Gerade in diesem Geschäftsfeld, wozu auch die personalisierte Werbung (‘Adressable TV’) gehört, will Pro Sieben Sat 1 verstärkt investieren, „um im Werbemarkt durch innovative, datengetriebene Angebote zusätzliche Umsätze zu erschließen“.

Die Drei-Säulen-Strategie

Neben dem neuen Bereich ‘Entertainment’ gibt es bei der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe künftig noch zwei weitere Bereiche: ‘Content Production & Global Sales’ und ‘Commerce’. Im Bereich ‘Content Production & Global Sales’ werden das globale Produktionsgeschäft der Red Arrow Entertainment Group und das Multi-Channel-Netzwerk (MCN) Studio 71 zusammengefasst. Studio 71 hilft YouTubern bei der Vermarktung und Finanzierung ihrer Kanäle und unterstützt sie dabei, Inhalte herzustellen. Studio 71 ist bislang – zusammen mit Maxdome – dem Segment ‘Digital Entertainment’ zugeordnet. Künftig will Pro Sieben Sat 1 die Herstellung von Online-Videos in das klassische TV-Produktionsgeschäft und dessen internationale Vertriebsnetze integrieren.

Im Bereich ‘Commerce’ wird das Online-Handelsgeschäft des Konzerns gebündelt, das ab Januar 2018 unter dem Namen Nucom Group (NCG) firmieren wird. Bei NCG wird es demnächst vier Segmente geben: ‘Home Services & Mobility’ (mit den Unternehmen Verivox, billiger-mietwagen.de, Käuferportal), ‘Leisure & Relationships’ (Mydays/Jochen Schweizer, Parship Elite Group, Amorelie), ‘Health & Beauty’ (Flaconi, Windstar Medical) und ‘Style’ (moebel.de, Stylight).

Zu Pro Sieben Sat 1 gehören derzeit noch das Reiseportal weg.de und der Reiseveranstalter Tropo. Beide Unternehmen sollen verkauft werden, nachdem der Konzern im Sommer bereits den Reiseveranstalter Etraveli veräußert hatte. Für die Nucom Group sucht Pro Sieben Sat 1 außerdem nach Partnern, die sich mit Minderheitsanteilen an der Gesellschaft beteiligen. Die Gespräche über Partnerschaften will der Konzern voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 abschließen.

Die Maßnahme, die Geschäftsbereiche von bisher vier auf künftig drei zu verringern, soll für die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe zu dem Ziel führen, sich auf dem Markt an das „dynamisch verändernde Umfeld auszurichten und weiteres nachhaltiges, profitables Wachstum sicherzustellen“. Außerdem soll durch diesen Konzernumbau bis 2019/20 ein Betrag von netto insgesamt 50 Mio Euro einspart werden. „Mit der Drei-Säulen-Strategie stellen wir Pro Sieben Sat 1 auch für die Zukunft wettbewerbsfähig auf, stärken die Gruppe für weiteres Wachstum und schaffen zusätzlichen Wert für Mitarbeiter und Aktionäre“, erklärte der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling. Der 58-Jährige wird am 22. Februar 2018 den Chefposten vorzeitig abgeben und den Konzern verlassen. Nicht zuletzt Ebelings despektierliche Aussagen über die Zuschauer der Pro-Sieben-Sat-1-Sender haben dazu geführt, dass der Manager die TV-Gruppe vorzeitig verlässt (vgl. MK-Meldung). Wer Ebeling nachfolgt, ist noch nicht entschieden.

Investitionen in Inhalte

Thomas Ebeling und die Pro Sieben Sat 1 Media SE waren aber bereits in den vergangenen Monaten wegen sinkender Marktanteile der konzerneigenen TV-Sender und daraus resultierender rückläufiger Werbeeinnahmen unter Druck geraten. Zweimal musste seit Ende August 2017 die Prognose zum Umsatzwachstum nach unten korrigiert werden, vor allem wegen des schwächelnden Fernsehgeschäfts. Das alles führte auch zu einem deutlichen Rückgang des Aktienkurses. Aktuell erwartet der Konzern, dessen Einnahmen eigenen Angaben zufolge je zur Hälfte aus dem klassischen TV-Werbegeschäft und den Digitalaktivitäten kommen, für das Gesamtjahr 2017 einen Anstieg des Umsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich. Der bereinigte Jahresüberschuss für 2017 soll leicht über dem Ergebnis des Vorjahres liegen. Pro Sieben Sat 1 geht zudem davon aus, den Umsatz bis zum Jahr 2022 im Vergleich zu 2017 um mehr als eine Milliarde Euro steigern zu können. Durch weitere größere Akquisitionen würde sich, so der Konzern, „das geplante Umsatzwachstum voraussichtlich zusätzlich erhöhen“.

Abzuwarten bleibt indes, ob die Zusammenlegung des Fernsehgeschäfts mit den Online-Videoaktivitäten – die strategisch sicherlich sinnvoll erscheint – so schnell stärkeres Wachstum verheißt wie geplant, nicht zuletzt da der Video-on-Demand-Anbieter Maxdome weiterhin rote Zahlen schreibt (2018 soll Maxdome die Gewinnzone erreichen, nachdem dieses Ziel für 2017 verfehlt wurde). Da vor allem die Hauptsender des Konzerns, Sat 1 und Pro Sieben, über die Jahre programmlich ausgezehrt wurden (was zu sinkenden Marktanteilen geführt hat), wären hier allerdings kostenintensive Investitionen in Inhalte nötig. Dass bei den beiden Sendern neue Formate entwickelt werden müssen, haben die Konzernverantwortlichen erkannt. Wie aus einer Präsentation des Konzerns beim „Capital Markets Day 2017“ hervorgeht, sollen für Sat 1 neue Eigenproduktionen entwickelt werden (in den Bereichen Magazin, Telenovela, Comedy und Serien). Für Pro Sieben sind neue Reality-Formate, eine wöchentliche Comedy-Late-Night-Show und mehr „innovativer Sport“ vorgesehen.

23.12.2017 – vn/MK